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Sommerschnee

Berndt Seite

Hardcover, 124 S., 2020 erscheint demnächst; Bereits vorbestellbar

ISBN: 978-3-86397-134-2
Preis: 15,00 €

Sommerschnee – das sind die luftig-bauschigen Samenfasern der Pappelfrüchte, die sich im Sommer öffnen und die Welt mit ihrem weißen Flaum überziehen: Schnee in der wärmsten Jahreszeit. Mal melancholisch, mal mandelbitter, aber stets in größter Genauigkeit geht Berndt Seite auch in seinem neuen Lyrikband den Erscheinungsformen der Natur nach und lotet in ihnen die Bedingungen des Lebens aus.

Der pinkelnde Tod

Der pinkelnde Tod

Friedemann Steiger

Gemälde von Max Klinger
Gemälde von Max Klinger

Der Leipziger Stadtrat hatte den Ankauf dieses Bildes von Max Klinger, das sich in Privatbesitz befand, im vergangenen Sommer beschlossen, der Preis ist sehr hoch, die Stadt Leipzig, die Kulturstiftung der Länder, die „Ernst von Siemens Kunststiftung“ und der Förderkreis des Museums mit dem Freundeskreis Max Klinger, ermöglichten das; ich kannte das Bild noch nicht, ich finde es gut, wenn Geld für Kunst ausgegeben wird, besser als für Waffen.

Der Titel, der pinkelnde Tod, hat für mich schon sprachlich einen Reiz, was heißt, da hat er seine Arbeit getan und er will jetzt nur noch drauf pinkeln, sieht er die Geschichte dieser Welt so negativ, das er nur noch das machen kann oder hat er einfach ein Bedürfnis, das sollte es ja geben, er muss einmal, auch ein großer König muss einmal sagen wir, aber vielleicht pinkelt er auch alles tot, seine Pisse ist wie er selbst wenig einladend, nur zerstörend, alles vernichtend, wie das Erdbeben in Haiti oder der Tsunami in Chile oder die Raketen in Afghanistan oder die Journalisten in Deutschland, die wie die Geier über ein Ereignis herfallen, es zerpflücken, verdrehen, ins Gegenteil verkehren, jedes menschliche Mitgefühl auslassen, ich denke an die Berichterstattung über die Kässmann, ihr Vergehen war vergleichsweise gering, aber in der Position darf man sich so etwas nicht leisten, da muss man immer alles richtig machen, darf keinen Fehler begehen, muss immer top sein, vertuschen dürfen nur die Römer, da wird doch von einem berichtet, er habe in seiner Klosterschule einem Jungen nur über den Kopf gestreichelt, das wäre sein Versehen gewesen, es läuft mir kalt den Rücken runter, ich nenne es Heuchelei, ich schäme mich für diesen Kollegen, ich schäme mich für alles, was sich Kirche nennt, die gesamte Christenheit sitzt auf der Anklage, hoffentlich ist das alles nicht nur die Spitze eines Eisberges.

Traurig! So pinkelt der Tod vor sich hin, in die Rinne, sich selbst preisgebend, vernichtend.


Bildnachweis

Kopfbild: Max Klinger by Nicola Perscheid etwa 1900

Das Gemälde Der pinkelnde Tod aus Wikimedia, gemeinfrei

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