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Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

mittelpunkt LE

mittelpunkt LE

Jutta Pillat

Mendelssohns Zeichnung 1836.
Mendelssohns Zeichnung 1836.

 

mir fehlten die ehrwürdigen gaslaternen/

mein herz spürte sehnsucht: zurück nach L./

ich lief mir die hacken wund/um wiederzukommen/

fand meinen mittelpunkt/

meinen roten faden zu den gesprächigen leuten im

fahrstuhl unseres hauses endlich auf dauer/

die nachbarin trug kopftuch/

als hier geborene war ich im ideennest angekommen/

nun kann ich neben dem kostbaren city-tunnel

einschlafen, erwachen/

bin buchmessegefährdet und habe bach und thomaner mit im boot/

wenn ich zeit habe/

flaniere ich in den promenaden als eine der frauen


mendelsohns/

wer kann das schon von sich sagen?/

über schlaglöcher finde ich überallhin/

Dieses Gedicht stammt aus dem Buch  Stimmen für Leipzig, zusammengestellt und herausgegeben von Jutta Pillat, Leipzig 2015.

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