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Die Thomaskantoren nach Bach

Die Thomaskantoren nach Bach

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Bach, Johann Sebastian      * 1685 in Eisenach – † 1750 in Leipzig

Thomaskantor 1723 – 1750  

In der Zeit, in der Bach Thomaskantor war, lag seine bedeutendste Schaffensperiode als Komponist. Zu seinen berühmten Werken gehören: die Johannes-Passion, die Matthäus-Passion, das Weihnachtsoratorium und die h-Moll-Mess, ebenso wie die Toccata und Fuge d-Moll, Das wohltemperierte Klavier, Die Brandenburgischen Konzerte und Die Kunst der Fuge.

Nicht nur von Berufsmusikern und Musikwissenschaftlern wird Johann Sebastian Bach als bedeutendster Komponist in der Musikgeschichte angesehen. Beethoven bewunderte ihn:

„Nicht Bach! Meer sollte er heissen: wegen seines unendlichen, unerschoepflichen Reichtums an Tonkombinationen und Harmonien.“

In seiner Zeit wurde Bach als virtuoser Organist und Orgelsachverständiger sehr geschätzt. Jedoch wurden andere Komponisten bevorzugt, so Händel, Telemann und auch Graupner. Nach Bachs Tod waren seine Kompositionen nicht mehr populär, sie gerieten in Vergessenheit.

Es gehört zu den großen Verdiensten von Felix Mendelssohn-Bartholdy, dass er am 11. März 1829 die Aufführung der Matthäus-Passion in der Sing-Akademie zu Berlin initiierte und dirigierte und damit den Komponisten Johann Sebastian Bach gewissermaßen wiederentdeckte.

Heute kommen Musikliebhaber aus aller Welt zum Bachfest nach Leipzig, das bis zum 16. Juni 2024 mit 160 Aufführungen läuft. Sie finden vor allem an den heiligen Bach-Orten statt, in der Thomaskirche und in der Nikolaikirche. Eintrittskarten sind in 50 verschiedene Länder verkauft worden, für wenige Veranstaltungen gibt es noch Restkarten.

Harrer, Gottlob                 * 1703 in Görlitz – † 1755 in Leipzig

1. Thomaskantor nach Bach von 1750 – 1755

Harrer wuchs in Görlitz auf, lebte danach drei Jahre in Dresden. Ab 1722 studierte er zunächst an der Universität Leipzig Medizin, aber wandte sich bald seiner Leidenschaft, der Musik, zu. Graf Heinrich von Brühl, in dessen Kapelle er musizierte und von dem er später zum Kapellmeister ernannt wurde, vermittelte Harrer die Anstellung als Thomaskantor in Leipzig. Damit wurde er Nachfolger von Johann Sebastian Bach.

 

Doles, Johann Friedrich    * 1715 in Steinbach (Thüringen) – † 1797 in Leipzig

2. Thomaskantor nach Bach von 1756 – 1789

 

Hiller, Johann Adam         * 1728 in Wendisch-Ossig ( Görlitz) – † 1804 in Leipzig

3. Thomaskantor nach Bach von 1789 – 1800

 

Müller, August Eberhard     * 1767 in Northheim (Hannover) – 1817 in Weimar

4. Thomaskantor nach Bach von 1804 (?)– 1810

 

Schicht, Johann Gottfried    * 1753 in Reichenau (Zittau) – † 1823 in Leipzig

5. Thomaskantor nach Bach von 1810 – 1823

Von 1780 – 1785 leitete er die Gewandhauskonzerte, gründete die Singakademie , wurde Organist der Neukirch und ab 1810 Thomaskantor.          

                                                          

Weinlig, Christian Theodor   * 1780 in Dresden – † 1842 in Leipzig

6. Thomaskantor nach Bach von 1823 – 1842

Weinlig wuchs in Dresden auf. Er studierte von 1797 bis 1803 Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig und arbeitete zunächst als Advokat in Dresden. Sein Onkel war dort Kantor an der Dresdner Kreuzkirche. Von ihm erhielt er eine musikalische Ausbildung. Der Komponist, Musiktheoretiker und Musikpädagoge Stanislao Mattei lehrte an der Liceo Musicale (Musikhochschule) di Bologna. Weinlig ließ sich auch von ihm unterweisen.

