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Matt Lamb Kirche Bergern

Klaus von der Weiden, Susanne Wellhöfer

Es klingt fast wie ein Märchen, da kommt ein großer amerikanischer Künstler in ein kleines thüringisches Dorf und gestaltet dort die bisher unbedeutende Dorfkirche mit seinen Werken aus. Und doch ist es so geschehen in Bergern unweit der Kleinstadt Bad Berka. Die kleine Broschüre erzählt von der Kirche, dem Künstler und dem Werk, und wie es zu dieser unglaublichen Begenheit kam.

Anna Niedermüller – ein Frauenleben in Leipzig im 19. Jahrhundert

Anna Niedermüller – ein Frauenleben in Leipzig im 19. Jahrhundert

Elisabeth Guhr

Louise Otto-Peters (1)
Louise Otto-Peters (1)

 

Anna Niedermüller wurde 1854 als Anna Vogel in Plaue bei Augustusburg geboren, dem Geburtsort ihrer Mutter. Anna war das sechste Kind von Guido und Hildegard Vogel. In Plaue war übrigens die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Louise Otto-Peters, eine Cousine von Guido Vogel, ein gern gesehener Gast. 1862, da war Anna schon acht Jahre alt, zog die Familie Vogel wieder nach Leipzig und der Kaufmann Guido Vogel, der schon in den vierziger Jahren des 19. Jh in Leipzig gelebt hatte, legte zum zweiten Mal seinen Bürgereid im Leipziger Rathaus ab.

In Leipzig, das damals eine schnell wachsende Stadt war, wurde 1863 der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein, der Vorläufer der SPD gegründet. 1865 gründeten Frauen um Louise Otto-Peters den Allgemeinen Deutschen Frauenverein.

Anna Niedermüller, geb. Vogel. Aufnahme 1889. (2)
Anna Niedermüller, geb. Vogel. Aufnahme 1889. (2)

Anna war 10 Jahre alt, als ihre 17jährige Schwester Linna den amerikanischen Chemiker William Irelan heiratete und mit ihm nach San Francisco abreiste. Zwei Jahre später, 1866, folgten zwei der älteren Brüder ihrer Schwester nach Amerika. In Leipzig wütete im gleichen Jahr die Cholera und die Stadt war von der preußischen Armee besetzt, die sich im Krieg mit Österreich befand.

Ein Jahr später, am 2. Juli 1867, starb der Kaufmann Guido Vogel mit 59 Jahren. Zurück blieb seine Frau Hildegard mit drei Söhnen und der Tochter Anna. Die Familie zog darauf von der Alexanderstraße in eine kleinere Wohnung in der Turnerstraße.

Anna war Schülerin auf dem „Von Steyberschen Institut", einer höheren Mädchenschule, die von Auguste Schmidt geleitet wurde. In Annas Schulzeit fiel der Deutsch-Französische-Krieg. 1871 wurde das Königreich Sachsen Teil des deutschen Kaiserreiches. Bismarck wurde Reichskanzler. 1872 fuhr in Leipzig die erste Pferdestra&sszlig;enbahn.

Anna und Heinrich Niedermüller (3)
Anna und Heinrich Niedermüller (3)

1874 kam der aus der Gegend von Osnabrück stammende Lehrer Dr. Heinrich Niedermüller nach Leipzig. Er wurde Oberlehrer an der Nikolaischule und unterrichtete Mathematik und Physik. Er war ein ehrgeiziger junger Mann, der sich aus einfachsten Verhältnissen, seine Eltern waren Müller, empor gearbeitet hatte. Er wohnte in der Turnerstraße in der Nachbarschaft der Vogels. Vielleicht war der Junggeselle in der Pension von Hildegard Vogel öfter zu Tisch und hat dort ihre Tochter kennengelernt? Heinrich Niedermüller und Anna Vogel heirateten 1875 in der Thomaskirche. Ihre erste gemeinsame Wohnung bezogen sie in der Körnerstraße 2 in der 3. Etage.

