Leipzig-Lese

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Gestaltungsoptionen für einen zukunftsfähigen Arbeits- und Gesundheitsschutz im Pflege- und Dienstleistungssektor

P. Fuchs-Frohnhofen, T. Altmann, S. Schulz, L. M. Wirth, M. Weihrich (Hg.)

Die Pflegebranche ist für die Arbeitsforschung aus mehrern Gründen pragmatisch: Es existieren hohe Belastungen, dabei auch nach wie vor erhebliche körperliche, doch vorallem psychische. Zusätzlich steht die Pfegebranche vor dem Problem, dass immer mehr pflegebedürftige Menschen einer sinkenden Anzahl von Pflegefachkräften gegenübersteht. In der Publikation werden die Ergebnisse einer Zusammenstellung von Verbundprojekten aus dem BMBF mit dem Förderschwerpunkt "Präventive Maßnahmen für die sichere und gesunde Arbeit von morgen" bereitgestellt.

Unser Leseangebot
Bunte

Bunte "Lichtfenster" aus Glas & Papier im Dialog

Annekatrin Brandl

In Chemnitz und am Gellertplatz

Besuch in der Kulturhauptstadt Chemnitz November 2025

Eine Reise in die europäische Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 wollte ich mir nicht entgehen lassen. Ursprünglich war der Besuch der Edvard Munch Ausstellung „Angst“ geplant. Doch an der Kasse musste ich erstaunt feststellen, dass es die letzten Karten nur in einem späteren Zeitfenster am frühen Abend zu erwerben gab. So wurde der Tagesplan kurzerhand geändert und ich entschied mich die Stadt ein wenig zu erkunden. In der Hartmannfabrik traf ich auf engagierte freiwillige Helfer, die sich Zeit nahmen, die Geschichte des ehemaligen „sächsischen Manchester“ kurz und bündig zu erläutern. Es lag nahe, mit dem öffentlichen Verkehr nach außerhalb zu fahren, um das Wohnhaus des großen Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff zu erkunden. Sein Nachname ist in der Bezeichnung des Stadtteiles, wo sein Elternhaus steht, enthalten. Nach dem Erwerb des Hauses durch die Stadt Chemnitz im Jahre 2023 und der anschließenden denkmalgerechten Sanierung wird es von der Kunstsammlung Chemnitz als ein „Hotspot“ des deutschen Expressionismus beschrieben.

Zu sehen war im ersten und zweiten Stock eine kleine und feine Ausstellung, die sich dem Leben und Wirken von Schmidt-Rottluff in Chemnitz widmet. Bisher kannte ich nur die farbenprächtigen Gemälde von ihm, um so mehr überraschte sein breites künstlerisches Spektrum. Der interessierte Gast kann sich im oberen Stockwerk einen Überblick über sein kunsthandwerkliches Können machen, das er innerhalb seines Œuvres als gleichberechtigt ansah. Eine Arbeit fiel mir dabei besonders ins Auge.

„Christuskopf“ - Glasbild von 1964“

Dargestellt ist ein zusammengesetztes farbiges Gesicht vor einem mehrschichtigen Hintergrund (Abbildung 1). Man könnte fast annehmen, dass aus dem Dunkel, die Farbe - das Licht - „erscheint.“ Hintergrund ist die enge Beschäftigung von Schmidt Rottluff in den Jahren 1918 und 1919 mit religiösen Holzschnitten und Porträtköpfen. Von diesem Stück existieren mindestens 2 Fassungen. Ein Exemplar befindet sich im Brücke-Museum Berlin. In den Wirren des Krieges verschwand eine original Bleiverglasung aus dem Jahre 1919. Die Arbeit in der Kunstsammlung Chemnitz geht auf eine Reproduktion von Schmidt-Rottluff aus dem Jahre 1964 zurück.

