Leipzig-Lese

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Weihnachten bei Familie Luther

Christoph Werner

Luthers jüngster Sohn erzählt vom Christfest

Paul Luther, der jüngste Spross der Lutherfamilie, gewährt dem Leser Einblick in sein Leben und das seiner Familie.
Er berichtet von seiner Kindheit in Wittenberg und der Krankheit seines Vaters, von seiner Verwicklung, die ihm als Leibarzt widerfuhren, und von den Intrigen am Gothaer Hof. Reichlich illustriert öffnen sie dem Leser die Tür zur Weihnachtsstube der Familie Luther.

Verwahrung eines alten Leipzigers gegen  den Missbrauch seiner Mundart

Verwahrung eines alten Leipzigers gegen den Missbrauch seiner Mundart

Nee, das geht mer driewer niewer,

Was mer uns jetzt bieden dut,

So ä alwernes Gelawre

Bringt mich fermlich noch in Wut.


Werd wohl eener engel‘sch dichten,

Hat er nich derzu ooch‘s Zeig?

Awer unsre scheene Sprache,

Die, denkt jeder, gann er gleich.


Schreibt da eens: „An eene Milchfrau“*,

Habt‘r so was je geheert?!

Nee, das geht mer driewer niewer,

´S hat mich gradezu embeert!


Ihr meent, wenn‘r ee fer ei sagt

Un fer au da sagt‘r oo,

Hält mer eich fer richt‘ge Sachsen.

Nee, ´s is lange noch nich so.


Basst jetzt uff, was ich eich sage,

Schreibt‘s eich hinder eire Ohr‘n,

Oder lasst mich säch‘schen Verschen

Ginft‘g uns liewer ungeschor‘n.


Wisst‘r, wer de nich von kleen uff

Unsre Sprache gennt, der errt

Lern‘n muss der un Biecher wälzen,

Bis er‘sch endlich weise werd.


Nämlich, wo de alden Deitschen

Schon gesagt ham ei un au,

Da nur heest‘s jetzt hier u Lande

er un oo, merkt‘s eich genau.


Awer wo se frieher sagten

Ü und i, da sprechen mir

au und ei nu äben grade,

Scht‘rsch, grade so wie ihr.


Wenn‘r zählt, sprecht eens un zweee,

Dann gommt awer dreie dran,

Und wer „meene“ sagt statt meine,

Na, der zeigt äm, was er gann!


Kleeder macht der Schneidermeester,

Reesen, doch zerreissen sprich,

Steene hamer viel in Sachsen,

Geene „Schweene“ ham mer nich!


Laufen dun mir nich, mir loofen,

Un fer auch da sagt‘ mer ooch,

„Soofen“ awer dut gee Sachse,

Un fer Bauch spricht geener „Booch“.


Seefe braucht mer, Feife roocht mer,

Niemand „schnoobt“ sich – mit Verloob,

Awer leicht verwechseln gannste

Eechenloob und Eegenlob.


So, nu wisst‘rsch! Wenn‘r widder

Säch‘sche Versche machen dut.

Schießt nich widder solche Becke,

´S bringt mich werklich sonst in Wut!


* Fliegende Blätter 1893, Nr. 2498, 1. Beiblatt


Quelle

Leipzig in Geschichten und Bildern. Leipzig 1928. Dr. Johannes Pöschel.

Bildnachweis

Titel: Gruss aus LEIPZIG, KARL TAUCHNITZBRÜCKE U. REICHSGERICHT; Kartennummer: 4436; Signatur: Erw.Spindler - aus Wikimedia, gemeinfrei.

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