Die Stadt breitete sich nach allen Seiten aus. Die Familie Niedermüller hatte ihren Lebensmittelpunkt in der Südvorstadt.

Heinrich Niedermüller gab außer an der Nikolaischule auch Unterricht an der Baugewerkeschule, die sich damals in der Pleißenburg befand. Er war begeistert von den Errungenschaften der Zeit. Leipzig war ein Bahnknotenpunkt. Man konnte mit der Bahn schnell und komfortabel weit reisen. In Leipzig gab es als Vorgängerin der Straßenbahn eine Pferdebahn.
Aber er sah auch, dass die Entwicklung der Industrie eine Verarmung der arbeitenden Bevölkerung mit sich brachte. Leipzig war damals eine der am schnellsten wachsenden Industriestädte, die wahrscheinlich noch schlimmer schmutzig und verrußt war, als wir das aus DDR-Zeiten kennen. Deshalb träumte er von einer Verlängerung der Pferdebahn in die Vororte Leipzigs und den Bau von Arbeiterwohnungen in diesen Orten. Im Arbeiterbildungsverein hielt er wissenschaftliche Vorträge.

 Heinrich Niedermüller, Gemälde (4)
Heinrich Niedermüller, Gemälde (4)

Heinrich Niedermüller war ein rastloser Mensch. Er übersetzte philosophische und mathematische Werke aus dem Englischen bzw. Französischen. Seine besondere Liebe galt neben der Mathematik und der Philosophie auch der Eisenbahn. Über den Gründer der Leipzig-Dresdner-Eisenbahn, Friedrich List, schrieb er mehrere Artikel in der Zeitung Herold und eine Biografie war geplant.

1877 wurde Heinrich Niedermüller Bürger der Stadt Leipzig. Im gleichen Jahr wurde die Tochter Frieda geboren, deren Taufpatin Louise Otto-Peters, „Schriftstellerswitwe aus Reudnitz", wurde. Zwei Jahre später wurde der Sohn Otto geboren.

Heinrich Niedermüller erkrankte 1883 schwer und starb am 11. Juni 1884. Er wurde nur 36 Jahre alt Er hinterließ seine dreißigjährige Witwe Anna, die 7jährige Tochter Frieda und den 5jährigen Otto. Bei seiner Beerdigung waren nicht nur die Familie und die Leipziger Verwandten anwesend, das gesamte Lehrerkollegium der Nikolaischule und die Schüler folgten seinem Sarg. Die Nikolaischule veröffentlichte im Jahrbuch von 1884 einen 6 Seiten langen Nachruf auf den beliebten Lehrer. Anna ließ sich nach einem Foto von ihm ein fast lebensgroßes Bild malen.

Der plötzliche Tod des Ehemanns war ein schwerer Einschnitt in das Leben der jungen Frau und ihrer Kinder. Die Familie war gerade erst in ein neugebautes Haus in der Liebigstraße gezogen. Sie wohnten dort in der 1. Etage, was auf eine gutsituierte Familie schließen lässt. Hildegard Vogel, Annas Mutter, war schon vor den Niedermüllers in das Haus Liebigstr. 3 gezogen. Sie betrieb dort eine kleine Pension und Speisestätte, die bei Studenten sehr beliebt war. Wie lebte Anna mit zwei kleinen Kindern ohne den Ernährer? Witwenrenten gab es damals noch nicht.

Es deutet einiges darauf hin, dass ein Teil der Niedermüllerwohnung von Hildegard Vogels Pension mitgenutzt wurde.

