Leipzig-Lese

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Ausstellung im Schloss Ettersburg
Weimarer Galerie

Unter dem Motto "Licht und Schatten" fanden sich im Frühjahr sechs Künstler der virtuellen Dauerausstellung "Weimarer Galerie" (http://www.weimarer-galerie.com/) zu der dritten Präsensausstellung des Projektes im Schloss Ettersburg zusammen. Der Katalog zeigt die ausgestellten Werke und gibt einen Einblick in die Vielseitigkeit der von den Künstlern gefertigen Kunstwerke. 

Leibz’ger Vandalen-Lied

Leibz’ger Vandalen-Lied

Edwin (Pseudonym: Bliemchen) Bormann

Der Leipziger Schriftsteller Edwin Bormann beklagt in satirischer und mundartlicher Weise in seinem Gedicht den Untergang kultureller und traditioneller Güter und Bauwerke. Die Urheber der Zerstörung bezeichnet er als Vandalen. Ausgerechnet ihm erging es nach seinem Tod ebenso. Beigesetzt wurde er auf dem Neuen Johannisfriedhof, welcher in Folge der Säkularisierung umgeformt wurde, in Folge dessen Bormanns Grab für die Nachwelt verloren ging.

Carolin Eberhardt

Allen gleichgesinnden Gemiedern

In berserkerhafter Hochachdungk gewidmet.

 

Mir sin Vandalen. Unser Wahlspruch schreibt sich

Reißt weg, was friehre Zeiden hamm gebaut!

Un wo mir sehn ä Stickchen aldes Leibzig,

da lewerleeeft uns gleich de Gänsehaut.

De Hacke her, den Spaden!

Fort, immer fort mit Schaden!

Mit „bideet“ un sowas bleibt uns fern,

Mir sin Sie nämlich dorch und dorch modern.

 

Mit welch erhawnen Demolier-Gefiehle

Spaziert sich’s alieweile dorch de Stadt.

Besondersch seit mer uf den hiesigen Briehle

Die vielen neien Prachgebeide hat.

Stadt der Musiek, du hehre,

Du reddest deine Ehre:

Du bist fer ew’ge Zeiden scheene `raus.

Seitdem beseidigt `s Richard-Wagner-Haus.

 

Wer Bildngk hat, der is sich längkst in Klaren,

Wie’s mit der Fresgo-Malerei bewandt:

`s ist, wenn de Maler Eel und Leinwand spraren

Un schmier’n de Farwen uf de nack’g e Wand.

Was voll fimf Jahrhudert

Der Leibz’ger Plebs bewundert.

Das schmissen wir, die mir gebildet sein,

Verständnisvoll mitsammt den Kreizgangk ein.

 

Nischt gibbt’s, was mehr modernen Sinn beleidigt

Als wie än Friedhof, der de nich mehr nei:

Drum word‘ der alde Krämbel shnell beseidigt –

 Was gehen uns Leide an, die längkst vorbei!?

Mit Gellerden und Bachen

Dat, ach! mer Ausnahm‘ machen:

Doch uf den andern trambelt’s Buwligum

Nu mir nischt dir nischt mit den Stieweln `rum.

 

So schreiden mir verklärt von Dat ze Daden.

Wo’s Arweit gibbt, gleich simmer da im Nu:

Schon bau’n mer voll än Deel der Promenaden,

Un nchstens fill’n mer ooch den Schwandeich zu.

Dut ja eich nich schenieren

Un jeden Berg planieren!

Längst hammer Preller’schen Binsel uf’en Strich;

Dadrum vergeßt mer’sch Reem’sche Heidschen nich!

 

Denn leider dut ja viel noch existieren,

Was ä modernes Herz erfillt mit Graus:

Den alden Marchtplatz laßt und barzellieren;

Da schlag‘ mer heldenmäß’ge Gelder `raus!

Ooch gibbt’s hier noch in Gansen

Zeviel andike Flansen:

Wie dich so’n Eichboom dud, `s is ä Skandal!

Wenn holz‘ mer endlich nieder ´s Rosendhal?!

 

Ja ja. `s is noch recht vielerlei ze leisten,

was beinah Menschkräfde lewersteigt;

Drum laßt uns wieden „mit vereinden Feisten“,

Denn ach! `s Zemeerschein is oft gar nich leicht!

De Hacke hoch, ihr Brieder,

Un saust se schwungkvoll nieder,

Dann singkt’s bekeistert in de Lifde `nein:

Mir sin Vandalen, woll’n Vandalen sein!

 

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