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London kommt!

Pückler und Fontane in England

Klaus-Werner Haupt

Hardcover, 140 Seiten, 2019

Im Herbst 1826 reist Hermann Fürst von Pückler-Muskau erneut auf die Britischen Inseln, denn er ist auf der Suche nach einer vermögenden Braut. Aus der Glücksjagd wird eine Parkjagd, in deren Folge die Landschaftsgärten von Muskau und Branitz entstehen. Auch die Bewunderung für die feine englische Gesellschaft wird den Fürsten zeitlebens begleiten.

Theodor Fontane kommt zunächst als Tourist nach London, 1852 als freischaffender Feuilletonist, 1855 im Auftrag der preußischen Regierung. Seine journalistische Tätigkeit ist weitgehend unbekannt, doch sie bietet ein weites Feld für seine späteren Romane.

Die vorliegende Studie verbindet auf kurzweilige Art Biografisches mit Zeitgeschehen. Die Erlebnisse der beiden Protagonisten sind von überraschender Aktualität.

Das Ebenbild

Das Ebenbild

Gotthold Ephraim Lessing

Gotthold Ephraim Lessing. Gemälde von Anna Rosina de Gasc (Lisiewska), 1767/1768.
Gotthold Ephraim Lessing. Gemälde von Anna Rosina de Gasc (Lisiewska), 1767/1768.

Ein gewisser Mensch wollte sich malen lassen. Ein jeder will einmal in seinem Leben gemalet sein. Es ist der Eigenliebe eigentümlich, dass sie Ebenbilder liebt. Diese Kunst, welche uns abmalet, scheinet uns auch zu vervielfältigen. Das ist nicht unsere einzige Torheit. Als das Ebenbild fertig war, wollte unser Mann das Urteil seiner Freunde, in der Malerei erfahrener Leute, darüber vernehmen. „Betrachtet es“, sagte er, „und seht, ob ich getroffen bin und ob es meine Gestalt ist.“

„Gut“, sagte der eine, „man hat Euch schwarz gemalt, und Ihr seid doch weiß!“ -- Der andere sprach: „Was für ein verdrehtes Maul!“ – „Die Nase steht nicht am rechten Orte“, setzte ein dritter hinzu. „Ich möchte wohl wissen, ob Ihr solche kleine und finstre Augen habt? Und wozu dienen denn diese Schatten? Kurz, Ihr seid es nicht, es muss ganz anders gemalet werden!“

Der Maler schreit vergebens dawider; umsonst ärgert er sich. Auf diesen Ratschluss muss er wieder anfangen zu malen. Er arbeitet und verbessert; es gelingt nach seinen genommenen Maßregeln, und er wollte dieses Mal sein ganzes Vermögen draufsetzen, dass es vollkommen getroffen wäre, Die Kenner werden wieder zusammen berufen, und sie verdammen noch einmal das ganze Stück. „Das Gesicht“, heißt es, „ist zu lang, die Backen sind eingefallen, die Haut ist runzlig; Ihr seid schmutzig und wie ein Mann von sechzig Jahren gemalt, und ohne Schmeichelei, Ihr seid jung und schön.“

Der Schwarm dieser Kunstverständigen versammelte sich den Tag darauf wieder. Der Maler zeigte ihnen das Bild ein wenig von ferne und sagte: „Nun, gefällt Euch dieses besser? Was dünkt Euch? Wenigstens habe ich den Kopf von neuem mit großem Fleiß gemalt!“ „Warum lasst Ihr uns wieder rufen?“ sagten diese. „Warum zeigt Ihr uns diesen unausgearbeiteten Entwurf noch einmal? Wenn wir es aufrichtig sagen sollen: er ist es ganz und gar nicht; Ihr habt es noch schlimmer gemacht!“

„Ihr irret Euch, meine Herren!“ sprach der Kopf. „Ich bin es selbst.“

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