Zunächst wirkte Weinlig als Kreuzkantor in Dresden, ehe er 1823 als Thomaskantor in Leipzig berufen wurde.

Die Stadt ehrte ihn, indem eine Straße im Stadtteil Gohlis nach ihm benannt wurde.

Weltberühmt wurde sein Schüler Richard Wagner, den er unterrichtete. Wagner widmete ihm ein frühes Werk, die Klaviersonate in B-Dur. Auch die Pianistin Clara Schumann, geb. Wieck unterwies Weinlig.

 

Hauptmann, Moritz             * 1792 in Dresden – † 1868 in Leipzig

7. Thomaskantor nach Bach von 1842 – 1868

 

Richter, Ernst Friedrich       * 1808 in Großschönau (Lausitz) – 1879 in Leipzig

8. Thomaskantor nach Bach von 1868 – 1879

 

Rust, Dr. Wilhelm                      * 1822 in Dessau – 1892 in Leipzig

9. Thomaskantor nach Bach von 1880 – 1892

Er stammte aus einer alten Musikerfamilie und war als großer Bach-Kenner im 19. Jahrhundert hoch geachtet. Mit der großen Prachtausgabe von Johann Sebastian Bachs Werken, die Rust als Redakteur in der Leipziger Bachgesellschaft herausgab, erwarb er sich große Verdienste.                  

Schreck, Gustav                         * 1849 in Zeulenroda – † 1918 in Leipzig

10. Thomaskantor nach Bach von 1893 – 1918

Schreck besuchte zunächst ein Lehrerseminar in Greiz, wo er bereits als Präfekt des Schülersingechores musikalisch tätig war. Er studierte am Konservatorium in Leipzig Musik, wurde vom Thomaskantor E. F. Richter unterrichtet.

Berühmt geworden ist seine vierstimmige Chorfassung des Weihnachtsliedes Stille Nacht, heilige Nacht. Diese Fassung wird heute noch von vielen Chören genutzt.

Schreck war im Jahre 1900 Gründungsmitglied der Neuen Bachgesellschaft und machte sich um das Ansehen Johann Sebastian Bachs verdient, indem er die Bachfeste belebte und die Thomaner mit einband.

Straube, Montgomery Rufus Karl Siegfried            * 1873 in Berlin - † 1950 in Leipzig

11. Thomaskantor nach Bach von 1918 -

 

Ramin, Günther Werner                 *1898 in Karlsruhe – † 1956 in Leipzig

12. Thomaskantor nach Bach von 1940 – 1956

Ramins Familie verzog 1903 nach Schkeuditz bei Leipzig. Gustav Schreck nahm ihn gleichzeitig in den Thomanerchor auf und vermittelte ihm eine solide musikalische Ausbildung. Von 1914 – 1917 studierte Ramin am Konservatorium der Musik in Leipzig. Anfangs war er auf das Klavierspiel fokussiert. Karl Straube gab ihm Orgelunterricht. Er vertrat seinen Lehrer damals schon in der Thomaskirche. 

Ramin amtierte von 1919 – 1939 als Thomasorganist zu Leipzig. Von 1935 – 1943 wirkte er als Leiter des Philharmonischen Chors Berlin.

 

Tietze, Ekkehard         * 1914 – † 1995 Thomaskantor ad interim (1956–1957)

 

Thomas, Kurt               *1904 in Tönning– † 1973 in Bad Oeynhausen

13. Thomaskantor nach Bach von 1957 - 1960

Kästner,Hannes            * 1929 – † 1993 Thomaskantor ad interim (1960–1961)

 

Mauersberger, Erhard           *1903 in Mauersberg – † 1982 in Leipzig

14. Thomaskantor nach Bach von 1961 - 1971

 

Rotzsch, Hans-Joachim        * 1929 in Leipzig – † 2013 ebenda

15. Thomaskantor nach Bach von 1972 – 1991

Ausgebildet war Rotzsch als Sänger (Tenor). An der Leipziger Musikhochschule absolvierte er ein Studium der Kirchenmusik; sein Orgellehrer war Günther Ramin. Gesangsunterricht nahm er bei Fritz Polster.

Er wirkte als Chorleiter und Hochschullehrer. Sowohl bei den Thomanern als auch bei deren Eltern war er beliebt. Deshalb kam es zu öffentlichen Protesten, weil er wegen seiner IM-Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit 1991 als Thomaskantor zurücktrat, um Schaden vom Amt abzuwenden. Er kam damit einer Abberufung zuvor.

