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Der Neue Johannisfriedhof in Leipzig. Hg. Alfred E. Otto Paul.
ISBN 978-3-00-039357-0
Louise Otto-Peters - eine bedeutende Frauenrechtlerin

Louise Otto-Peters - eine bedeutende Frauenrechtlerin

Alfred E. Otto Paul

Louise Otto-Peters. Bild: Guhr (1)
Louise Otto-Peters. Bild: Guhr (1)

Die Schriftstellerin, Publizistin und entschiedene Demokratin Louise Otto-Peters gilt zu Recht als eine der bedeutendsten Vertreterinnen in der Geschichte der deutschen Frauenrechtsbewegung, deren beeindruckendes Lebenswerk höchst löblich von der 1993 begründeten Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e.V. in Leipzig bewahrt wird.

Als Tochter eines Juristen wird Louise Otto 1819 in Meißen geboren. Im Alter von I6 Jahren verliert sie 1835 in kurzer Folge Vater und Mutter.

Bereits in jungen Jahren erkennt sie die große Not der in den mittelsächsischen Textilfabriken ausgebeuteten arbeitenden Menschen und sie widmet sich fortan bis an ihr Lebensende dem Kampf um die Menschenrechte. Der Freiheit und Gleichheit aller Menschen, der sozialen Gerechtigkeit und im ganz besonderem Maße der notwendigen Emanzipation der Frauen gilt ihr beständiges Streben.

Lebenserschütternde Ereignisse wie der Tod der Eltern oder auch der Tod ihres geliebten Verlobten, den sie mit 22 Jahren verliert, wirken sicherlich sehr Charakter prägend und Identitäts bildend auf die junge Frau. Sie ist eine bemerkenswert starke Persönlichkeit, sehr couragiert, durchsetzungsfähig und intelligent. So wählt sie den Beruf einer Schriftstellerin, um ihre selbstbestimmte Mission zu befördern.

Etwa 60 Bücher hat sie in ihrem Leben geschrieben. Neben vielen Gedichten, Novellen und Erzählungen entstammen ihrer Feder zahllose sozialkritische Streitschriften. Wegen ihres großen politischen Engagements in der Zeit des Vormärz hat man sie verehrend die „Lerche des Völkerfrühlings" genannt.

Dom zu Meißen etwa 1904. (2)
Dom zu Meißen etwa 1904. (2)

Im Jahre 1848 lernt Louise Otto in Meißen den Publizisten August Peters kennen, der zu dieser Zeit dort das demokratische Wochenblatt „Die Barrikade" begründet. Aber die Hoffnungen der Märzrevolution zerschlagen sich, und wie viele andere aufrechte Demokraten wird auch August Peters mit jahrelangen Zuchthausstrafen belegt.

Die beiden werden ein liebendes Paar, ihre Verlobung ?ndet im Gefängnis von Bruchsal statt. Erst 1856 wird August Peters aus dem Zuchthaus entlassen und schließlich besiegeln die Liebenden im Jahre 1858 im Dom zu Meißen dann ihren Lebensbund. Louise Otto behält ihren Mädchennamen, ganz sicher als ein Zeichen ihrer selbstbewusst gelebten weiblichen Identität, und fügt den Namen ihres Gatten hinzu. Eine Anstellung von August Peters als politischer Redakteur bei der „Mitteldeutschen Volks-Zeitung" führt das Ehepaar nach Leipzig.

Hier trifft Louise Otto-Peters auf Auguste Schmidt, Henriette Goldschmidt u.a. gleichgesinnte Frauen, mit denen sie gemeinsam im Jahre 1865 in Leipzig einen ersten Frauenbildungsverein sowie den Allgemeinen Deutschen Frauenverein begründet, dessen Vorsitz Louise Otto-Peters drei Jahrzehnte lang, bis zu ihrem Lebensende, inne hat.

Ein Jahr zuvor, am 04. Juli 1864, stirbt August Peters nach langer Krankheit im Alter von erst 47 Jahren wohl an den gesundheitlichen Folgen der vieljährigen Haft im Zuchthaus. Drei Tage später wird er in der IV. Abteilung des Neuen Johannisfriedhofes in einem schlichten Reihengrab beerdigt. Die in beständiger Armut lebende Louise Otto-Peters ist nicht in der Lage, ihrem Gatten einen Denkstein zu setzen. Erst sechs Jahre später, im Juni 1870, beantragt Carl Moritz Dolge die Genehmigung für die Aufstellung eines beschrifteten, gewachsenen Feldsteines auf dem Grabe von August Peters und bittet gleichzeitig erfolgreich um den Erlass der üblichen Conzessionsgebühr. So haben offenbar ehemalige politische Weggefährten des verstorbenen August Peters ehrenhaft das Geld für seinen Denkstein gesammelt. Louise Otto-Peters bleibt bis an ihr Lebensende im Witwenstand.

Grabmalfindling für Louise Otto-Peters und für ihren Mann, Dr. August Peters. (3)
Grabmalfindling für Louise Otto-Peters und für ihren Mann, Dr. August Peters. (3)

In ihren beiden letzten Lebensjahren ist sie zunehmend von Krankheit geplagt, sie leidet u. a. auch an einem Bronchialkatarrh. Durch eine Erkältung Anfang März 1895 af?ziert sich die Lunge, ein Lungen-Schlag bewirkt letztlich ihren Tod am 13. März 1895 in ihrer Wohnung in der Leipziger Kreuzstraße 29, wenige Tage vor ihrem 76. Geburtstag.

