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Der Traum des Mauerseglers

Berndt Seites Gedichte schätzen die Kraft des Moments. Sie tauchen in ihn ein, entdecken Höhen und Abgründe und legen dabei Vers für Vers frei, wie wir durch das Leben gehen, wer wir sein wollen und wer wir – manchmal wider Willen – dabei werden.

Es sind Gedichte, die träumen, schimpfen und scherzen, sie führen uns von leisen Beobachtungen hin zu den ersten Fragen, die damit ringen, womöglich zu den letzten zu gehören.

Trinklied

Trinklied

Wilhelm Busch

Gestern ging ich wieder mal
In die Schenke schnelle,
Wie der durst'ge Pilgersmann
Eilt aus der Kapelle.

Alldieweil der Durst so groß,
Trink' ich etwas eil'ger
Und erglänze alsobald
Wie ein neuer Heil'ger.

Wie der Pater Gabriel
Werd' ich allnachgrade;
Zwicke schon die Kellnerin
Listig in die Wade. –

Beim Getränke lieb' ich mir
So ein Spiel, ein kleines;
Ach, mein Geld ist hin, wie einst
Kozmianen seines.

 

Da der Wirt auf Zahlung dringt,
Fang' ich an zu tosen.
Drauf ergeht's mir wie dem Erz-
Bischof hint in Posen.

Meinen Rock verwahrt der Wirt,
Und die Schelle zieht er:
»Heda, Hausel! Schiebe fort
Diesen Jesuiter!«

Als ich auf der Gasse lag,
Schlägt die Glocke zwölfe,
Und ich grolle tief empört
Wie ein alter Welfe.

Gleich so fragt mich ein Gendarm,
Was ich hier bezweckte.
Keine Auskunft geben wir,
Seminarpräfekte!

Darum sitz' ich heut im Loch. –
Ach! Und dieser Kater!
Fluchend geh' ich auf und ab
Wie ein heil'ger Vater.

Quelle

https://de.wikisource.org/wiki/Trinklied_(Busch)

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