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Roland Opitz
Kennst du Fjodor Dostojewski?

Das Leben Dostojewskis glich einer Achterbahnfahrt: stetig pendelnd zwischen Verehrung und Verachtung, zwischen Erfolg, Spielsucht und Geldnot. Mit 28 Jahren wurde er wegen revolutionärer Gedanken des Hochverrats angeklagt und zum Tode verurteilt, landet dann aber im sibirischen Arbeitslager.
Er gilt als Psychologe unter den Schriftstellern, derjenige der hinab schauen kann in die Abgründe der menschlichen Seele. Diese Biografie ist gespickt mit Auszügen aus seinen Meisterwerken sowie mit einigen seiner Briefe, die einen offenherzigen Menschen zeigen.

Das Hufeisen an der Nikolaikirche

Das Hufeisen an der Nikolaikirche

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Das Hufeisen  Foto: U. u. H. Drechsel
Das Hufeisen Foto: U. u. H. Drechsel

Der aufmerksame Beobachter findet  hinter einem schmiedeeisernen Gitter an der Ostseite der Nikolaikirche ein großes Hufeisen, vis-á-vis vom Gästehaus der Universität Leipzig. Handwerksburschen auf der Walz mussten dieses Zeichen kennen, wenn sie vorgaben, in Leipzig gewesen zu sein. Welche Legende rankt sich um dieses Hufeisen?

Dort, wo Pleiße und Parthe zusammenfließen, lag einst ein hohes Schloss. Ein alter König mit seiner schönen Tochter lebte da. Alles hätte so friedlich sein können, wenn nicht ein gräulicher Lindwurm die Gegend und die Menschen bedroht hätte. Täglich verlangte er zuerst zwei Schafe, später dann Rinder und Pferde. Und als auch die aufgefressen waren, forderte er Menschenopfer. Man loste jeden Tag einen aus, und eines Tages fiel das Los auf  die Königstochter. Man führte sie dem Untier entgegen.

St. Georg, der Drachentöter         Foto: Wikipedia Alex
St. Georg, der Drachentöter Foto: Wikipedia Alex

Da ritt ein schöner Jüngling auf kräftigem Rosse und prächtig gerüstet heran, der Heilige Sankt Georg. Als er von der Not der Menschen hörte, bat er den König, den Kampf wagen zu dürfen. Schon brach der Drache aus dem Sumpf hervor. Er bäumte sich auf, den Heiligen zu vernichten, der sich ihm in den Weg gestellt hatte. Doch Sankt Georg  stieß ihm die Lanze in die Seite. Vor Schmerzen brüllend, wälzte sich das Untier herum, schlug mit dem furchtbaren Schweif um sich. Sankt Georg sprengte um ihn herum und wollte den tödlichen Stoß führen. Da konnte sein Ross nicht weiter, es hatte ein Hufeisen verloren und blutete am Hufe. Der Heilige Sankt Georg sprang ab und schlitzte mit mächtigem Hieb dem Ungeheuer den Bauch auf, so dass dies verendete. Das Volk jubelte, und der König versprach Sankt Georg die Erfüllung jeder Bitte, und sollte es seine Krone sein. Doch Sankt Georg bat um nichts als um ein neues Hufeisen für sein tapferes Pferd.

 

 

Zum ewigen Gedächtnis wurde das alte Eisen auf Geheiß des Königs an eine Linde bei dem Kampfplatze genagelt. Als diese bei der Bebauung der Stadt Leipzig gefällt werden musste, wurde das Hufeisen an der Ostwand der Nikolaikirche befestigt, wo es heute noch zu sehen ist.

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