Zurück in Leipzig

Bleiglasfenster in der Thomaskirche in Leipzig
Bleiglasfenster in der Thomaskirche in Leipzig

Mit den Eindrücken vom Besuch in Chemnitz fing ich in Leipzig wieder an, über das Licht in seinen vielen Bedeutungsebenen nachzudenken. Eine zentrale Frage, die ich mir stellte, war, ob Schmidt-Rottluff die Christusfigur in seiner Arbeit vermenschlichte? Stehen die unterschiedlichen Farbflächen (u.a. blau, rot, gold, ocker, grün) vielleicht für die unterschiedlichen Facetten unseres Selbst? Sind diese in den Menschen schon angelegt? Oder müssen sie erst im Laufe eines dialogischen Lernprozesses erkannt werden? Was fasziniert viele Menschen beim Anblick dieser Fensterbilder?

Und so wanderte ich mit offenen Augen durch Leipzig und entdeckte in der Thomaskirche und in einem Gründerzeithaus am Brühl Bleiglasfenster (Abbildung 2 & 3). In der Recherchearbeit erfuhr ich, dass die Hochzeit der Glasfensterkunst in der Gotik lag. Es wird auch von einer Revolution der Lichtdramaturgie in den sakralen Räumen gesprochen. Hauptsächlich wurden auf den Verglasungen biblische Geschichten abgebildet. Eine Erzählform, um die Menschen, die oftmals weder lesen noch schreiben konnten, mitzunehmen. In der Reformationsphase fand ein Paradigmenwechsel statt.

Bleiglasfenster in einem Gründerzeithaus am Brühl
Bleiglasfenster in einem Gründerzeithaus am Brühl

In den Umwandlungsprozessen der mittelalterlichen in protestantische Kirchen wurden u.a. die farbigen Fenster entfernt. So soll Martin Luther in einer Predigt von 1531 Bilder als „Spielwerk“ bezeichnet haben, das die Menschen von der wahren Lehre Gottes ablenkt.

Im 15. Jahrhundert zogen die Bleiverglasungen (sogenannte Kabinettscheiben) auch in die Bürgerhäuser ein. Motive wie Adels-, Stadt-, Zunft-, Bürger- und Bauernwappen dienten zu dekorativen Zwecken. Im Laufe der Jahrhunderte erfolgte eine Erweiterung der Themenbereiche.

Papierglasfenster in der Mondscheingalerie am Gellertplatz

"Der Erntezyklus" und "Im diffusen Licht" aus dem 24-teiligen Zyklus
"Der Erntezyklus" und "Im diffusen Licht" aus dem 24-teiligen Zyklus

Inspiriert von dem Besuch bei Karl Schmidt-Rottluff und die Geschichte der Bleiglaskunst fertigte ich im November einen Zyklus unter dem Titel: 'der gewachsene Garten aus bunten Papierfenstern im Advent' an. Entstanden ist ein 24- teiliger Zyklus. In der Adventszeit wurde jeden Tag ein Bild an die Wand in der Mondscheingalerie angebracht. Letztmalig am 24.12.2025. Ich nutzte farbiges Transparentpapier als Ersatz für das Bleiglas und die Technik der Collage. Statt biblischer Erzählperspektiven interessierte ich mich u.a. für die Darstellung abstrakter Begriffe und elementarer Formen (Abbildung 5). Die Titel der abgebildeten Arbeiten lauten: „der Erntezyklus“ und „im diffusen Licht.“ Täglich erscheinen im Zeitfenster von 18 bis 22 Uhr die Bilder im „Mondlicht.“

Jetzt, wo ich am Ende dieses Textes angekommen bin, sind mehr Fragen als Antworten geblieben. Ich habe keine endgültigen Antworten auf die hier im Text gestellten Fragen gefunden, aber einen abschließenden Gedanken möchte ich noch formulieren. Vielleicht können Farben, Formen und Flächen erst in der Transparenz ihre Wirkkraft entfalten, in einem durchlässigen Dialog u.a. zwischen Farbflächen- & formen, sowie natürlichen und auch künstlichen Innen- bzw. Außenlicht. Entstehen kann ein gültiges Farbspiel, dass uns Menschen in vielerlei Hinsicht „bewegt.“ Sie haben noch bis zum 14. März 2026 die Möglichkeit, in der Diakonissenstraße 2 am abendlichen „Lichtschauspiel“ teilzunehmen.

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