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Mimo hat Zahnweh

Ines Andre-Korkor

Als Meerschweinchen Mimo eines Tages erwacht, hat es fürchterliche Zahnschmerzen. Doch es will den Geburtstag seines besten Freundes nicht verpassen. Ob die Feier so viel Ablenkung bietet, dass sich das Zahnweh vergessen lässt?

Eine Geschichte für die Jüngsten zum Thema Zahnarzt und Zahnschschmerzen. Die niedlichen und warmherzigen Illustrationen von Petra Lefin lassen nicht nur Kinderherzen weich werden.

Leibniz und von Tschirnhaus

Leibniz und von Tschirnhaus

Christof von Tschirnhaus

Leibniz. Bleistiftzeichnung von Menzel
Leibniz. Bleistiftzeichnung von Menzel
„Ich liebe Leipzig", so schreibt Gottfried Wilhelm Leibniz 1708 dem Leipziger Theologen A. Rechenberg auf dem Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Reputation, „wie es sich für die Heimat geziemt, und habe nicht das Gefühl, daß sie gegen mich undankbar war. Ich habe keinen Grund zur Klage darüber, daß ich als junger Mann und fast noch ein Knabe unter so vielen Männern, die an Alter und Gelehrsamkeit hervorragten, nicht auffiel. Dennoch reut mich meine Ungeduld nicht. Die Irrtümer der Menschen werden durch die göttliche Vorsehung gelenkt, so daß oft schlechte Entschlüsse zum Guten führen."
Welche Entscheidung hatte vor 40 Jahren in Leipzig die Wende in seinem Leben herbeigeführt, die ihn zu diesem weisen und mit feiner Ironie gewürzten Kommentar veranlasste? Es war eine eklatante Fehlentscheidung der Universität Leipzig: Leibniz war kaum 20 Jahre alt, als er seine Dissertation zum Doktor beider Rechte an der Leipziger Universität einreichen wollte. Das wurde ihm nicht gestattet, weil sich ältere Bewerber übergangen fühlten. Deshalb promovierte Leibniz 1666 in Altdorf bei Nürnberg, schlug aber eine akademische Karriere aus.
Gottfried Wilhelm Leibniz wurde am 1. Juli 1646 (neuer Zeitrechnung) in Leipzig geboren. Sowohl die Vorfahren väterlicherseits als auch mütterlicherseits gehörten zum Bürgertum, das für Wissenschaft und Bildung sehr aufgeschlossen war, darunter gab es eine Reihe von Juristen. Leibniz' geniale Begabung war schon im Kindesalter aufgefallen: Als Autodidakt begann er, nur mit Hilfe illustrierter Bilder, die lateinische und griechische Sprache zu lernen. Seine Eltern verstarben früh. Er stillte seinen Wissenshunger aus der großen Bibliothek seines Vaters. Im Alter von 15 Jahren hatte er an der Universität seiner Heimatstadt ein Studium der Philosophie und Rechtswissenschaft aufgenommen. Daneben hörte er Vorlesungen über Mathematik, griechische und lateinische Poesie. Im vierten Semester promovierte er zum Baccalaureus.
1666 verließ er Leipzig nach der Fehlentscheidung der Universität, diente später als diplomatischer Berater dem Mainzer Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn, in dessen Auftrag er nach Paris ging. Er nutzte den vierjährigen Aufenthalt, um die führenden Gelehrten seiner Zeit kennen zu lernen, so den Physiker und Mathematiker Christiaan Huygens, den Chemiker R. Boyle u. a.
Ehrenfried Walther von Tschirnhaus
Ehrenfried Walther von Tschirnhaus

Als Leibniz dort im „Hotel des Romains" Ehrenfried Walther von Tschirnhaus kennen lernte, machte dieser auf ihn einen tiefen Eindruck, denn von Tschirnhaus galt als ein hochbegabter Mathematiker(Algebra) und kannte zudem den rebellischen und unorthodoxen Baruch Spinoza persönlich, von dem er die damals geheime Schrift „Ethik" besaß. Von Tschirnhaus schreibt über die Begegnung, sein „größtes Glück sei mit Leibniz zu reden, beides zu finden, Belehrung und Heiterkeit des Gemüts."


