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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Theodor Doppelburg oder Ä hochdeitscher Leibz’ger

Theodor Doppelburg oder Ä hochdeitscher Leibz’ger

Edwin (Pseudonym: Bliemchen) Bormann

Da is Sie ä Owerschulrat aus Dräsen

Daneilich ämal in Leibzig gewesen.

Hat mancherlei Schulen geinspiziert

Un sich iewer de Leibziger Sprache mockirt.

Doch der eene Lehrer, Herr Dokder Knauf,

Der sprach: "Ich halte stets darauf,

Meine Schüler beständig zu unterweisen,

Daß sie sich des besten Hochdeutsch befleißen;

Und besonders das T, das P und das K

Sind bei meinen Schülern ganz tadellos da."

Schüler beim Sprechunterricht. Foto: Deutsche Fotothek.
Schüler beim Sprechunterricht. Foto: Deutsche Fotothek.

 

Un der Schulrat griff sich eenen raus:

"Mein Sohn, sprich mal Theater aus."

Un sehn Se, da wärd doch mei Urian uffstehn

Un spricht Sie Theater - mit zwee harden Deen.

Der Schulrat nickte: "Jetzt sage mir

Einmal recht deutlich das Wort Papier."

Un sehn Se, der Bengel, eiherrchees,

der spricht Sie Papier - mit zwee harden Bees.

"Jetzt aber kommt's Schwerste; hör achtsam mir zu

Und sage auf Hochdeutsch Kakadu."

Das war fer das Gerlchen nu bloß ä Spaß:

Kakadu sprach er - mit zwee richt'gen Gaas!

 

Da ruft der Schulrat: "Herr Doktor, nein,

Das kann kein richt'ger Leipz'ger sein!

Wie heißt du?" - "Theotor Toppelpurk,

Keporener Leipz'ker turch un turch!"

Bildnachweis

Beide Bilder stammen aus dem Nachlass von Roger Rössing (1929-2006) Auf die Infoboxvorlage des Erstellers verlinken wikidata:Q622940 Renate Rössing (1929-2005) Auf die Infoboxvorlage des Erstellers verlinken wikidata:Q622945, die ihn der Deutschen Fotothek geschenkt haben.

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