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Die Päpste als Friedensvermittler

Der Kirchenhstoriker Stefan Samerski stellt die Friedenspolitik und -Arbeit des Heiligen Stuhls in der modernen Zeit heraus.

Auguste Schmidt- Begründerin der organisierten deutschen Frauenbewegung

Auguste Schmidt- Begründerin der organisierten deutschen Frauenbewegung

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Ihr Motto lautete:

"Wir verlangen nur, daß die Arena der Arbeit auch für uns und unsere Schwestern geöffnet werde." Das ist ein Kernsatz aus ihrem Vortrag Leben ist Streben, den sie am 7. März 1865 hielt.

Biografie

Auguste Schmidt
Auguste Schmidt

Die 1833 in Breslau geborene Friederike Wilhelmine Auguste Schmidt kam als Lehrerin für Literatur und Geschichte 1861 nach Leipzig und blieb bis zu ihrem Tode hier. Sie stammte aus einem Elternhaus, das von Ordnung, Strenge und Pflichterfüllung geprägt war, aber schon in der Familie wurden gern Geselligkeiten gepflegt. Der Vater war in der preußischen Armee Hauptmann, die Mutter Tochter eines Regimentsarztes. Wie den Söhnen ermöglichten die Eltern auch den Töchtern eine sehr gute Bildung, um sie von Versorgungsehen unabhängig zu machen. Auguste und Anna entschieden sich für den Lehrerinnenberuf und ließen sich als Lehrerinnen ausbilden, Clara als Konzertsängerin. Nach der höheren Mädchenschule absolvierte Auguste (später auch Anna) eine Ausbildung im Posener Lehrerinnenseminar. Neben ihrer Arbeit als Lehrerin legte sie 1857 ihr Examen als Schulvorsteherin ab und leitete danach eine höhere Mädchenschule in Breslau. Nach zehn Jahren intensiver Arbeit war sie erschöpft, brach zusammen und ging danach auf Reisen, um neue Kraft zu schöpfen. Im April 1861 übersiedelte Auguste Schmidt nach Leipzig. Hier gab sie Lektionen an der Teichmannschen Schule, an der I. Bürgerschule und ab 1862 am Institut der Ottilie von Steyber (1804-1870). Das Steybersche Institut war renommiert und geschätzt. Nach dem Tod des Vaters zogen auch die Mutter und die beiden Schwestern 1863 nach Leipzig. Diese heirateten, kehrten aber nach dem frühen Tod ihrer Männer wieder in den Leipziger Familienhaushalt zurück. (zunächst Clara, verw. Claus, mit ihrer kleinen Tochter Margarethe, 1870 dann Anna, verwitwet Schmidt). Beide Schwestern gaben ebenfalls Unterricht am Steyberschen Institut.

Auguste Schmidt und Louise Otto-Peters.
Auguste Schmidt und Louise Otto-Peters.
Auguste Schmidt wurde die engste Vertraute und Mitstreiterin von Louise Otto-Peters (1819-1895). Clara Schmidt erinnerte sich an die erste Begegnung Mitte Februar 1865 in Otto-Peters' Wohnung: "Überraschend schnell entwickelte sich zwischen der großen Frau und allen Gliedern unserer Familie die innigste Freundschaft, ja Vertraulichkeit. Durch fast 3 Jahrzehnte hindurch hat dann Louise Otto jeden Freitag in unserm Hause verbracht...“ Umgekehrt nahm Familie Schmidt an den Donnerstag-Gesellschaften bei Louise Otto-Peters teil. Am 24. Februar 1865 gehörte Auguste Schmidt zur Runde, die sich in der Wohnung von Professor Emil Adolph Roßmäßler (1806-1867) und seiner Frau Emilie traf, um über die Frauenfrage zu diskutieren: Louise Otto-Peters, Henriette Goldschmidt, Ottilie von Steyber, Marie Zopff, Henriette Hirschel, Emma Marwedel, Hauptmann a. D. und Frauenrechtler Philipp Anton Korn (1816-1886) waren in dieser Runde anwesend. Sie beschlossen die Gründung eines Frauenbildungsvereins. Um auf das Anliegen aufmerksam zu machen, hielt Auguste Schmidt am 7. März in der Buchhändlerbörse ihren ersten öffentlichen Vortrag unter dem Motto "Leben ist Streben". Am Folgetag wurde im Steyberschen Institut der Frauenbildungsverein FBV gegründet, Louise Otto-Peters und Ottilie von Steyber wurden als Vorsteherinnen gewählt. In den Vorstand wurde auch Auguste Schmidt gewählt.

