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Reden wir von der Liebe

Florian Russi (Hrsg.)

Liebe ist ein Thema, das jeden berührt...Ein manchmal ernüchterndes und zugleich poetisches Buch.

Was lange gärt, wird Mut

Was lange gärt, wird Mut

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Werner Schulz
Werner Schulz

Mit diesem Satz verwies Werner Schulz auf den langen Weg zum 9. Oktober 1989. Und gleich mit der Anrede machte er in seiner fulminanten Festrede beim Festakt am 9. Oktober 2009 im Gewandhaus klar, aus welcher Bewegung er kommt: „Lieber Bürgerinnen und Bürger." Er selbst war ursächsischer Bürgerrechtler und sitzt heute in politischer Verantwortung  als Abgeordneter der Grünen Partei im Parlament der Europäischen Union.
Schulz mahnte: „Das Vermächtnis der Friedlichen Revolution gehört nicht ins Museum. Wir war'n nicht das Volk - sondern wir sind das Volk." Und „Die Revolution geht weiter." Den meisten Beifall erhielt er für seine Worte, die er an Ministerpräsident Tillich richtete, die dieser regungslos entgegen nahm: "Peinlich finde ich es hingegen, wenn einem ehemaligen KGB-Offizier..., der für schwere Menschenrechtsverletzungen in Russland mitverantwortlich ist, der sächsische Dankesorden überreicht wird. Gerade der Freistaat Sachsen sollte wahrlich einer anderen Tradition verpflichtet sein."

Mit stehendem Applaus zollten die Prominenten, die gekommen waren, ihren Respekt: Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Leipzig gut kennt, weil sie hier Physik studiert hat. Auch  Hans-Dietrich Genscher kennt Leipzig, denn er hat seine erste juristische Staatsprüfung an der Leipziger Universität abgelegt, ehe er die DDR verließ und in die BRD ging. Gekommen war neben Sachsens Ministerpräsident auch der Landtagspräsident Matthias Rößler. Selbstverständlich war Oberbürgermeister Burkhard Jung stolz, auch viele Akteure der Bürgerbewegung und internationale Gäste begrüßen zu können. Und natürlich hielt der Bundespräsident eine seiner eindringlichen Reden:

 „ Ein großer und glücklicher Tag der deutschen Geschichte...70 000 Menschen fassten sich 70 000 Herzen...die waren wach und verzweifelt und fröhlich und furchtsam und aufsässig und traurig und voller Hoffnung genau am richtigen Ort...Die Menschen sind zurecht ‚Helden von Leipzig' genannt worden...In jenen Oktobertagen stand alles auf Messers Schneide. Aber die Revolution blieb friedlich...Wir sind es der Friedlichen Revolution schuldig, auch über das Unerreichte zu sprechen...Es stimmt doch, dass wir manche Ideen aus DDR-Zeit Hals über Kopf abgeschafft haben, die wir nun...unter neuen Namen wieder einführen, zum Beispiel in den Kindergärten und im Gesundheitswesen." Wen stört es schon, wenn er, weil eine falsche Quelle genutzt worden ist, einige Details ungenau oder widersprüchlich benannte. Angesichts dieses Tages, 20 Jahre nach dem großen Aufbruch, der aus der Nikolaikirche heraus dazu beitrug, die Welt zu verändern.

Kurt Masur   Wikipedia Foto: magic5227
Kurt Masur Wikipedia Foto: magic5227

Burkhard Jung sprach von dem Werk "der vielen Unbekannten, der so genannten einfachen Leute". Und es waren 100 000  wieder gekommen, um das emotional bewegende Lichtfest zu feiern. Viele liefen noch einmal den historischen Weg um den Ring und nicht wenige hatten Tränen in den Augen. Die Akteure und Organisatoren der Aufstände tauchten in der Menge unter: Uwe Schwabe, Martin Jankowski, Katrin Hattenhauer, die am 9. Oktober 1989 noch inhaftiert war, Jochen Läßig, Rainer Müller, um nur einige zu nennen.  Kurt Masur dirigierte in der Nikolaikirche ein Festkonzert, wo auch die „Säulenheiligen" Bach und Mendelssohn nicht fehlen durften. Masur war zu Tränen gerührt  und hatte Mühe zu sprechen: „Wir müssen uns auf die Kraft besinnen, die von Leipzig ausging. Die Stadt ist es wert."

Quellen
www.bundespraesident.de
LVZ-online.de   Lichtfest 2009 - Aufbruch Leipzig