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Winckelmann im Kreise der Gelehrten

Klaus-Werner Haupt

Das Gemälde "Winckelmann im Kreise der Gelehrten in der Nöthnitzer Bibliothek" von Theobald Reinhold Anton Freiherr von Oer steht im Mittelpunkt dieser Abhandlung über Winckelmann. Es dient dem Autor als Vorlage für eine kurze szenische Darstellung, in der die Geisteshaltungen und die Kontroversen der zwölf Gelehrten sichtbar werden.
Insgesamt besteht das Heft aus drei Teilen. Einem Kurzabiss zum Maler von Ohr, dessen Bild im Mittelpunkt steht, dann der szenischen Abhandlung, die das Bild zum Leben erweckt. Anschließend wird in einem wissenschaftlichen Abriss Winckelmann als Wegbereiter der Weimarer Klassik abgehandelt.

 Joseph Anton Fürst von Poniatowski

Joseph Anton Fürst von Poniatowski

Ursula Drechsel

Wer war Poniatowski, wo kam er her?

J. A. Fürst von Poniatowski auf dem Pferd. Gemälde von Juliusz Kossak (1824–1899).
J. A. Fürst von Poniatowski auf dem Pferd. Gemälde von Juliusz Kossak (1824–1899).
Nach Auskunft von Theodor Apel (1) war Joseph Anton Fürst von Poniatowski ein Neffe des letzten Königs von Polen, geboren am 7.März 1762 in Warschau. Bereits im Alter von sechzehn Jahren trat er als als Leutnant in österreichische Militärdienste ein und bereits 1787  wurde er zum Oberst und Flügeladjutant des Kaisers Joseph II. befördert. 1789 kehrte er in sein Vaterland Polen zurück, wo ihm König Stanislaus im Kriege gegen Russland 1792 ein Kommando in der Armee übergab. 1794 focht er unter Koscziusko. Als  Warschau verloren war, ging Poniatowski am 4. November 1794  nach Wien, seit 1798 lebte er wieder in Warschau. 1806 schloss er sich Kaiser Napoleon an, der 1807 aus den von Preußen und Österreich annektierten polnischen Gebieten das Großherzogtum Warschau bildete und versprach, die  3. polnische Teilung rückgängig zu machen. In der neuen Regierung war Poniatowski Kriegsminister. 1809 kämpfte er an der Spitze des Warschauer Heeres und eroberte Galizien, 1812 befehligte er das 5. französische Korps in den Schlachten von Smolensk und Borodino. Nach dem Waffenstillstand 1813 befehligte Poniatowski die polnische Armee als 8. französisches Korps im Rang eines Divisionsgenerals. In dieser Eigenschaft traf er am 12. Oktober auf der Südseite von Leipzig ein und empfing am 15. Oktober im Schlosse zu Dölitz den persönlichen Besuch des Kaisers Napoleon, der mit ihm die Aufstellung seines Korps  entlang der Pleisse festlegte, um die Stellung des Feindes aufzuklären. Poniatowskis Aufstellung am 16. Oktober zog sich von Dösen und Markleeberg nach Süden bis Connewitz. Hier kämpften seine Truppen gegen Kleist und später Bianchi. Sie hielten die Stellungen auch gegen den von Gautsch heran drängenden österreichischen General Meerveldt. Es wurde verhindert, dass dieser aus dem Walde hervor brach und die Pleiße überschritt. Napoleon sandte ihm am 16. früh zwischen 9 und 10 Uhr den Marschall Augereau mit dem 9. Corps, 10.000 Mann stark, zum Beistand. Ferner waren noch unter seinem Befehl die Gardecavallerie von Letort und die 2. Division der alten Garde unter Curial. Poniatowski behauptete sein Terrain und wurde von Napoleon noch am gleichen Abend zum Marschall von Frankreich ernannt.
Einer kleinen Abteilung Polen war bei Einbruch der Dunkelheit die Gefangennahme des österreichischen Generals von Meerveldt, der bei Dölitz auf das rechte Pleißeufer gegangen war, gelungen.
Das Brückensprengungsdenkmal
Das Brückensprengungsdenkmal