Der Frauenbildungsverein FBV war der erste Frauenverein, der erklärtermaßen nicht der Wohltätigkeit diente, sondern den Frauen Hilfe zur Selbsthilfe vermittelten wollte. Ab September 1865 bot die Sonntagsschule des Vereins für konfirmierte Mädchen vor allem Dienstmädchen die Möglichkeit zur Weiterbildung. Den Unterricht erteilten Vereinsfrauen, darunter die Lehrerinnen Auguste Schmidt und ihre Schwestern. Weitere frauenberufsfördernde Maßnahmen des FBV waren in den nächsten Jahren die Gründung eines Büros für Abschreiberinnen, Gründung einer Bibliothek und 1876 wurde eine Speiseanstalt mit Kochschule ins Leben gerufen. 1882 gab es Sonntagsunterhaltung und Bildung für aus den Volksschulen entlassene Mädchen. 1900 wurde die Einrichtung der Abteilung Hauspflege geschaffen. All das musste inhaltlich, organisatorisch und finanziell bewältigt werden.

Aus dem Reichsanzeiger.
Aus dem Reichsanzeiger.

Der Februar 1865 markiert den Beginn der ehrenamtlichen, das heißt unentgeltlichen Tätigkeit Auguste Schmidts in zum Großteil von ihr selbst mitbegründeten Vereinen, welche sie jahrzehntelang neben ihrer beruflichen Arbeit als Lehrerin und Schulvorsteherin leistete.

In der Gründungsversammlung des ADF im Okt. 1865 sprach auch Auguste Schmidt zum Publikum. Sie wurde zur Stellvertreterin der 1. Vorsitzenden gewählt. Die Zweiwochen-Zeitschrift "Neue Bahnen" des ADF wurde redaktionell auch von Auguste Schmidt betreut. .

Auguste Schmidt hielt in Leipzig und vielen anderen Städten zahlreiche Vorträge zur Frauenfrage. Als anerkannter Rednerin wurden ihr auch oft die Eröffnungsreferate der Generalversammlungen des ADF übertragen. Die Leiterin der Mädchengymnasialkurse des ADF Dr. Käthe Windscheid schrieb über sie, dass ihre in brillanter freier Rede vorgetragenen Gedanken Vorurteile beseitigten und viele von den Zielen der Frauenbewegung überzeugten. Auguste Schmidt setzte sich vor allem für die Verbesserung der Mädchenbildung und Lehrerinnenausbildung ein. 1888 wurde sie Ehrenmitglied des von Rosalie Büttner, Käthe Windscheid, Josephine Friederici, Hedwig Dan und weiteren Frauen gegründeten Leipziger Lehrerinnenvereins.

Führerinnen der Frauenbewegung in Deutschland 1894.
Führerinnen der Frauenbewegung in Deutschland 1894.

1890 gehörte sie gemeinsam mit Helene Lange und Marie Loeper-Housselle zu den Gründerinnen des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins und wurde zur Ehrenvorsitzenden ernannt. Nach Gründung des Bundes deutscher Frauenvereine BDF 1894 arbeitete sie bis 1899 als dessen erste Vorsitzende. Die Kraft für ihre vielfältiges Engagement fand Auguste Schmidt, trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen, in dem festen Netzwerk der Frauen, mit denen sie zum Teil über Jahrzehnte zusammenarbeitete - Louise Otto-Peters, Henriette Goldschmidt, Helene Lange, Rosalie Büttner, dazu Vertreterinnen der sg."Töchtergeneration" wie Käthe Windscheid und Hedwig Dan. Sie erhielt große Unterstützung durch ihre Schwestern Clara Claus und Anna Schmidt.

