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Das Völkerschlachtdenkmal

Das Völkerschlachtdenkmal

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Leipzig gehört zu den deutschen Städten mit der größten Denkmaldichte. Auch deswegen wird sie von den Einwohnern geliebt und von den Touristen beneidet. Rund 14 000 Bauwerke sind als Denkmal eingestuft und unterliegen besonderem Schutz. Etwa 90% sind als Kulturdenkmale restauriert worden. Zum Tag des offenen Denkmals stehen am 11.09.2016 alle Türen den Besuchern offen.

Das Völkerschlachtdenkmal. Foto: Hannelore Glatte.
Das Völkerschlachtdenkmal. Foto: Hannelore Glatte.


Zum 100. Jahrestag des Sieges der verbündeten Truppen über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig wurde das Denkmal als größtes Geschichtsdenkmal Europas geweiht. Das Nationaldenkmal erinnert an die 100 000 Toten dieser Schlacht und an die, die in der Folge gestorben sind. Vor 200 Jahren, vom 16. bis zum 19. Oktober 1813, fand die Völkerschlacht bei Leipzig statt. In diesen Tagen der Erinnerung steht das steinerne Mahnmal im Mittelpunkt.


Das Denkmal hat eine Höhe von 91 Metern. Am Fuße erhebt sich ein 19 Meter breites Relief mit einer Schlachtenszene. Im Zentrum thront die über 11 Meter hohe Statue des Erzengels Michael mit dem Schild der Kreuzritter, dem Flammenschwert und dem Adlerblick. Das Denkmal, als symbolisches Grabmal für die Toten der Völkerschlacht errichtet, zeigt an der Außenseite der Kuppel 12,5 m hohe Ritterfiguren, die sich auf ihr Schwert stützen und Totenwache halten. In der Ruhmeshalle sollen die 9,5 m hohen Figuren an die vier Tugenden erinnern: Tapferkeit, Volkskraft, Opferfreudigkeit und Glaubensstärke. In der Krypta, dem eigentlichen Ehrenmal, beeindrucken die Schicksalsmasken mit den Totenwächtern. Vor dem imposanten Bau befindet sich das 162 x 79 m große Wasserbecken, der See der Tränen. Das Denkmal als ein symbolisches Grabmal spiegelt sich im Wasser, so dass ein Kreuz entsteht.

Die Ritterfiguren und die oberste Plattform. Foto: Hannelore Glatte.
Die Ritterfiguren und die oberste Plattform. Foto: Hannelore Glatte.

Bereits 1863 war der Grundstein für den Bau gelegt worden, aber der Bau kam nicht vorwärts. Das sächsische Königshaus zeigte kein Interesse, der Niederlage des Vorgängers Friedrich August I. ein Denkmal zu setzen. Dieser hatte sich  wiedermal auf die Seite der späteren Verlierer  geschlagen. Ganz bewußt blieb das Projekt Privatleuten überlassen. Deshalb gründete der Initiator und geistige Gestalter des Denkmales, Clemens Thieme (1861 - 1945), der im Meistergrad in der Freimaurerloge „Apollo" stand, den „Deutschen Patriotenbund zur Errichtung des Völkerschlachtdenkmales bei Leipzig", der einen Großteil der Baukosten von 6 Millionen Reichsmark durch Spenden und Lotterie zusammenbrachte. Thiele hatte sich bereits beim Bau des Leipziger Hauptbahnhofes ausgezeichnet.  Die Stadt Leipzig beteiligte sich auch und stellte den   42 000 m² Bauplatz auf historischem Schlachtenboden zur Verfügung und 20 000 Reichsmark für einen Architekturwettbewerb. Den Archtekturwettbewerb gewann 1895 Wilhelm Kreis, der aber nicht zum Zuge kam, denn er konnte den einflußreichen Thieme nicht überzeugen. Der Entwurf des Denkmales, wie es gebaut wurde, stammt vom Architekten Bruno Schmitz. Clemens Thiele diktierte Bruno Schmitz die Pläne (Briefwechsel im Stadtarchiv Leipzig), er setzte den Bau der Krypta durch. Zwischen den Eingängen zu ihr steht fast überlebensgroß die Büste Thiemes.

Erzengel Michael, die Tür darunter ist verschlossen. Fotografiert 1963: Bundesarchiv, Bild 183-B0926-0091-002 / CC-BY-SA.
Erzengel Michael, die Tür darunter ist verschlossen. Fotografiert 1963: Bundesarchiv, Bild 183-B0926-0091-002 / CC-BY-SA.

