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Unser Leseangebot

Astrid Koopmann/ Bernhard Meier
Kennst du Erich Kästner?

Ist das dort nicht Kästner, Erich Kästner? Ich habe gehört, er war gerade auf großer Reise - Dresden, Leipzig, Berlin, München oder so. Soll ich dich mit ihm bekannt machen? Kästner mal ganz privat! Er hat immer eine Menge spannender Geschichten auf Lager.

Auf der Spur von Horst und Harry

Auf der Spur von Horst und Harry

Hildegard Deubel

STECKBRIEFE

LAMA

Der Star Horst. Bild: Hildegard Deubel
Der Star Horst. Bild: Hildegard Deubel

kleines höckerloses Haustier, das in den Anden als Lastenträqer einqesetzt wird

Name: Horst 

geboren am: 28. 04. 2002   

geboren in: Leipzig

wohnhaft: Zoo Leipzig   

Lebenserwartung: etwa 25 Jahre 

Größe: Risthöhe: ca. 120 cm 

besondere Kennzeichen:

- passionierter Spaziergänger, aber nur in Begleitung

- Spuckgefahr 

- "Marketing - Lama" 

ALPAKA

Der Star Harry. Bild: Hildegard Deubel
Der Star Harry. Bild: Hildegard Deubel

Haustierrasse im Norden Boliviens und im  Süden Perus, Woll- und Fleischlieferant einqesetzt wird

Name: Harry

geboren am:  22. 05. 2004

geboren in: Lanqenleuba

wohnhaft: Zoo Leipzig

Lebenserwartung: etwa 25 Jahre

Größe: Risthöhe: ca. 90-100 cm

besondere Kennzeichen:

 - auffallend hübsches schwarz-weißes Gesicht

 - Ponyfrisur

 - Spuckgefahr

 - "Marketing - Assistent"

Da Lama Horst bei Kindern und auch bei Erwachsenen weit über Leipzigs Grenzen hinaus bekannt ist, wollte ich Genaueres über ihn erfahren und fand glücklicherweise ein offenes Ohr bei Zoomitarbeitern, besonders bei einer Lotsin, die viel mit Horst und Harry arbeitet. Kennengelernt hatte ich sie bei einer Zootour‚ als sie eine Klasse einer auswärtigen Internationalen Schule in englischer Sprache mit den interessantesten Sehenswürdigkeiten vertraut machte. Sie schlug vor, dass wir uns, mein Enkel und ich, zu einem kleinen Spaziergang mit den "Stars" treffen. Diese Idee fanden wir alle ganz toll:

Ein Schulfreund meines jüngeren Enkels konnte sich freuen, an dieser besonderen Unternehmung teilnehmen zu dürfen. Voll ungeduldiger Erwartung trafen wir uns an einem Vormittag bei herrlichem Sonnenschein. Zunächst führte uns unser Weg zum Streichelzoo, wo die zwei Publikumslieblinge auch ihre feste Winterunterkunft haben. Als erstes mussten die beiden zur „Morgentoilette" eingefangen werden. Da diese Prozedur - Bürsten des Fells als hygienische und ästhetische Maßnahme - nicht zu ihren Hobbys gehört, müssen sie mitunter zum Stillhalten überlistet werden, eventuell mit Leckerli. Horsts Spezialität sind Weinbeeren. Gern hätten wir ihm diesen gefallen getan, aber das Füttern der Tiergartenbewohner durch Besucher ist untersagt. Und daran hielten wir uns denn auch. Schließlich sahen die beiden Vierbeiner schmuck aus, und der von ihnen geliebte Rundgang konnte beginnen. Dieser kleine Trick - nach Unangenehmen folgt Angenehmes - wird öfter angewandt.

Zwischendurch musste unsere kleine Karawane wiederholt einen kurzen Halt einlegen, da verschiedene Gäste des Zoos die Symboltiere kraulen wollten. Das ließen sich die Wollspender auch gern gefallen, aber nicht zu lange. Sie mögen‘s nämlich sportlich - deshalb liegt die Betonung beim Wort "Spaziergang" auf dem Grundwort "Gang".

Tätscheleien mag Horst vor allem von Kindern, also von Lebewesen, die kleiner als er sind. Und natürlich am besten am Hals, damit er alles im Blick behält. Unvorsichtigerweise hatte ein Knirps Harry hinten gestreichelt. Die Reaktion - ein Fußtritt, zum Glück ins Leere. Instinktmäßig wittern die Tiere immer Feinde aus dem Hinterhalt.

