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London kommt!

Pückler und Fontane in England

Klaus-Werner Haupt

Hardcover, 140 Seiten, 2019

Im Herbst 1826 reist Hermann Fürst von Pückler-Muskau erneut auf die Britischen Inseln, denn er ist auf der Suche nach einer vermögenden Braut. Aus der Glücksjagd wird eine Parkjagd, in deren Folge die Landschaftsgärten von Muskau und Branitz entstehen. Auch die Bewunderung für die feine englische Gesellschaft wird den Fürsten zeitlebens begleiten.

Theodor Fontane kommt zunächst als Tourist nach London, 1852 als freischaffender Feuilletonist, 1855 im Auftrag der preußischen Regierung. Seine journalistische Tätigkeit ist weitgehend unbekannt, doch sie bietet ein weites Feld für seine späteren Romane.

Die vorliegende Studie verbindet auf kurzweilige Art Biografisches mit Zeitgeschehen. Die Erlebnisse der beiden Protagonisten sind von überraschender Aktualität.

Die alte Frau in der Thomasschule

Die alte Frau in der Thomasschule

Dr. Jürgen Friedel

Auch unsere Thomasschule, die in diesem Jahr ihr 800jähriges Jubiläum feiert, ist von Sagen nicht verschont geblieben.
Schon immer hatte sie an der Westseite des Kirchhofes gelegen. Das alte kleine baufällige Haus brach man 1533 ab. Aus dem Abbruchmaterial erlöste man nur 54 Gulden. Der Neubau war ein ansehnliches mehrgeschossiges Renaissance-Gebäude von 10 Fenstern Breite. 1902 wurde es leider abgerissen. In ihm begab sich, was nun folgt.

Titelkupfer zu der "Neuen Ordnung" der Thomasschule 1723. Johann Gottfrieg Krügner (1684-1769)
Titelkupfer zu der "Neuen Ordnung" der Thomasschule 1723. Johann Gottfrieg Krügner (1684-1769)

Wenn Thomasschüler ansteckend erkrankten, brachte man sie in den sogenannten Rothen Turm. Wieder einmal hatte einer die rote Ruhr. Er kam zusammen mit einem, der am viertägigen Fieber litt.
Sie wurden von einer Frau umsorgt, die auch in diesem Seitengebäude wohnte. Die erste Nacht verlief ohne besondere Vorkommnisse. Am anderen Abend fand der Thomaner, den die rote Ruhr plagte, keine Ruhe. Sein Mitschüler aber schlief schon den Schlaf der Gerechten. Die Glock hatte bereits elf geschlagen, als sich die Stubentüre öffnete und eine alte Frau hereintrat, die aber nicht die Pflegerin war. Sie hatte eine weiße Haube auf dem Kopf, deren Flügel unter dem Kinn zusammengebunden waren. Ein Tuch war um die Schulter gelegt, und sie hatte eine Schürze vorgebunden. Sie ging direkt auf das Bett des Ruhelosen zu, so daß dieser deutlich ihr blasses gelbes Gesicht mit der langen Nase sehen konnte. Er war ganz erschrocken und hielt sich das Bett-Tuch vor die Augen. Die Frauengestalt trat zurück und ging zu dem kleinen Nachttisch. Sie machte ihn ganz ordentlich auf und sah hinein. Das nutzte der Thomaner, um mit seinem Stock, den er neben seinem Bette stehen hatte, der unten wohnenden Pflegerin ein Zeichen zu geben.

Sie kam auch sofort die Treppe herauf. Da wendete sich die alte Frau zur Stubenecke und verschwand.

Der Schüler erzählte der Pflegerin sehr aufgeregt den ganzen Hergang, fiel aber bald in Ohnmacht.

Der schnell herbeigerufene Arzt ließ den Jungen zur Ader, aber kein Tropfen Blut wollte kommen. Nach Tagen erst hatte sich der Patient leidlich erholt.

Auch anderen Personen ist hernach die Alte noch erschienen, oft zur Mittagsstunde, wenn die Wäsche auf den Boden gebracht wurde.
Bald blieb sie länger und schließlich ganz aus.

 

Ob sie nun Euer Haus erwählt hat...?

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