Von 1992 bis 2 000 wirkte er als ordentlicher Gastprofessor für evangelische Kirchenmusik am Mozarteum in Salzburg.

Unger, Wolfgang       *1948 – † 2004       Thomaskantor ad interim (1991–1992)

 

Biller, Georg Christoph       * 1955 in Nebra - † 2022 in Leipzig

16. Thomaskantor nach Bach von 1992–2015

Der Sohn eines Pfarrers wuchs in Nebra auf. Seine erste gründliche musikalische Ausbildung erhielt er von 1965 bis 1974 als Thomaner in Leipzig unter Erhard Mauersberger und Hans-Joachim Rotzsch. Erste Erfahrungen im Dirigieren sammelte der Hochbegabte als Chorpräfekt im Thomanerchor. Nach dem Abitur studierte er von 1976 bis 1981 Orchesterdirigieren bei Rolf Reuter und Kurt Masur; ebenso Gesang an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“.

Ab 1980 arbeitete er als Chordirektor des Leipziger Gewandhauses. Außerdem lehrte er als Dozent für Chorleitung an der Kirchenmusikschule Halle.

Am 1. August 1992 war Biller in sein Amt als Thomaskantor berufen worden. Er hatte es 22 Jahre lang inne. Weil er schwer erkrankte, musste er sich 2015 zurückziehen.

 

Schwarz, Gotthold          * 1952              Thomaskantor ad interim (2015–2016)

Reize, Andreas               * 19. Mai 1975 in Solothurn (Schweiz)

Reize wurde am 11. September 2021 als 18. Thomaskantor nach Bach berufen.

Er wuchs in Solothurn auf und legte dort die Matura ab. Seine musikalische und pädagogische Ausbildung war breit gefächert. Er studierte an verschiedenen Musikhochschulen und Universitäten, - so in Bern, Zürich, Luzern, Basel und Graz - Kirchenmusik, Orgel, Klavier, Chorleitung und Orchesterleitung.

In seinem Heimatland sammelte er unter anderem als Chorleiter verschiedener Chöre in Solothurn und Bern Erfahrung.

Regelmäßig gestaltet Reize die gut besuchten Motetten in der Thomaskirche.

Mit dem Thomanerchor reist er häufig zu Festivals und Musikfesten in die ganze Welt.

An der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig ist Reize seit Dezember 2023 als Honorarprofessor tätig.

Zum Bachfest in Leipzig 2024 hat Andreas Reize wieder eine tragende Rolle auszufüllen; der Thomanerchor eröffnet das Jubiläums-Bachfest in der Thomaskirche.

 

 

*****

Textquellen:

Maul, Michael: Die Frühgeschichte des Thomaskantorats und die Entwicklung des Chores bis zum Amtsantritt Johann Sebastian Bachs in: 800 Jahre Thomana, Festschrift zum Jubiläum von Thomaskirche, Thomanerchor und Thomasschule, Stekovics: Altner, Stefan; Petzoldt, Martin (Hrsg.):  Wettin-Löbejün, 2012, S. 78–103.

Maul, Michael: „Dero berühmbter Chor“: die Leipziger Thomasschule und ihre Kantoren (1212–1804). Lehmstedt, Leipzig, 2012.

Petzoldt, Martin (Hrsg.): Thomaskirche Leipzig, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig, 2012.

Prümers, Adolf: Berühmte Thomaskantoren und ihre Schüler, Langensalza, 1908.

Ausstellung Die Thomaskantoren. Veranstaltet vom Stadtgeschichtlichen Museum und der Stadtbibliothek. Leipzig o. J.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Johann_Sebastian_Bach, 2020, Urheber: Elias Gottlob Haußmann via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Saxonia Museum fuer saechsische Vaterlandskunde IV 40, 1839 via Wikimedia Commons gemeinfrei.

Christian Theodor Weinlig, 1841, Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons Bild-PD-alt; neu bearbeitet von Carolin Eberhardt.

Gustav Schreck, um 1900, Urheber:  Fritz Reinhard via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Fotothek df roe-neg 0002787 003 Podium der Bachfeier, Günther Ramin im Vordergrund, 1950, Urheber: Roger und Renate Rössing via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

 

 

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