Fräulein Dr. med. Anna Kuhnow, eine der ersten promovierten Ärztinnen in der Geschichte der Medizin, hat Louise Otto-Peters in dieser letzten Lebensphase medizinisch betreut und sie auch in der letzten Nacht begleitet, nach der sie tagsdrauf ohne Bewusstsein diese Welt verlassen hat.

Ein mit Auguste Schmidt befreundeter, namentlich nicht genannter Bildhauer nimmt wenig später der Verstorbenen Louise Otto-Peters die Totenmaske ab. Diese Totenmaske hat nach Auffassung des Autors mit größter Wahrscheinlichkeit der Leipziger Bildhauer Adolf Lehnert gefertigt, sie gilt heute leider als verschollen.

Zur Trauerfeier sind vermutlich einige 100 Personen erschienen, darunter auch sehr zahlreich Vertreterinnen auswärtiger Frauenvereine. Nach einer großen Begräbnisfeier wird der schwere Eichensarg mit dem Leichnam von Louise Otto-Peters in dasselbe Grab gesenkt, in dem einst ihr Mann beerdigt worden ist. So ruhen seitdem die so früh durch den Tod getrennten Eheleute wieder im Tode vereint in diesem schlichten Reihengrab mit der Bezeichnung IV.4.B.37.

Denkmal für Louise Otto-Peters im Rosental an einem vom ADF geschaffenen Kinderspielplatz. Fotografie 1930. (4)
Denkmal für Louise Otto-Peters im Rosental an einem vom ADF geschaffenen Kinderspielplatz. Fotografie 1930. (4)

Sehr bald nach dem Tod von Louise Otto-Peters beschließt der Allgemeine Deutsche Frauenverein, ihrer langjährigen Vorsitzenden in Leipzig ein Denkmal zu setzen. Zur Finanzierung des vermutlich vom angesehenen Architekten Prof. Bruno Eelbo entworfenen und vom inzwischen zum Professor ernannten Bildhauer Adolf Lehnert geschaffenen Denkmals werden 8.000 Mark benötigt. Durch Spendenaufrufe und auch mittels einer Losaktion wird dieses Geld tatsächlich von den deutschen Frauen aus allen Teilen des Reiches aufgebracht und so ?ndet plangemäß am 10. Juni 1900 die feierliche Weihe des Denkmals in der Anlage des Johanniskirchhofes statt. Wegen des Neubaues des Grassi-Museums wird es im Jahre 1925 umgesetzt und steht seitdem am Rande des Rosentales, auf einem von Louise Otto-Peters gemeinsam mit anderen Frauen 1870 hier geschaffenen Kinderspielplatz.

Auguste Schmidt, die zu ihren Lebzeiten nach Louise Otto-Peters immer die Zweite in der Hierarchie der Frauenrechtsbewegung gewesen ist, wird später im Tode überhöht, wofür es nur eine Erklärung gibt: Es entwickelt sich ein eigenartiger Personenkult um Auguste Schmidt, deren Einzel-Grabstätte sich unmittelbar rechts neben dem Grab von Louise Otto-Peters mit dem schlichten Grabmalfindling befindet. Für Auguste Schmidt wird ein opulenter Grabstein aufgestellt, während der Grabmalfindling vorn aufs Grab versetzt wird. Und dieser Personenkult wird viele Jahre weiter genährt und gleichzeitig schwindet das ehrende Gedächtnis an die objektiv verdienstvollere Louise Otto-Peters.

Die Geschichte lässt sich nicht ewig betrügen. Viele Jahre später, als längst die künstlich erzeugte Aura von Auguste Schmidt geschwunden ist und auch ihr Grab niemand mehr p?egt, hat sich irgendein anständiger Mensch berufen gefühlt, den wegen des Personenkultes umgesetzten Grabstein von Louise Otto-Peters wieder an seinen ursprünglichen Standort bringen lassen, unmittelbar links neben dem Grabstein von Auguste Schmidt.

Aber es haben sich ja nicht nur die Erben ihres Vermächtnisses an Louise Otto-Peters vergangen, sondern auch die Nachwelt konnte offenbar gut damit leben, das Grab dieser großen Kämpferin für die Menschenrechte, dieser wirklichen Ikone der Frauenemanzipation, zu schleifen.

Jedenfalls hat die Diplomjournalistin Johanna Ludwig im Jahre 1993 gut daran getan, der von ihr initiierten Gesellschaft den Namen Louise Otto-Peters zu geben.  Und so hat auch der Autor sich bemüht, mit diesem Beitrag Louise Otto-Peters gebührend zu ehren und an sie zu erinnern.

Drei Sängerinnen. Gemälde von Angelika Kauffmann 1795. (5)
Drei Sängerinnen. Gemälde von Angelika Kauffmann 1795. (5)

Wie seelisch stark die gottgläubige Louise Otto-Peters trotz lebenslänglicher beständiger Armut gewesen ist, erkennen wir an diesem Gedicht von ihr, das sie im Jahre 1880 in Meißen verfasst hat:

„Wird einst mein letztes Lied ertönen

nach allen Kämpfen schwerer Zeiten:

Mein Leben war im Dienst des Schönen!

Der Trost soll an mein Grab mich leiten.

Ich danke Gott, der mir's beschied:

Mein ganzes Leben war ein Lied."

Ein Testament hat sie nicht hinterlassen.

Mit freundlicher Genehmigung des Heraugebers und Autors ist dieser Artikel (leicht gekürzt) aus dem Buch "Der Neue Johannisfriedhof  in Leipzig" entnommen. ISBN 978-3-00-039357-0.

Bildnachweis:

1 Freundlicher Weise von Frau Guhr  zur Verfügung gestellt.

2 und 5 Wikimedia Commons, gemeinfrei.

3 und 4 Archiv Alfred E. Otto Paul.