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Winckelmann im Kreise der Gelehrten

Klaus-Werner Haupt

Das Gemälde "Winckelmann im Kreise der Gelehrten in der Nöthnitzer Bibliothek" von Theobald Reinhold Anton Freiherr von Oer steht im Mittelpunkt dieser Abhandlung über Winckelmann. Es dient dem Autor als Vorlage für eine kurze szenische Darstellung, in der die Geisteshaltungen und die Kontroversen der zwölf Gelehrten sichtbar werden.
Insgesamt besteht das Heft aus drei Teilen. Einem Kurzabiss zum Maler von Ohr, dessen Bild im Mittelpunkt steht, dann der szenischen Abhandlung, die das Bild zum Leben erweckt. Anschließend wird in einem wissenschaftlichen Abriss Winckelmann als Wegbereiter der Weimarer Klassik abgehandelt.

Naivität

Naivität

E.T.A. Hoffmann

Ein Kranker, der an einer beharrlichen Schlaflosigkeit litt, sah sich genötigt, jede Nacht jemanden um sich zu haben, mit dem er nicht allein sprechen konnte, sondern der ihm auch in seinem gelähmten Zustande die nötige Hilfe leistete. So sollte ein junger Mann bei dem Kranken wachen. Statt aber zu wachen, verfiel derselbe in einen Schlaf, aus dem er nicht zu erwachen war. Der Kranke war in dieser Nacht von einer besonderen musikalischen Laune ergriffen, besann sich auf alle möglichen Kanzonen und Kanzonetten*, die er sonst gesungen, und sang sie mit heller Stimme ab. Endlich, als er in das schlafende Antlitz seines Wächters schaute, kam ihm die ganze Situation zu drollig vor. Er rief seinen Wächter laut bei Namen und fragte, als dieser sich aus dem Schlaf rüttelte, ob ihn vielleicht das Singen in seiner Ruhe störe? „Ach Gott!" erwiderte der junge Mann ganz naiv und trocken, indem er sich dehnte, „ach Gott! nicht im mindesten. Singen Sie doch in Gottes Namen, Herr Rat; ich habe einen festen, gesunden Schlaf!" Und damit schlief er wieder ein, indem der Kranke mit heller Stimme anstimmte: Sul margine d'un rio** usw.


*( ital.) Gesangsstücke
** (ital.) am Ufer eines Flusses

Quelle:
E.T.A. Hoffmanns sämtliche Werke. Hg. von Leopold Hirschberg, Berlin 1922

 

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