Einige 'Verborgene Zeichen' der Freimaurer, die das Mahnmal an die Toten erbauten, sind vorhanden. Für Außenstehende sind sie jedoch nicht zu erkennen, da es sich um Symbole der sogenannten Hochgrade handelt. Ein zentrales 'Verborgenes Zeichen' am Denkmal ist die Tür unter dem Michael, bis vor wenigen Jahren bewusst von den Erbauern mit 3 Steinblöcken verschlossen; die heutigen Denkmalshüter haben die Tür aus Unwissen durchgebrochen. Man kommt - symbolisch - nur hinein, wenn man das Passwort kennt (und das steht auch am Denkmal ...). Neben der Tür sind als scheinbar ornamentaler Jugendstil-Schmuck links und rechts zwei Buchstaben eingemeißelt: J und B. Sie sollen an den beiden Säulen vor dem Eingang des Jerusalemer Tempels gestanden haben. Die vollständigen Begriffe hinter den Buchstaben sind in den freimaurerischen 'Arbeiten' wichtig." *Freimaurerische Tempelarbeiten haben entgegen mancher Behauptung in Presse und Fernsehen nie im Völkerschlachtdenkmal stattgefunden.

 

Frei nach Goethe, der selbst Freimaurer war, ist für Eingeweihte zu sehen, was die freimaurerische Welt im Innersten zusammen hält. Jedoch erkennt auch der Außenstehende auf einen Blick die Ähnlichkeit des monumentalen Denkmales mit der „Freemasons Hall" in London, dem Tempel der Vereinigten Großloge von England.

Einweihung des Völkerschlachtdenkmals 1913. Bild: via Wikipedia Commons.
Einweihung des Völkerschlachtdenkmals 1913. Bild: via Wikipedia Commons.

Am 18.10.1913 waren neben Kaiser Wilhelm II. und König Friedrich August III. von Sachsen, ein russischer Großfürst, ein schwedischer Prinz und fast alle deutschen Landesfürsten anwesend. Als der Kaiser dem Initiator Clemens Thieme den viertklasssigen Roten Adler überreichte, steckte der ihn in seine Fracktasche mit der Bemerkung: „Ärgere dich, bis du schwarz wirst". Seine kaiserliche Hoheit soll darüber erbost gewesen sein. Am Vorabend des 1.Weltkrieges gerieten die Festlichkeiten zu einer nationalistischen Demonstration. Auch später gab es sowohl in der Weimarer Republik als auch während des Nationalsozialismus die Tendenz, dieses Denkmal für den Reichskriegertag, für Parteiaufmärsche und Militärparaden zu missbrauchen. In der DDR-Zeit wurde es auch für Propagandazwecke genutzt, zum Beispiel für die Vereidigung von Rekruten und Fahnenweihen.

Völkerschlachtdenkmal im Herbst. Foto: Archiv U. u. H. Drechsel.
Völkerschlachtdenkmal im Herbst. Foto: Archiv U. u. H. Drechsel.

Das Denkmal wurde in den letzten Jahren aufwendig reatauriert. 20 Millionen Euro steuerte die Stadt Leipzig und der Freistaat Sachsen bei, weitere 10 Millionen Euro sind notwendig, um in den nächsten Jahren die Außenanlagen, den See der Tränen, Pylonen und den Parkplatz zu sanieren. 1,7 Millionen Euro haben Leipziger Bürger und Besucher aus der eigenen Tasche gespendet. Damit wird die komplette Sanierung ähnlich teuer wie der Neubau vor 100 Jahren. Der noch aus 50 km sichtbare Koloss wirkt nun in dem originalen rötlich-braunen Farbton nicht mehr so bedrohlich.
Heute gilt das Völkerschlachtdenmal den Leipzigern als ein Mahnmal für den Frieden und als bekanntes Wahrzeichen der Stadt, ein Anziehungspunkt für Touristen. Jährlich werden über 200 000 Besucher gezählt. Von der obersten Plattform haben diese einen großartigen Blick auf die Stadt und das Umland.

 

Quellen:
Riedel, Horst: Stadtlexikon Leipzig von A bis Z. Leipzig 2005
Homepage: Neue Werkstatt. Freimaurerloge für Männer und Frauen i. O. Leipzig

Die Autorin dankt Herrn Dr. Otto Werner Förster für seine konstruktive Kritik und für die Angaben, die der Autorin ermöglichten, notwendige Korrekturen  anzuzeigen.
* Zitat aus Mitteilungen von Dr. Otto Werner Förster an die Autorin.