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London kommt!

Pückler und Fontane in England

Klaus-Werner Haupt

Hardcover, 140 Seiten, 2019

Im Herbst 1826 reist Hermann Fürst von Pückler-Muskau erneut auf die Britischen Inseln, denn er ist auf der Suche nach einer vermögenden Braut. Aus der Glücksjagd wird eine Parkjagd, in deren Folge die Landschaftsgärten von Muskau und Branitz entstehen. Auch die Bewunderung für die feine englische Gesellschaft wird den Fürsten zeitlebens begleiten.

Theodor Fontane kommt zunächst als Tourist nach London, 1852 als freischaffender Feuilletonist, 1855 im Auftrag der preußischen Regierung. Seine journalistische Tätigkeit ist weitgehend unbekannt, doch sie bietet ein weites Feld für seine späteren Romane.

Die vorliegende Studie verbindet auf kurzweilige Art Biografisches mit Zeitgeschehen. Die Erlebnisse der beiden Protagonisten sind von überraschender Aktualität.

Dr Sänger

Dr Sänger

Lene Voigt

Joseph Tichatschek als Tannhäuser in Dresden. 1845 von F. Tischbein gezeichnet. Der Tenor lebte und starb in Dresden.
Joseph Tichatschek als Tannhäuser in Dresden. 1845 von F. Tischbein gezeichnet. Der Tenor lebte und starb in Dresden.

„Wär singt dänn da so wunderscheen,

Daß een äs Härze dud uffgehn?"

Dr Geenich fragtes un befahl:

„Mr bring dän Gärl bei mich in Saal!"

 

Dr Sänger, där verneichte sich

Un bickte sich un beichte sich,

Dann schtimmtr änne Arie an

Un hing zum Schluß ä Driller dran.

 

Dr ganse Hof war dief geriehrt

Un hat wie bleedsinnch abblaudiert.

Dr Geenich schbrach: „Heh, Sänger du,

Jetz gib noch was rächt Schmalzches zu!"

 

Druff sang där Mann ä Wiechenlied,

Daß färmlich's een ins Bädd neinzieht.

Beim lätzten Worte „Guddenacht"

Hatr de Oochen zugemacht.

 

„Nee," rief dr Geenich, „war das scheen!

Hier haste ooch ä Edelschten."

Un huldvoll zärrtr von dr Hand

Sich ä sähr gostbarn Diamant.

 

„Das liecht mr färne," schbrach där Mann,

„Daß ich nähm ä Brillanten an.

De Sibo gäm bald nachgesaust

Un dächte, dän hab ich gemaust."

 

„Wie gut geschbrochen," rief dr Färscht,

„Uff andre Art geährt de wärscht:

Hier, nimm mein Schlibbs aus Seidenband,

Ich wärch dr'n um mit eechner Hand."

 

„Behalt dein Schlibbs, behalt dein Ring!

Ich du wie so ä Vochel sing'

Umsonst un gradis jederzeit,

Mei Lohn is, wänn's de Mänschen freit.

Doch willste mir durchaus was gähm -

Ä Däbbchen Gaffee, das däd'ch nähm!"

 

 

Quelle:

Voigt, Lene: Säk'sche Balladen. Leipzig o. J. Erstausgabe

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