Am 19.10.1813 erfolgte der Rückzug der französischen Truppen. Napoleon hatte die Sprengung der Brücke über den Eltermühlgraben vorbereiten lassen. Die Brücke sollte nach dem Rückzug der sich nach Markranstädt bewegenden französischen Truppen gesprengt werden. Als dann aber ein Trupp russischer Jäger auf die fliehenden Truppen das Feuer eröffnete, handelte der für die Sprengung verantwortliche Korporal nach eigenem Ermessen und zündete die Sprengladung vorzeitig, obwohl noch ca. 20.000 Mann jenseits der Brücke waren. Dadurch war deren Rückzug abgeschnitten. Der durch starke Regenfälle angeschwollene Flusslauf verschlimmerte zudem noch die Situation, so dass viele Soldaten durch die Sprengung und beim Durchschwimmen des Flusses ums Leben kamen. Der polnische Fürst und französische Marschall Joseph Poniatowski ertrank ebenfalls in den Fluten. Am Ranstädter Steinweg, heute Jahnallee,  Ecke Thomasiusstraße steht das Brückensprenungsdenkmal, das an die Sprengung der Brücke über den Mühlgraben am 19. Oktober 1813 erinnert.

Im Leichenregister des 26. Oktober 1813 findet sich folgender Eintrag:

Ihre Erlaucht Hr. Joseph Poniatowski, ohngefähr 50 Jahre alt, Kriegsminister und Commandant der Polnischen Truppen, auch Reichsmarschall von Frankreich, welcher am 24.Okt. im Elsterfluß vor dem Ranstädter Thor todt gefunden, am Markte."

Zu dem Tatbestand des Auffindens der Leiche Poniatowski wurde vor dem Stadtgericht in Leipzig eine Befragung des Johann Christian Ludwig Friedrich durchgeführt. Das Protokoll dieser Befragung hat folgenden Inhalt:

Leipzig, den 25. October 1813

Erscheinet Johann Christian Ludwig Friedrich, Bürger und Fischermeister allhier an Gerichtsstelle und giebt auf Befragen nach vorgängiger Anermahnung zu einer gewissenhaften Anzeige der Wahrheit zu vernehmen:

Joseph Anton Fürst von Poniatowski
Joseph Anton Fürst von Poniatowski

Auf das Gerücht, daß bei der am 19. hujus erfolgten Einnahme der Stadt Leipzig durch die vereinigte Kaiserl. Russische und Oestreichische, ingleichen Königl. Preußische und Schwedische Armee der Fürst und französische Marschall Poniatowski auf der Flucht in der Elster ertrunken sei, habe er nebst einigen Mitstreitern und seinen Gesellen vorerwähnten Fluß sorgfältig durchsuchet, um wo möglich den Leichnam aufzufinden. Gestern Nachmittags gegen 4 Uhr sei von ihm, ingleichen Johann Christian Meißnern, Johann Adam Volken und Christian Benjamin Meißnern, sämmtlich Fischermeister allhier, ingleichen dem Gesellen Johann Karl Reicherten ohngefähr dreihundert Schritt von dem in dem Richterschen Garten gelegenen sogenannten japanischen Häuschen und zwar nach der Stadt zu der Leichnam eines mit der französischen Generalsuniform, einem Orden und zwei Sternen bekleideten Mannes gefunden worden. Diesen Leichnam, welcher von ihnen sogleich für den des Fürsten Poniatowski Erl. Gehalten worden sei, hätten sie sogleich in Johann Christian Meißners Stube geschafft; woselbst mehrere herzugekommene polnische Offiziere denselben für den Sr. Erlaucht des Fürsten Poniatowski erkannt hätten. Der vorgefundene Orden, der Degen und die Epauletts des Verstorbenen wären Sr. Erlaucht dem Herrn Fürsten Repin übersendet worden.

Auf Vorlesen genehmigt Comparent gegenwärtige Registratur durch seine Unterschrift

Act .ut s.