Im Stadtarchiv Leipzig befinden sich Stiftungsunterlagen, aus denen hervorgeht, dass Karl Tauchnitz, der ein Vierteljahr vor Heinrich Niedermüller gestorben war, der Stadt Leipzig, bzw. der von ihm gegründeten Stiftung sein Vermögen von vier Millionen Mark hinterließ, mit der Auflage, die Zinsen für wohltätige Zwecke zu verwenden. Viele Vereine, aber auch Privatpersonen erhielten Zuwendungen aus dieser „Stiftung eines Menschenfreundes". Die erste, die von der Stiftung bedacht wurde, war Frau Dr. Anna Niedermüller. Sie hatte die Nr. 1 der unterstützten Privatpersonen. Jährlich erhielt sie 300 Mark, zunächst bis 1889, dann aber darüber hinaus. Unter der Nr. 11 findet man ihre Mutter, Hildegard Vogel, mit einer Zuwendung von 60 Mark.

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Im Oktober 1885 kam Mori Ogai, ein junger japanischer Militärarzt, nach Leipzig. Er studierte ein Jahr lang am Leipziger Hygieneinstitut in der Liebigstraße. Über seine Zeit in Leipzig führte er Tagebuch. Von ihm wissen wir von der Pension Vogel, denn dort nahm er zumeist seine Mahlzeiten ein. Er schilderte sehr plastisch die Situation und die Gäste in der Pension und beschrieb Anna als gerade zwanzigjährige Witwe. Sie schien also einen sehr jugendlichen Eindruck auf ihn gemacht zu haben. In Wirklichkeit war sie acht Jahre älter als der 22jährige Mori Ogai. Sie nahm ihn mit zur Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins. Mori Ogai zeigte sich sehr beeindruckt von den Rednerinnen Auguste Schmidt und Henriette Goldschmidt, von der er meinte, dass sie eine ehemalige Lehrerin von Anna Niedermüller wäre. Besonders interessierte ihn die Forderung nach Bildung für Mädchen und Frauen, die er später auch in seiner Heimat Japan unterstützte. Die junge Witwe Niedermüller und die alte Witwe Vogel nahmen ihn auch zu Gesellschaftsbesuchen und Konzerten mit. So bekam er einen guten Einblick in das kulturelle Leben der bürgerlichen Gesellschaft in Leipzig. Ein besonderes Erlebnis für den jungen Japaner war die Einladung, das Weihnachtsfest 1885 mit der Familie Niedermüller zu feiern.
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Im Sommer 1890 zog Anna in die Nähe der neu gebauten Peterskirche, in die Emilienstr. 16.

Die Kinder Otto und Frieda erhielten ihre weitere Ausbildung außerhalb von Leipzig. Otto wurde 1891 auf die renommierte Landwirtschaftsschule nach Eldena bei Greifswald geschickt. Er wurde von Professor Kippenberg, dem Leiter der Schule und Studienfreund seines Vaters, sozusagen in die Familie aufgenommen. Seine Schwester Frieda ging 1893 zur weiteren Ausbildung in die Schweiz.

Führerinnen der Frauenbewegung in Deutschland 1894 (6)
Führerinnen der Frauenbewegung in Deutschland 1894 (6)

Schon vor 1888 war Anna Niedermüller Mitglied des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF) geworden. Die nächsten fünfzehn Jahre gehörte sie regelmäßig zu dessen Revisorinnen. Das bedeutete natürlich, dass sie auch zu den jährlichen Generalversammlungen des ADF anwesend war, die in verschiedenen Städten stattfanden. In einigen Versammlungen, so 1891 in Dresden, war Anna auch als Protokollantin tätig. So zeigte sich bei ihr ein stetiges Engagement für die Sache der Frauen, wenn sie auch nicht zu den Frauenrechtlerinnen der ersten Reihe gehörte.
Louise Otto-Peters, ihre geliebte Tante und Gründerin der Deutschen Frauenbewegung, starb im März 1895. Anna war bei ihr am Sterbebett und meldete auch den Tod beim Standesamt.

