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Entstanden ist eine reich bebilderte Biographie und kluge Abhandlung, gewürzt mit Texten von und über den deutschen Klassiker, mit Auszügen aus Briefen und einigen unbekannteren, aber nicht unbedeutenden Gedichten sowie mit wichtigen Szenen aus Schillers dramatischen Werken: „Die Räuber", „Kabale und Liebe", „Don Karlos", „Wallenstein", „ Wilhelm Tell".Erschienen im Bertuch Verlag. Zu bestellen:

http://bertuch-verlag.de/70-0-Kennst-du-Friedrich-Schiller.html

Friedrich Schiller und Leipzig

Friedrich Schiller und Leipzig

Dr. Jürgen Friedel

Stahlstich Porträt Schiller nach Ölgemälde
Stahlstich Porträt Schiller nach Ölgemälde

Uns Schillers besonders zu erinnern, haben auch wir Leipziger guten Grund. Vor rund 230 Jahren kam er zum ersten Mal und gleich für längere Zeit in unsere Stadt (17.4.1785).

Eingeladen hatten ihn Bewunderer seiner Dramen "Die Räuber", "Kabale und Liebe" und "Fiesco". Diese Leipziger um Gottfried Körner wollten ihn aufnehmen in ihren Kreis, und Schiller nahm an. So konnte er auch den Mißhelligkeiten mit Intendant Dalberg und dessen Schauspielern in Mannheim entfliehen. Zu dem Körnerschen Freundeskreis gehörten neben dem Oberkonsistorialrat sein Freund Ferdinand Huber, Schriftsteller und Übersetzer, sowie die Töchter Minna und Dora des Kupferstechers Stock, bei dem übrigens Goethe während seiner Leipziger Studienzeit viel gelernt hatte. Die Stocks wohnten im Hause des Verlegers Breitkopf in der Kupfergasse. Minna Stock wurde 1785 die Frau Gottfried Körners.  Schiller schrieb an die Frau von Wolzogen über ein der Einladung vorangegangenes Geschenk, eine von Minna Stock gestickte Brieftasche mit Bildchen:

"So ein Geschenk von ganz unbekannten Händen, ... ist mir größere Belohnung als der laute Zuruf der Welt, die einzige süße Entschädigung für tausend trübe Minuten."

Schiller stieg zunächst im "Blauen Engel" in der Petersstraße ab (heute dort Messehaus Petershof). Er wurde von Ferdinand Huber begrüßt. Gleich am anderen Tag machte Schiller seinen ersten Besuch bei den Mädchen Minne und Dora in der Kupfergasse. Sehr schnell kam zur Bewunderung herzliche warme Zuneigung unter die jungen Leute. Schiller übersiedelte vom "Blauen Engel" in das "Kleine Joachimstal" zwischen Hainstraße und Kleiner Fleischergasse (Gedenktafel). Anfang Mai schließlich ging Schiller ins Dorf Gohlis. Der Verleger Göschen, selbst befreundet mit Gottfried Körner, hatte ihm ein Quartier im Hause des Bauern Schneider in der heutigen Menckestraße vermittelt.

Christian Gottfried Körner: Ölgemälde von Anton Graff (1736–1813).
Christian Gottfried Körner: Ölgemälde von Anton Graff (1736–1813).

In dem Gebäude, das unsere gern besuchte Schillergedenkstätte ist, fand der Dichter dank der finanziellen Hilfe Gottfried Körners die zum weiteren Schaffen notwendige Ruhe und Zeit zur Besinnung.

Aber Schiller 'vergrub' sich dort nicht. In Leipzig hatte sich das geistige Klima erhalten, das Goethe in "Dichtung und Wahrheit" wie folgt würdigte:

"Einer Stadt kann kein größeres Glück begegnen, als wenn mehrere im Guten und Rechten gleichgesinnte‚ schon gebildete Männer daselbst nebeneinander wohnen. Diesen Vorzug hatte Leipzig und ich genoß ihn ..."

Gern ging Schiller in das "Richtersche Kaffeehaus". Es befand sich in der 2. Etage unseres prachtvollen Romanushauses Ecke Katharinenstraße/Brühl. Dort machte er Bekanntschaft mit dem Dichter Christian Felix Weiße. Er lernte dort auch den Komponisten Johann Adam H i ll e r kennen, der seit 1781 als erster Leipzigs "Großes Konzert" im neuen Konzertsaal im Gewandhaus der Stadt leitete (dadurch ergab sich der Name Gewandhausorchester). Auch der Maler Adam Friedrich   