Während unserer auffälligen Promenade erfuhren wir so einige wissenswerte und anregende Details. Köstlich fanden wir die Erzählung über das erste Rendezvous zwischen den beiden Paarhufern. Das Alpaka freute sich über die Bekanntschaft mit einem Tier, das irgendwie Ähnlichkeit mit ihm selbst aufweist. Aber Horst, der einst mit Ponys und Eseln aufgewachsen war, zeigte sich äußerst üuuml;berrascht über diesen Annäherungsversuch. Und was für eine völlig unerwartete Vorstellung lieferte er den Zuschauern? Er sprang ganz einfach über den Zaun - in Sicherheit. Doch nach und nach gewöhnte er sich an seinen Partner und jetzt freut er sich stets über Harrys Begleitung.

Aber überallhin darf und kann das Alpaka seinem Freund nicht Gesellschaft leisten. So ist Horst schon oft auf glattem, mitunter politisch rutschigem Parkett aufgetreten, Treppen hinauf- und herabgestiegen. Das interessierte uns natürlich besonders. Und so erfuhren wir, dass ein bekannter Tierpfleger intensiv mit ihm das Steigen trainiert hatte, was später durch "unsere Lotsin" fortgesetzt worden ist. Selbstverständlich muss das Üben ständig wiederholt werden, wie bei jeder Bewegungsart. Zunächst standen zwei bis drei Stufen auf dem Programm, was kontinuierlich auf- und abwärts erweitert wurde. Harry fällt diese sportliche Betätigung wesentlich schwerer‚ er kommt mit glattem Untergrund - und das auch noch in Stufenform - nicht so gut klar.

Horst tritt im Gewandhaus zu Leipzig auf. Foto: W. Brekle
Horst tritt im Gewandhaus zu Leipzig auf. Foto: W. Brekle

Wo hat Horst denn schon Politikern oder Künstlern die Show gestohlen? Bei der Eröffnung des Leipziger Bildermuseums wurde er freudig begrüßt, und er erreichte, dass ihm mehr Aufmerksamkeit zuteil wurde als den hohen Ehrengästen.Im Rathaus hat er auch schon öfter versucht, gute Laune zu verbreiten, was unseren Stadtvertretern durchaus zugute kommen kann. Denn laut Friedrich Nietzsche sollten wir "lernen, uns zu freuen, so verlernen wir am besten, anderen wehe zu tun".
Sowohl eine Filmpremiere hat das Lama schon aufgewertet als auch dem Elefant -Tiger & Co. - Sprecher ganz herzlich in seinem Studio zum Geburtstag gratuliert.

Regelmäßig einmal im Jahr bereichert Horst als vierbeiniger Ehrengast das Konzert des Freundes- und Förderkreises im Gewandhaus. Dabei kam es einmal zu einer lustigen Einlage. Als in der Ansprache vom Direktor die Rede war, verneigte sich Horst an der richtigen Stelle. Und das ohne vorherige Übung! Auf diese Weise war unser Lama schon öfter in unserer musikalischen Hochburg als manch ein Leipziger Einwohner.

Als Superidee sehe ich die Besuche der Lotsin mit ihrem Schützling in Altersheimen an. Uns allen ist ja bekannt, dass ältere oder kranke Menschen sich auch gern mit Tieren „befassen"! (Man beachte die Doppeldeutigkeit des Verbs.) Dort gibt es ausnahmsweise ein Leckerli.

Als ein praktisches Nebenprodukt erweist sich das Fell der beiden vierbeinigen Freunde, das sozusagen als "Thermosmantel" fungiert, im Sommer vor Hitze und im Winter vor Kälte schützt. Beim Streicheltest wurde uns klar, warum Harrys Wolle sich eher für Pullover eignet (sehr weich) und die von Horst für Decken. Als drastischen Kontrast empfanden wir Rosis Borsten‚ ein wahres Stachelkleid der lieben Sau im Streichelzoo, die gar nicht genug von unseren Liebkosungen bekommen konnte.

So ging der gelungene Vormittag voller bleibender Eindrücke viel zu schnell zu Ende. Allen Mitarbeitern des Zoos, die uns diesen Rundgang ermöglicht haben, danken wir aufs herzlichste, insbesondere natürlich der Lotsin, die sich so intensiv mit den beiden langhaarigen Gefährten beschäftigt hat und noch beschäftigt, die anschaulich und kindgerecht unsere Neugier stillte.

Wie mein Enkel mir mitteilte‚ wurde noch tagelang in der Schule von unserem Tiergartenbesuch geschwärmt. Sein abschließendes Urteil: "Ich finde es richtig nett, dass die Frau uns alles so gut erklärt hat."