Von Tschirnhaus wurde am 10.4.1651 in Kieslingswalde bei Görlitz geboren. Er erhielt im Elternhaus, auf dem Gymnasium in Görlitz und beim Studium an der Universität Leiden eine bestmögliche Ausbildung. Eine anschließende „Kavalierstour" nach England, Frankreich und Italien (1674-1679) machte ihn mit führenden Gelehrten seiner Zeit bekannt, in den Niederlanden neben Spinoza mit Christiaan Huygens sowie in England mit Isaac Newton und Henry Oldenburg.


Leibniz und von Tschirnhaus schlossen Freundschaft. Beide studierten gemeinsam Methoden zur Lösung von Gleichungen. Sie werden brieflich im Austausch bleiben. Von Tschirnhaus wird Leibniz über die Entwicklung seiner Vorhaben ständig auf dem Laufenden halten.
Als erster Deutscher wurde von Tschirnhaus 1682 auswärtiges Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften. Er baute große Brennspiegel, stellte die größten Brenngläser seiner Zeit her und erzielte Ergebnisse, von denen zeitgenössische Berichte geradezu Märchenhaftes zu erzählen wissen.

Brennspiegel
Brennspiegel

Im Februar 1694 berichtete von Tschirnhaus in Briefen an Leibniz über seine Experimente und erwähnte dabei, dass diese ihn auf den Gedanken gebracht hätten, Porzellan zu bereiten. Bereits im Oktober 1694 schrieb Leibniz an Tschirnhaus:
„Dürffte ich wohl umb ein stückgen von ihrem mit dem Brennglas traktierten Porcellan bitten(,) darauf das angeflogene Gold? Weil man dabey siehet, dass gleich wohl das gold die farbe mittheilet? Von dem artificiali (vermutlich ein Porzellangegenstand) möchte ich auch eine Probe wünschen..."
Von 1697-1699 machte von Tschirnhaus weitere systematische Versuche zum chemischen Verhalten von Erden und Silicaten bei hohen Temperaturen.
1704 wies von Tschirnhaus Leibnizens Sekretär Stücke seiner Porzellanerzeugnisse vor, wobei er erläuterte, "die Chinesen könnten ohnmöglich den Porcelan anders als auf seine Manier machen".
Von Tschirnhaus hatte daraufhin dem Landesherren König August II., einen Entwurf zur Errichtung einer Porzellanfabrik vorgelegt, der aber in eine politisch ungünstige Zeit fiel (Großer Nordischer Krieg, 1700-1721) und deshalb ohne Folgen blieb. Im Dezember 1707 kam der König in das neue, für von Tschirnhaus eingerichtete Forschungslaboratorium in den Kasematten der Venusbastei (heute Brühlsche Terrasse) und ließ sich die Erfindung vorführen. Unter von Tschirnhaus' Leitung wurden die planmäßigen Versuche mit verschiedenen Erden fortgesetzt, wobei mehrere Freiberger Berg- und Hüttenleute mitwirkten. Das Jahr 1708 brachte einen wesentlichen Fortschritt der Arbeit, da sich zwei Mineraliensendungen als besonders geeignet erwiesen: eine gelieferte Probe Kaolin aus Schneeberg und ein Alabaster als Flussmittel. August II. ernannte von Tschirnhaus zum Geheimen Rat und Direktor der zu gründenden Manufaktur und verfügte, „daß wir dem Herrn von Tschirnhausen 2561 Thaler haben auszahlen lassen... ". Das Schicksal wollte es jedoch, dass der Leiter des Ganzen plötzlich starb. Am 11.10.1708 wurde Ehrenfried Walther von Tschirnhaus von der roten Ruhr dahingerafft.

