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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

mittelpunkt LE

mittelpunkt LE

Jutta Pillat

Mendelssohns Zeichnung 1836.
Mendelssohns Zeichnung 1836.

 

mir fehlten die ehrwürdigen gaslaternen/

mein herz spürte sehnsucht: zurück nach L./

ich lief mir die hacken wund/um wiederzukommen/

fand meinen mittelpunkt/

meinen roten faden zu den gesprächigen leuten im

fahrstuhl unseres hauses endlich auf dauer/

die nachbarin trug kopftuch/

als hier geborene war ich im ideennest angekommen/

nun kann ich neben dem kostbaren city-tunnel

einschlafen, erwachen/

bin buchmessegefährdet und habe bach und thomaner mit im boot/

wenn ich zeit habe/

flaniere ich in den promenaden als eine der frauen


mendelsohns/

wer kann das schon von sich sagen?/

über schlaglöcher finde ich überallhin/

Dieses Gedicht stammt aus dem Buch  Stimmen für Leipzig, zusammengestellt und herausgegeben von Jutta Pillat, Leipzig 2015.

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