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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Ernst Bloch

Ernst Bloch

Florian Russi

Bloch auf dem Schriftstellerkongress 1956. BA und Wikimedia; Foto: Krüger
Bloch auf dem Schriftstellerkongress 1956. BA und Wikimedia; Foto: Krüger

92 Jahre alt wurde der Philosoph Ernst Bloch. Mit 63 Jahren erhielt er an der Universität Leipzig seine erste Professur.  Wie damals viele Intellektuelle sah er nach dem 1. Weltkrieg  im Sozialismus die Chance, der Entfremdung des Menschen von seiner Natur entgegenwirken zu können. Er war aber nie Mitglied der KPD gewesen, wie Karola Bloch in ihrer Autobiographie "Aus meinem Leben" (S. 175) betont. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 wurde Bloch als Sohn jüdischer Eltern und Kommunist ausgebürgert. Bis 1948 lebte er in der Schweiz, in Frankreich, der Tschechoslowakei und schließlich in den USA im Exil.

Danach gelangte er in der DDR zunächst zu hohen Ehren. U. a. wurde er mit dem Nationalpreis ausgezeichnet. In seine Leipziger Zeit fiel die Publikation eines noch in den USA verfassten Werkes „Das Prinzip Hoffnung", das weltweite Beachtung fand. Als Bloch die Indoktrinierung des Staates durch die marxistisch-leninistische Partei (SED) und die Niederschlagung des Ungarnaufstands 1956 durch die Truppen des Warschauer Paktes kritisierte, wurde er von der Leipziger Universität zwangsemeritiert.

1961 kehrte er von einer Vortragsreise in Westdeutschland nicht mehr nach Leipzig zurück und nahm - 76jährig - eine Professur an der Universität Tübingen an. Dort wurde er zu einer der Leitfiguren der 68-er Studentenbewegung. Mit Rudi Dutschke, dem Anführer der Studentenproteste in Deutschland, verband ihn eine väterliche Freundschaft.

Im Portrait von Florian Russi* heißt es: „ Als Philosoph des „Prinzip Hoffnung" wurde der in Ludwigshafen geborene Ernst Bloch (1885-1977) bekannt. Beeinflusst, wie er selbst sagte, von Karl Marx und Karl May suchte er nach kreativen Wegen, um soziale Gerechtigkeit und Freiheit miteinander zu verbinden. 1949 nahm er einen Ruf auf den Lehrstuhl für Philosophie an der Universität Leipzig (damals DDR) an, wurde aber 1957 wieder zwangsemeritiert. Seine Philosophie der Hoffnung zeigte der vornehmlich gesellschaftskritisch ausgerichteten Philosophie seiner Zeit eine neue, optimistische Richtung."

* Florian Russi: Worauf wir stolz sein können. Bertuch-Verlag. Weimar 2005 2. Auflage

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