Leibniz-Denkmal  an der Universität Leipzig Foto: W. Brekle
Leibniz-Denkmal an der Universität Leipzig Foto: W. Brekle
Fünf Monate ruhten die Porzellanarbeiten, dann traf Melchior Steinbrück, der Hauslehrer der Familie, in Dresden ein, um den Nachlass zu sichten. Am 20.3.1709 unterzeichnete Steinbrück vor einem Notar die Aufstellung des Nachlasses von Tschirnhaus und traf in diesen Tagen mit Johann Friedrich Böttger zusammen, der geschickt agierte und plötzlich am 28.3.1709 - also nur acht Tage später - dem König die Erfindung des Porzellans meldete. Böttger hatte seit September 1707 im interdisziplinären Projekt mitgearbeitet, war aber keineswegs, wie die Fakten belegen, der Erfinder des Porzellans.

Böttger wurde nun Leiter der ersten Porzellan-Manufaktur Europas. Er ernannte Steinbrück zum Inspektor, dieser heiratete dann Böttgers Schwester.
Leibniz schrieb an den Mathematiker M.G. Hansch nach dem Tode von Tschirnhaus': "Ich habe einen alten Freund und einen hervorragenden Förderer im gemeinsamen Forschen verloren. Aber auch ganz Deutschland verliert in Tschirnhaus einen hervorragenden Mann, von dem sehr viel Großartiges noch hätte erwartet werden können."
Da der König seine Versprechungen gegenüber der Familie von Tschirnhaus' nicht einhielt und der Besitz in Konkurs ging, bat der Sohn von Tschirnhaus', Georg Friedrich, Leibniz um Hilfe. Leibniz antwortet alsbald im Dezember 1713:
"Wohlgebohren hoher Herr.
Nachdem Ihren Herrn Vater selig billig hochgeschätzt und dessen Freundschaft viele Jahre genossen, ist mir leid aus M.H. Schreiben zu vernehmen, daß es mit der Verlassenschaft nicht zum besten stehe. Mich wundert, da der selige Kavalier so viel zu Dienst des Königs und des gemeinen Wesens getan, daß sich niemand unter dessen großen Patronen gefunden, der sich ins Mittel geschlagen, damit die Sache nicht soweit kommen... Schließlich würde mir lieb sehn zu vernehmen, ob etwa unter den Schriften Büchern und Mobielen etwas aus des Herrn von Tsch. schönen erfindungen vorhanden, so vielleicht mit Nutzen anzubringen..."
Leibniz versuchte über seine Kontakte und Beziehungen zu vermitteln und der Familie zu helfen, was jedoch nur bedingt gelang.
In seiner Heimatstadt und in Europa genoss Leibniz in seinen letzten Lebensjahren hohe Anerkennung, er starb am 14. November 1716, zuletzt vereinsamt, in Hannover. Reinhard Finster und Gerd van den Heuvel, zwei bekannte Biographen, stellen heute fest: „Bis der gesamte Nachlass erschlossen ist, werden noch, das kann man mit Sicherheit sagen, etliche Jahrzehnte vergehen. Aber auch dann wird es kaum einem einzelnen möglich sein, das zu erfassen und zu durchdringen, was Leibniz' Werk verkörpert: die Universalität des Wissens seiner Zeit."

Quellen
Leibniz-Archiv der Niedersächsischen Landesbibliothek Hannover, 6. Band, Berlin 2004
Hirsch, Eike Christian: Der berühmte Herr Leibniz. München 2 006
Liske, Michael-Thomas: Gottfried Wilhelm Leibniz. München 2 000
Finster, Reinhold und van der Heuvel, Gerd: Leibniz, Gottfried Wilhelm. Hamburg
Hauptstaatsarchiv Dresden, Loc.1341, Loc 976, Loc 1340, Loc 2097, Nr.49 und
Loc 379/381
Artikel Böttger der Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, 11.Teil, 1823
Königliche Resolution über die Böttgerschen Rechnungen, 1708

 

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