O e s e r ‚ Gründer der ersten königlich sächsischen Zeichenakademie und dort Anreger Goethes, gehörte neben Professoren, Schauspielern und Kaufleuten zu den Gästen im Romanushaus. Dem Mannheimer Bekannten Schwan schrieb Schiller über diese Szenerie:

"Die wenigen Menschen von Wert und Bedeutung, ...‚ welche nur allzusehr durch den fatalen Schwarm derjenigen aufgewogen‚ die wie Geschmeißfliegen um Schriftsteller herumsumsen, einen wie ein Wundertier angaffen und sich obendrein gar‚ einiger vollgekleckster Bogen wegen, zu Kollegen aufwerfen. Vielen wollte es gar nicht zu Kopfe, daß ein Mensch, der "Die Räuber" gemacht hat, wie andere Muttersöhne aussehen soll."

Die erste Begegnung Schillers mit der stärksten Persönlichkeit des Leipziger Freundeskreises, mit Gottfried Körner, fand erst am 1. Juli in Kahnsdorf bei Borna statt. Körner war ein überaus gebildeter Mann, unterhielt Verbindungen zu vielen großen Denkern und Künstlern seiner Zeit, so zu Goethe, zu den Humboldts, zu Mozart u.v.a. Sein Sohn Theodor (1791 - 1813) galt um 1810 als große deutsche Dichterbegabung. Er kam bei einem Gefecht als Lützower Jäger im August 1813 ums Leben. Leipziger Bürger hatten ihn nach seiner ersten Verwundung im Sommer 1813 heimlich gepflegt.

Robert Blum
Robert Blum

Nach Gottfried Körners Heirat mit Minna Stock erfolgte die Übersiedlung der Freunde nach Dresden. Schiller kam sich nun in Leipzig-Gohlis vereinsamt vor und reiste am 11. September ebenfalls nach Dresden, womit sein längster Leipziger Aufenthalt endete.

Die Ode "An die Freude", die 1786 im zweiten Heft der "Thalia" bei Göschen erschien, ist in dieser Zeit erlebter Freundschaft entstanden, in erster Form aufgeschrieben und in Dresden fertiggestellt worden.

Anfang August 1789 war Schiller, von Bad Lauchstädt komend, zum zweiten Mal in Leipzig. Er wohnte wieder im "Kleinen Joachimsthal". 1801 kam er am 17.9. in unsere Stadt, um die dritte Aufführung der "Jungfrau von Orleans" zu sehen. Die Premiere hatte am 11.9. stattgefunden. Sein Sohn Karl war beeindruckt von der Verehrung und Begeisterung, die dem Vater zuteil wurden. Quartier hatte man im Hotel de Baviere genommen (heute Karstadt-Warenhaus Petersstraße).

Die Schiller-Tradition in unserer Stadt verdanken wir einem aufrechten deutschen Patrioten: Robert B lu m (siehe Gedenktafel am Portal des Alten Rathauses). Er gründete den Leipziger Schillerverein und sorgte dafür, dass das Schiller-Haus 4 erhalten blieb. 1841 wurde die Gedenktafel angebracht. (Zu den Aktivitäten Blums und seiner Freunde gibt es ein humorvolles Gedicht von Theodor Fontane: "Shakespeares Strumpf". Fontane war damals Apothekergehilfe in der Adler-Apotheke in der Heinstraße.)

Stich von Albert Henry Payne aus "Leipzig um 1860" (mit 1850 herausgegebenen Stahlstichen): Schillers Haus
Stich von Albert Henry Payne aus "Leipzig um 1860" (mit 1850 herausgegebenen Stahlstichen): Schillers Haus

Heute macht sich besonders das Theater um Schillers Werke verdient, die ständig im Spielplan enthalten sind. Damit wird auch eine'Verpflichtung gegenüber der Leipziger Theatertradition eingelöst, denn viele Schiller-Dramen kamen schon sehr schnell nach den Premieren auf die Bretter unseres 1766 geschaffenen Theaters an der Rannischen Bastei.

Alljährlich am 29., 30. und 31. Dezember erklingt im Gewandhaus Beethovens 9. Sinfonie. Das ist Tradition, seit das Orchester unter Arthur N i k i s c h am 31.12.1918 dieses Werk für das Leipziger Arbeiterbildungsinstitut gespielt hat. Wenn dabei der Schlußchor über Schillers Ode erklingt, ist das immer auch ein Stückchen Schiller-Ehrung in unserer Stadt.

 Öffnungszeiten, Führungen und Veranstaltungen im Schillerhaus zu Leipzig siehe http://www.leipzig-gohlis.de/schillerhaus/.

Anschrift: 04155 Leipzig
Menckestraße 42

Tel.: (03 41) 5 66 21 70
Fax: (03 41)5 66 21 70