Leipzig-Lese

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Auf seiner Reise weilte Beskow auch in Weimar, wo er die Bekanntschaft Goethes machte und auch an der herzoglichen Tafel eingeladen war. Beskows Sicht auf Weimar um 1820 ist noch heute lesenswert und beeindruckend.

Es ist seltsam, sich an einem Hof aufzuhalten, an dem Literatur, die schönen Künste und die Bildung fast das einzige Gesprächsthema sind.

Die Leipziger Buchmesse im 19. Jahrhundert

Bernhard Beskow

Der spätere schwedische Schriftsteller und Historiker Bernhard von Beskow brach als junger Mann 1819 zu einer Reise durch Mitteleuropa auf. In seinen Vandringsminnen, was übersetzt so viel bedeutet wie Wandererinnerungen, hält er seine Eindrücke und Gedanken zu den verschiedenen Städten fest. Im folgenden Ausschnitt nimmt er uns mit auf die Leipziger Buchmesse, welche auch vor 200 Jahren schon die bedeutendste in ganz Deutschland war. Seine Gedanken über Raubkopien sind dabei auch heute im digitalen Zeitalter immer noch aktuell.

Alina Wilks

Zu den drei Messen, die jedes Jahr in Leipzig stattfinden, kommen über dreihundert Buchhändler von auswärts und gesellen sich zu den einheimischen zweiundfünfzig. Das Schicksal der deutschen Schriftsteller – also das mehrerer tausend Menschen, denn kein Land hat so viele Schriftsteller wie Deutschland – entscheidet sich hier. Ein deutscher Autor, der eine Leipziger Messe versäumt, muss bis zur nächsten warten, denn sonst – point de salut. Deshalb ist Leipzig das Zentrum des Buchhandels von ganz Deutschland, und zwar seit dem Jahr 1600, als hier der erste Messekatalog gedruckt wurde. Jeder Buchhändler oder Verleger hat seinen eigenen Vertreter, und bevor ein Buchhändler in Berlin ein Buch kauft, das z. B. in Hamburg erschienen ist, bestellt er es eher aus Leipzig, aber dann sind es meistens Großbestellungen. Ein Thema, das auf einem solchen Buchhändler-Reichstag behandelt werden sollte, ist der „Nachdruck“. Der Missbrauch davon ist das Krebsgeschwür des deutschen Schriftstellerdaseins. Die Regierungen haben versucht, es einzudämmen, doch ihre Macht beschränkt sich auf ihren eigenen Staat. Das Ärgerliche ist: Je geistreicher ein Schriftsteller ist, desto mehr hat er Diebsauflagen zu befürchten. Schlechte Bücher bleiben das Eigentum ihres Schöpfers, aber sobald eine gute Arbeit herauskommt, sind alle geheimen Pressen in Deutschland im Gang, um es nachzudrucken, und wer das tut, kann es immer günstiger verkaufen als der Verleger, ohne die Kosten für das Manuskript zu tragen, und beschränkt sich meistens auf eine typografisch dürftige Auflage. Einige Leser sind trotzdem so edelmütig, dass sie trotz des günstigen Preises die gefälschte Auflage verächtlich zurückweisen. Eine einfache Methode, um den Nachdruck wenigstens teilweise zu verhindern, scheint mir darin zu bestehen, dass der Verleger der Werke eines bekannten Autors die Allgemeinheit zur Subskription auffordert. Er könnte dann wenigstens sicherstellen, Abnehmer für ein paar tausend Exemplare zu haben, und so den „Nachdrucker“ von einem weniger sicheren Unternehmen abschrecken. Aber vielleicht gibt es da uns unbekannte Hindernisse, denn sonst würden kundige Buchhändler wie Brockhaus, Breitkopf & Härtel, Cotta u. a. es wohl so machen.

 

Text aus Bernhard Beskows Vandringsminnen, S. 76f.

Aus dem Schwedischen übersetzt von Nadine Erler

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