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Christoph Werner

Schloss am Strom
Roman


Schinkel kämpft in seinen Fieberträumen um die Vollendung seines Bildes "Schloss am Strom". Er durchlebt auf seinem Krankenbett noch einmal sein erfülltes und von krankmachendem Pflichtgefühl gezeichnetes Leben und die Tragik des Architekten und Künstlers, der sich zum Diener des Königs machen ließ

Louise Otto-Peters und das

Louise Otto-Peters und das "Leipziger Gemetzel"

Elisabeth Guhr

Die Autorin

Louise Otto-Peters. Bild: Elisabeth Guhr.
Louise Otto-Peters. Bild: Elisabeth Guhr.

 

Louise Otto-Peters (geb. 1819 in Meißen, gest. 1895 in Leipzig) ist bekannt als die Begründerin der Frauenbewegung in Deutschland. Früh verwaist bestritt sie ihren Lebensunterhalt unter anderem durch ihre dichterische, schriftstellerische und später auch publizistische Tätigkeit. Die sozialen Missstände ihrer Zeit trieben sie dazu, sich für die Rechte der Armen zu engagieren. Besonders die Verbesserung der Situation der Frauen war ihr größtes Anliegen. Mit dem „Lex Otto" genannten Gesetz, das die Herausgabe von Zeitungen durch Frauen verbot, reagierte die reaktionäre sächsische Regierung in der Mitte des 19. Jh. auf die von Louise Otto herausgegebene „Frauen Zeitung". 1858 heiratete sie den Schriftsteller August Peters, der als Freischärler der Revolution von 1848/49 erst zum Tode, dann aber zu mehreren Jahren Einzelhaft verurteilt war. Mit ihrem Mann zog sie 1859 nach Leipzig. August Peters starb 1864 an den Folgen der langen Haft.

1865 gründete Louise Otto-Peters zusammen mit Auguste Schmidt den Allgemeinen Deutschen Frauenverein, dessen Vorsitzende sie bis zu ihrem Tod blieb.

Das Ereignis

Das "Leipziger Gemetzel". Bild: Elisabeth Guhr.
Das "Leipziger Gemetzel". Bild: Elisabeth Guhr.

Leipzig am 12. August 1845, Prinz Johann, der Bruder des sächsischen Königs und Thronfolger, war in Leipzig im Hotel de Prusse am Rossplatz abgestiegen. Viele Leipziger demonstrierten mit patriotischen Liedern, unter anderem auch mit der protestantischen Hymne „Ein feste Burg ist unser Gott" gegen die Anwesenheit des katholischen Prinzen. Als Steine flogen, ließ Prinz Johann statt der Kommunalgarde das königliche Militär aufmarschieren. Das Militär eröffnete das Feuer. Acht Menschen starben und weitere wurden verletzt. Am nächsten Tag forderte eine große Volksmenge Vergeltung. Robert Blum gelang es, mit seinen Reden die Menge zu beruhigen.

Die Ereignisse wurden in ganz Deutschland bekannt und gingen in die Geschichte als „Leipziger Gemetzel" ein.  Wie Louise Otto widmete auch Ferdinand Freiligrath dem Geschehen ein Gedicht. In „Leipzigs Toten!" endet jeder Vers mit den Zeilen:

"Ich bin die Nacht, die Bartholomäusnacht,

Mein Fuß ist blutig und mein Haupt verschleiert.

Es hat in Deutschland eine Fürstenmacht

Zwölf Tage heuer mich zu früh gefeiert!"

Der Ort

Robert Blum. Gemälde von August Hunger. Via Wikimedia Commons.
Robert Blum. Gemälde von August Hunger. Via Wikimedia Commons.

„Vom Dorfe, Gohlis 1845" ist das Gedicht von Louise Otto überschrieben. Viele Male ist Louise Otto von Meißen nach Leipzig mit der Eisenbahn gekommen. 1845 machte die erst 26jährige allein eine Reise von Meißen über Leipzig nach Thüringen und bis nach Westfalen. Etwas Unerhörtes in der damaligen Zeit. In Leipzig machte sie bei Verwandten Station.