Philipp Heinrich Friedrich Haensel

Stadtgerichtsnotar

Johann Christian Ludewig Friedrich"

Gedächtnistafel auf dem Alten Johannisfriedhof
Gedächtnistafel auf dem Alten Johannisfriedhof

Aus der Wohnung Meißners wurde dann der Leichnam des Fürsten Poniatowski in ein Gewölbe des Rathauses überführt, um später vorübergehend bis zum 17. Juli 1814 in der Ratsgruft auf dem Alten Johannisfriedhof zu verbleiben. Am 17. Juli 1814 fand dann die Überführung nach Warschau statt. 1816 erfolgte die Beisetzung in der Fürstengruft zu Krakau.(2)

Auf dem Alten Johannisfriedhof in Leipzig befindet sich an einer Wand eine Gedächtnistafel, deren lateinische Schrift Bezug auf den Tod Poniatowskis nimmt.

Der deutsche Text lautet:

Dem Fürsten Joseph Poniatowski, dem Oberbefehlshaber des polnischen Heeres, der im Kampfe an der Elster, von seinen Verbündeten abgeschnitten, am 19. Okt. 1813, als er das herandrängende Schicksal zum Stillstand bringen wollte, ertrank.(3,4) 
Poniatowski - Denkmal
Poniatowski - Denkmal

An Poniatowski erinnert in Leipzig der Poniatowski - Stein am Poniatowskiplan zwischen Elster- und Lessingstraße. Dieses Denkmal ist stets mit Blumen geschmückt, die polnische Bürger ablegen.

Das Denkmal wurde im Dezember 1813 errichtet.

Auf der Rückseite ist zu lesen: FÜRST JOSEF PONIATOWSKI 6.V.1761 - 19.X.1813

Linke Seite: OBERSTER FELDHERR DES POLNISCHEN HEERES UMGEKOMMEN

IN DEN FLUTEN DER ELSTER

Rückseite (auf Unterteil vertieft): deutscher Text:

HIER; IN DEN FLUTEN DER ELSTER: HAT FÜRST JOSEF PONIATOWSKI; OBERSTER FELDHERR DES POLNISCHEN HEERES; MARSCHALL DES FRANZÖSISCHEN STAATES; DEN RÜCKZUG DES GROSSEN FRANZÖSISCHEN HEERES DECKEND UND ALS LETZTER DAS SCHLACHTFELD VERLASSEND; MIT DREI TÖDLICHEN WUNDEN BEDECKT, AM 19.OKTOBER A.D.1813 SEIN LEBEN BEENDET, DAS ER DEM RUHM UND DEM VATERLAND GEOPFERT HATTE. ER LEBTE 52 JAHRE. DIES MIT TRÄNEN BESPRENGTE BESCHEIDENE ANDENKEN HINTERLIESS SEINEM FÜHRER DER SOLDAT, EIN POLE SEINEM LANDSMANN.

Der Apelstein
Der Apelstein

Weiterhin wurde 1863 der Apelstein Nummer 33 östlich von Connewitz am Weg nach Lößnig aufgestellt. Er musste bereits um 1890 erneuert werden, nachdem er 1888 infolge des Baues der Eisenbahnstrecke Leipzig - Hof zeitweilig eingelagert worden war. Der heutige Standort ist in 04279 Leipzig der Rembrandtplatz. Dieser Stein ist eine Kopie des ursprünglichen Steines. Den Originalstein finden wir im Torhaus Dölitz.

Bilder:

Die Abbildung des Gemälde von Juliusz Kossak  ist Wikipedia entnommen und gemeinfrei.

Alle anderen Fotos stammen aus dem Archiv U.u.H. Drechsel.

Quellen:

(1) Theodor Apel, Führer auf die Schlachtfelder Leipzigs im October 1813 und zu den Marktsteinen.  Albert Hoffmann Verlag  Leipzig 1863

(2) D.Naumann: Die Völkerschlacht bei Leipzig. Nebst Nachrichten von Zeitgenossen und Augenzeugen über dieselbe.  T.O.Weigel Verlag Leipzig 1863

(3) Der Alte Johannisfriedhof in Leipzig. Ein Beitrag zur Stadtgeschichte von Paul Benndorf.  H.Haessel Verlag Leipzig 1922

(4) Karl - Heinz Kretzschmar,  Leipziger Denkmale, Sax-Verlag Beucha 1998