1894 war auf Vorschlag von Auguste Schmidt in Leipzig eine Ortsgruppe des ADF gebildet worden, zu deren Vorstand Anna Niedermüller von Anfang an gehörte. Auguste Schmidt, die das Amt der Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins von Louise Otto-Peters übernahm, war lange Zeit Annas Lehrerin gewesen. Aus dieser Zeit hegte Anna eine innige Zuneigung zu Auguste Schmidt. Das zeigte sie besonders 1887 zum 25jährigen Jubiläum der Lehrerin. Zusammen mit anderen ehemaligen Schülerinnen hatte Anna maßgeblich ein Überraschungsfest organisiert. Im Namen der Ehemaligen hielt ihr Anna Niedermüller auf diesem Fest eine dankende Ansprache, die in einer Lehrerinnenzeitung abgedruckt wurde.

Anna Niedermüller am Schreibtisch (7)
Anna Niedermüller am Schreibtisch (7)

Die Leipziger Ortsgruppe veranstaltete in den Winterhalbjahren Vortragsreihen mit anschließendem geselligen Beisammensein. Meist fanden diese im Rosental-Casino in der Rosentalgasse statt.
Referentinnen kamen aus ganz Deutschland. Oft waren über hundert Frauen zu diesen Veranstaltungen anwesend. Schon früh war Annas Hauptinteresse das Wohl der Kinder. Über die Ziehkinder-Pflege hielt sie 1895 einen engagierten Vortrag, der in zwei Teilen in den Neuen Bahnen abgedruckt wurde. Sie begann mit einem Wort von Louise Otto-Peters „Leipzig ist die Stadt der Humanität" und würdigte das Engagement von Dr. Taube auf dem Gebiet der Kinderfürsorge. Dr. Max Taube war Leiter der städtischen Kinderpflege in Leipzig. Er führte die Amtsvormundschaft für uneheliche Ziehkinder ein. Dadurch wurde die enorme Kindersterblichkeit reduziert. Dieses System wurde später als Leipziger System in ganz Deutschland eingesetzt. Anna war damals Aufsichtsdame bei der Waisen- und Ziehkinderfürsorge. 14 festangestellte Pflegerinnen hatten damals 4000 Kinder 14täglich zu betreuen.

Nach dem Tod von Auguste Schmidt im Sommer 1902 wurde Dr. Käthe Windscheid Vorsitzende der Ortsgruppe. Die polizeiliche Anmeldung einer Versammlung zeigt, dass Anna Niedermüller einen Bericht &uuuuml;ber das Thema Kinderschutz gab. 1902 war in Leipzig der Verein der Kinderfreunde (Kinderschutz) gegründet worden. Viele Leipziger schlossen sich diesem Verein an. Zum ersten Vorstand gehörte neben Käthe Windscheid und Max Taube auch Anna Niedermüller.

Anna und die Kinder Frieda und Otto (8)
Anna und die Kinder Frieda und Otto (8)

Seit 1900 lebte Anna mit ihrer Mutter zusammen. Die erwachsenen Kinder gingen ihre eigenen Wege. Otto kam aus Eldena zurück und ging nach Dresden auf die Gartenbauschule. 1902 wanderte er nach Santa Barbara in Kalifornien aus. In Amerika hatte er Verwandte. Von Leipzig war er enttäuscht. Die Stadt hatte sich sehr verändert. Nichts war mehr so wie in seiner Kindheit. 100 000 Einwohnern hatte die Stadt jetzt 500 000 Einwohner. Er, der Gartenarchitekt, vermisste die schönen alten Gartenanlagen.

Auch Frieda wanderte nach Kalifornien aus. Sie studierte dort an der renommierten Universität von Berkeley Botanik und war nebenbei künstlerisch tätig. 

1905 meldete Anna Niedermüller sich bei der Polizei zu einem Erholungsurlaub nach Santa Barbara ab. Einen Monat war sie mit dem Schiff von Europa nach Amerika unterwegs. 1906 notierte die Leipziger Polizei, dass sie ihren ständigen Wohnsitz in Amerika hat. Sie war dort glücklich im Kreis der Kinder.

