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Strandgut
Ein Inseltagebuch

Berndt Seite

Die Ostsee ist ein Sehnsuchtsort, an dem man seine Gedanken mit dem Meer schweifen lassen kann. Beim Anblick der Wellenbewegungen kommen Erinnerinerungen an das Auf und Ab des Lebens auf. In eindrucks- und stimmungsvollen Bildern beschreibt Berndt Seite in seinem Tagebuch philosophische Reflexionen in Rückblick auf sein privates und poltisches Leben. Das raue und derbe Klima der Ostsee, die verschiedenen Jahreszeiten am Meer haben dabei ihren ganz eigenen Charme und helfen ihm, alte Dinge abzustreifen und wieder zu sich selbst zu finden.

Anton Kippenberg: EINEN EINZIGEN VEREHREN

Anton Kippenberg: EINEN EINZIGEN VEREHREN

Prof. Dr. habil. Horst Nalewski

Anton Kippenberg
Anton Kippenberg

Man könnte dieses schöne, gar fromme Wort auch anders verstehen;

doch Anton Kippenberg, 1874 in Bremen geboren, seit 1916 Chef des Leipziger Insel- Verlags, 1950 in Luzern gestorben, machte dieses Wort zum Leitstern seines ganzen Lebens. Es galt: Johann Wolfgang Goethe. IHM diente der Verleger: mit Werkausgaben, Faksimili - Drucken, 27 (?) Titeln der Insel - Bücherei (IB), die Stefan Zweig „ein Geschenk an Millionen" genannt hatte, IHM widmete sich der Mann der Öffentlichkeit seit 1919 als Vorstandsmitglied, von 1938 - 1950, in schwierigen Zeiten, als Präsident der Goethe - Gesellschaft, und schließlich und endlich: IHN, Goethe, verfolgte er als Sammler aller irgend  erreichbaren Zeugnisse seines Werkes, seines Lebens, seines Umfelds.

Der Sammler: Auf jeden Fall ein von einem Objekt, im „höheren Sinn", von einer einzigen Objekt - Idee besessener  Mensch. Das kam - wie heute da und dort - die seltsamsten Blüten treiben, das kann aber auch höchster Bewunderung wert sein.

Man fängt früh an: Der Neunzehnjährige, noch Buchhändlerlehrling in Bremen und Lausanne, entdeckt und erwirbt in einem Antiquariat eine französische „Faust" - Übertragung. Die Initialzündung! Sie wuchs sich zu einer wahren Leidenschaft aus; basierend auf dem Grundsatz: der Goethischen Welt in anschaubaren Stücken habhaft zu werden. Hatte der Dichter doch einmal festgestellt: „Denken ist interessanter als Wissen, aber nicht als Anschauen."

Kippenberghaus in Leipzig Richterstraße
Kippenberghaus in Leipzig Richterstraße

Das Leipziger Haus der Kippenbergs in der Richterstraße 27 nahm die Erwerbungen auf: Handschriften - darunter ein solches Kleinod wie „Edel sey der Mensch" -, insgesamt mehr als 100, Handzeichnungen, Goethe im Bild, Bilder zu seinen Werken, Erstausgaben, die Goethesche Familie, da fand auch eine „Reliquie" Platz: eine Locke blonden Haars der Enkelin Alma, ein Trinkbecher, der Gipsabguß von Goethes  Hand. Da wurde der Kreis erweitert auf Eckermann, Riemer, Kräuter, Zelter, das Weimarische Fürstenhaus, Ansichten von Alt - Weimar, Silhouetten, allein 28 Porträt - Büsten - 5 Goethe darstellend -, und Keramik. Das Gebäude wuchs zum Museum in permanentem Umbau; 1938 mit einem speziellen Anbau versehen. Es entstand die größte private Goethe - Sammlung in der Welt. 1928 belief sie sich auf über 8000 Stück.
Der Sammler: Saß er, sehr spät, gebeugt über Antiquariatskataloge, dann konnte er, fündig geworden, um 3 Uhr nachts das Antiquariat Halle in München anrufen und zwei an Goethe gerichtete Briefe, für je 300 Mark, bestellen. Erfuhr er, dass das Frankfurter Goethe - Museum und das Goethe - Schiller -Archiv in Weimar um 8 Uhr früh angerufen, nun aber die Briefe ihm gehörten, dann kam Freude auf. Glück des Sammlers, gar ein Triumphgefühl!

Kippenbergs Goethezimmer
Kippenbergs Goethezimmer

Während des Krieges hatte Kippenberg seine Sammlungen ausgelagert. So entgingen sie der totalen Zerstörung seines Verlagsgebäudes - Kurze Straße 7 - und seines Wohnhauses - Richterstraße 27 - bei den Bombenangriffen auf Leipzig im Dezember 1943 und im Februar 1945. Unter großen Schwierigkeiten rettete er seine Schätze unmittelbar nach Kriegsende nach Marburg. Heute befinden sie sich im Goethe - Museum, Anton - und - Katharina - Kippenberg - Stiftung, Düsseldorf.

Verwundert es, dass der Sammler gelegentlich zum originellen Reimer wurde?

Verschämt, unter einem Pseudonym, brachte er ein Bändchen heraus: Benno Papentrigk's Schüttelreime; sodann auffindbar in der IB Nr. 219.

 

Und da ist er wieder, der Leitstern seines ganzen Lebens:

                           nbsp;             Am 28. August

                        Wenn dir Tag und Stunde scheinen rau,

                        Und dein Herz wie ums Verlorne bebt, -

                        Sei getrost! Der heut Geborne l e b t;

                        Hebe dich mit Ihm zur reinen Schau!