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Karlheinz Fingerhut 
Kennst du Franz Kafka?

Was für ein komischer Kauz muss dieser Kafka wohl gewesen sein, dass kaum ein Lehrer so recht weiß, wie ihn vermitteln. Dabei ließen sich Kafkas Texte mit Träumen vergleichen, und die kennt doch jeder.
Karlheinz Fingerhut ermöglicht in diesem Buch einen leichteren Zugang zum Menschen Kafka und zu seinen teils verwirrenden Werken.

Die Geschichte von dem klugen Elefanten

Die Geschichte von dem klugen Elefanten

Hildegard Deubel

Die klugen Elefanten   Foto: Wolfgang Rullik
Die klugen Elefanten Foto: Wolfgang Rullik

Daß uns der Anblick der Tiere so ergötzt,
beruht hauptsächlich darauf,
daß es uns freut,
unser eigenes Wesen so vereinfacht vor uns zu sehen.
                                          Schopenhauer

 

Wer von uns hat nicht schon die Erfahrung gemacht, dass sich Tiere scheinbar menschlich verhalten, dass sie mitunter durchaus unseren Denk- und Handlungsmustern folgen.

So weckte die Geschichte eines Leipziger Elefanten, die sich anno 1956 zugetragen haben soll, größtes Interesse.

Die Elefantendame Mary gehörte mit zu den Attraktionen des Zirkus Aeros, der sein festes Winterlager immer auf einem bestimmten Platz in Leipzig aufschlug. Ausgiebiges Training war natürlich unabdingbar, um den Zuschauern immer wieder begeisterte Beifallsstürme zu entlocken. Eventuell ging man dabei nicht besonders zimperlich mit den tierischen Artisten um. Eines Tages bemerkte der Dompteur, dass Mary hinkte. Er beobachtete das eine gewisse Zeit, konnte jedoch keine Besserung feststellen und ließ den Tierarzt kommen. Das Ergebnis verschiedener veterinärer Untersuchungen: ohne Befund.

Der erste Jahrmarktselefant 1629   Foto: Wikipedia, gemeinfrei
Der erste Jahrmarktselefant 1629 Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Was tun? Einen lahmen Elefanten konnte man doch nicht dem Publikum vorführen! So wurde der Patient geschont, aber der Zustand blieb unverändert. Die Zirkusleute schauten sich das noch eine Weile an, kamen jedoch zu dem Schluss, dass ihenen der humpelnde Dickhäuter nicht von Nutzen sei. Im Gegenteil, ein überflüssiger Fresser. So einigte man sich, Mary in den Leipziger Zoo zu bringen. Gesagt, getan.

Die von den Artisten verschmähte Rüsseldame lebte sich schnell in ihrer neuen Umgebung ein. Und womit versetzte sie die Tierpfleger nach einigen Tagen in Erstaunen? Der Neuzugang lief ganz normal! Naja, das soll vorkommen, dass sich eine Behinderung allmählich lindert. So führte Mary ein ruhiges Leben im zoologischen Garten. Aber eines Tages fiel dem Dresseur des Zirkus ein, doch einmal seine ehemalige Elevin zu besuchen. Was passierte nun? Kaum hatte Mary den alten Tierbändiger erspäht, so verfiel sie abermals in ihre unregelmäßige Gangart.

Die Simulantin hatte sich also sehr klug zur Wehr gesetzt gegen die menschlichen Forderungen. Vielleicht hatte sie aber auch einfach keine Lust mehr zu ihrer "Arbeit". Sie führte keine körperliche Attacke gegen ihre Dompteure, was ihr bestimmt schlecht bekommen wäre.

In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts soll Mary nach einem verdienten geruhsamen Lebensabend im Zoo gestorben sein.

 

Die Verfasserin des Artikels bedankt sich herzlich für sachdienliche Hinweise und Unterstützung bei den Mitarbeiterinnen im Leipziger Zoo.