1907 heiratete Otto Niedermüller. Frieda lernte einen jungen Deutschen, Herman Sexauer, kennen, der durch die Wandervogelbewegung geprägt war. Er war als Kriegsdienstverweigerer aus Deutschland weggegangen. In Santa Barbara hatte er den ersten Bioladen gegründet. 1908 heirateten sie. Friedas Mann war ein radikaler Nonkonformist, Veganer, Anhänger der Nudistenbewegung und verweigerte auch in Amerika den Kriegsdienst. Dafür musste er während der beiden Weltkriege ins Gefängnis. Das war für Otto, den überzeugten Amerikaner, eine Zumutung und er brach den Kontakt zu Friedas Familie ab. Frieda reiste, vielleicht mit ihrer Mutter zusammen, nach Baden, in den Heimatort ihres Mannes und brachte dort im Jahr 1910 ihr erstes Kind zur Welt. Danach reiste sie wieder zu ihrem Mann nach Santa Barbara.

Carl Christian Philipp Tauchnitz (Gemälde von Leon Pohle) um 1870 (9)
Carl Christian Philipp Tauchnitz (Gemälde von Leon Pohle) um 1870 (9)

Und wie ging Annas Leben weiter? Hat sie ihre Mutter noch einmal gesehen? Hildegard Vogel hatte 1907 Annas Wohnung aufgegeben und wohnte bis zu ihrem Tod im Jahre 1909 in der Lindenstraße zur Untermiete. Anna meldete sich im September 1911 aus Württemberg zurück. Sie wohnte zunächst bei Freunden. Sie hatte ja in Leipzig kein Zuhause mehr.

1912 wurde in Leipzig durch einen Kreis um Edith Mendelssohn Bartholdy ein Krippenverein gegründet, der „Krippen" für die Kinder arbeitender Mütter einrichtete. Die Nachfrage war so groß, dass schon im Herbst 1912 ein zweites Gebäude in der Leutzscher Straße angemietet wurde, das 50 Kinder aufnehmen konnte. In dieses Haus zog Anna Niedermüller im Jahr 1913 und wohnte dort bis 1921. Möglicherweise konnte sie sich dort noch einmal für die Kinder engagieren. 1914 brach der erste Weltkrieg aus. Im benachbarten Diakonissenhaus wurde ein Lazarett eingerichtet. Auch hier wurden alle Hände gebraucht. Nach dem Krieg wurde Anna schwer krank. 1919 wurde sie mehrmals in das Diakonissenkrankenhaus eingeliefert.

Mit 67 Jahren bezog Anna Niedermüller endlich ein Zimmer im Altersheim in der Lionstraße, einer städtischen Stiftung aus dem Nachlass von Karl (alt. Carl) Tauchnitz. Hier lebte sie bis 1930. Ob sie von dem Geschick ihrer Kinder in Amerika noch erfahren hat? Frieda, die Tochter, starb schon Mitte der Zwanziger Jahre und hinterließ ihren Mann und vier Kinder. Otto verlor in der Weltwirtschaftskrise sein Vermögen und musste noch einmal von vorne anfangen.

Am 11. Juni 1930 bezog Anna Niedermüller ein Zimmer im privaten Sanatorium Hartheck des Dr. Schütz in der Nähe von Gaschwitz. Hartheck war eine psychiatrische Anstalt für besser situierte Personen. Heute befindet sich dort die „Neue Harth". Hier verlieren sich ihre Spuren. Hatte sie jemanden, der ihr diesen Aufenthalt bezahlte? Hat sie den Machtantritt der Nationalsozialisten noch registriert? 1936 soll sie gestorben sein.

Bildnachweis:

Archiv Elisabeth Guhr, Familienalbum Niedermüller: 1, 2, 3, 4, 7, 8

Mit freundlicher Genehmigung des Malers Volker Pohlenz: 5

Aus "Die Gartenlaube", Sammelband 1894, S. 257, gemeinfrei: 6

Via Commons Wikipedia, gemeinfrei,

Carl Christian Philipp Tauchnitz (Gemälde von Leon Pohle) um 1870: 9