In Gohlis wohnte Louise Ottos Cousin, der Kaufmann Guido Alexander Vogel, mit seiner Familie von 1843 bis 1850. Die ländliche Idylle in dem kleinen Dörfchen Gohlis, so nah bei Leipzig, zog die Dichterin an. Die Familie Vogel bewohnte ein Haus in der Lindenallee, dem vorderen Teil des heutigen Schillerwegs von der Berggartenstraße aus gesehen.

Dabei handelt es sich nach neuesten Forschungen um das heutige Grundstück Schillerweg 23. Vom Garten des Hauses aus konnte Louise Otto damals das Schillerhaus sehen.

Von hier aus besuchte Louise Otto auch den von ihr sehr verehrten Robert Blum, der wie sie der deutsch-katholischen Bewegung angehörte, einer religiös-politischen Reformbewegung des Vormärz.

Das Gedicht

I.

Still ist's im Dorf - der letzte Erntewagen
Er schwankte eben voll und schwer herein;
Die Abendglocken haben ausgeschlagen,
Die Sonne sank mit sanftem Purpurschein.
Es ist ein Abend, recht wie ein Idyll,

Wo in der weiten Runde Alles still,
Und nur der Heimchen alte Flüsterweisen
Den Tag, der nun vollendet, selig preisen.

Die Mondessichel hängt am Firmamente,
Die Sterne wandeln den gewohnten Gang,

Wie da man sehnend dorthin hob die Hände,
Und noch vom Mondschein blasse Lieder sang.
So steh ich einsam in des Gartens Ruh,
Seh ruhig nur den bunten Blumen zu -
Erinn'rung führt zu weit vergangnen Tagen,
Der Kindheit Buch liegt vor mir aufgeschlagen.

Still ist's im Dorf - doch plötzlich welch Bewegen
Geht durch die Luft, die still zu stehen schien?
Ich will das Haupt dicht an die Erde legen,
Daß in das Ohr des Schalles Wellen ziehn.

Es klang wie Jagdruf und wie Büchsenknall,
Wie tausendfacher Menschenstimmen Schall - -
Nicht möglich! - nein - ein Wahn hat mich bethört,
Wie würde hier und jetzt ein Schuß gehört?! -

II.

Und doch geschah's - die Ernte ging zu Ende,
Im stillen Dorf beim letzten Abendrot.
Doch dort - doch dort gab es noch fleißge Hände,
Und eine andre Ernte hielt der Tod.
Die Sonne hat es wohl voraus gesagt

Und hat die Nacht als blutig schon verklagt,
Als mit dem Purpurmantel weit umhangen,
Der schöne Tag zur finstern Ruh gegangen.
Traun, dieser Nacht, da gab's nicht sanfte Träume,
s ward ein Schauerdrama aufgeführt -

Da gab's viel Volk und weite Bühnenräume,
Und manche Brust im innersten gerührt,
Und manches Herz, das plötzlich stille stand,
Und manche Seele, die zum Himmel schwand,
Und manchen Schrei, der, wenn auch hier verwehret,

Vor Gottes Throne ward gewiß gehöret.
Das war kein Girren holder Nachtigallen,
Kein Heimchenzirpen, das so spät erklang!
Nur Hilferuf hört man zum Himmel schallen,
Das schönste Lied war manches Schwanensang.

Das schönste Lied - Ihr macht es nicht zum Spott,
Denn: „Eine feste Burg ist unser Gott!"
Und ließ er auch die nächt'ge That geschehen,
Wir bleiben doch in dem Vertrauen stehen.
Die Mondessichel schied vom Firmamente,

Die Sterne wandeln den gewohnten Gang,
Sie sahn herab auf hoch erhobne Hände.
Zum Jammerruf, der sich der Brust entrang,
Die Nacht hat wohl für Klagelieder Raum,
Doch keinen mehr zu einem sanften Traum,

„Ein' feste Burg ist unser Gott!" tönt's wieder,

Wir singens doch, das schönste unsrer Lieder!

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