Nach dem Tod Ottilie von Steybers 1870 übernahm Auguste Schmidt das Steybersche Institut als Schulvorsteherin. Zu ihren Schülerinnen gehörte von 1874 bis 1878 Clara Eißner (später Zetkin), die hier eine Freistelle bekam, um sich zur Sprachlehrerin ausbilden zu lassen. Ihre Mutter Josephine Eißner war ADF-Mitglied und hatte den Umzug der Familie von Wiederau bei Rochlitz nach Leipzig durchgesetzt, um ihrer begabten Tochter den Besuch dieser Schule zu ermöglichen.

Grabmal von Auguste Schmidt, Zustand 1969.
Grabmal von Auguste Schmidt, Zustand 1969.

1892 gab Auguste Schmidt aus gesundheitlichen Gründen ihr Amt als Schulvorsteherin auf und verbrachte mit ihren Schwestern ein Jahr in Italien. In der folgenden Zeit widmeten sich die Schmidt-Schwestern ganz der gemeinnützigen Arbeit. Mit der Eröffnung der Gymnasialkurse für Mädchen 1894 hatten die Begründerinnen des ADF das Tabu gebrochen und ein wichtiges Etappenziel erreicht - das Ablegen des Abiturs für Mädchen als Vorstufe des Universitätszugangs für Frauen, der in Sachsen dann 1906 freigegeben wurde.
1900 zog sich Auguste Schmidt aus der Öffentlichkeit zurück. Sie starb am 10. Juni 1902. Ihr Grab befand sich neben dem von Louise Otto-Peters auf dem Neuen Johannisfriedhof. Adolf Lehnert, der Bildhauer des 1900 eingeweihten Louise-Otto-Peters-Denkmals, war auch mit der Gestaltung des Grabsteins für Auguste Schmidt beauftragt worden, der 1903 enthüllt wurde. Heute stehen die Grabsteine der beiden Begründerinnen der organisierten deutschen Frauenbewegung im Lapidarium des Alten Johannisfriedhofs. Das unter Führung von Rosalie Büttner mit Hilfe von Spenden geschaffene Auguste-Schmidt-Haus in der Dresdner Straße 7 mit Saal, Reformgastwirtschaft und Unterkunft für ältere Lehrerinnen sowie für durchreisende Frauen bestand von 1910 bis 1934. Es wurde 1936 zwangsversteigert und 1943 durch Bomben zerstört.


Hitler-Zitate: „Die Welt der Frau [sei] die Familie, ihr Mann, ihre Kinder, ihr Heim“ (Adolf Hitler, München 1936)

Die unvermeidliche Folge des weiblichen Massenstudiums und des Eindringens der Frau in alle männlichen Berufe sind Blaustrumpfkultur und Frauenherrschaft. ...

Welche Tragik wäre es, wenn das deutsche Volk, das männlichste Volk der Welt, das Volk der Dichter und Denker, der Pioniere des kulturellen und technischen Fortschritts mit seiner mehr als tausendjährigen Kultur dem Feminismus anheim fiele und durch diese Volksentartung zugrunde ginge!...

Adressen Auguste Schmidt in Leipzig:

  • 1863/1864: An der alten Burg 14, 3. Etage
  • 1865-1867: Nürnberger Straße 1, 3. Etage
  • 1868/1869 und 1870/1871: kein Eintrag
  • 1872/1873: Königsstraße 22, 1.-3. Etage (Inhaberin der von Steyberschen Pensions- und Unterrichtsanstalt)
  • ab 1874: Nordstraße 12 (nach der Umnummerierung von 1885 als Nummer 23)
  • 1877: Keilstraße 14, Nebengebäude
  • 1883: Nordstraße 12, 1.-4. Etage (Inhaberin der von Steyberschen Pensions- und Unterrichtsanstalt)
  • ab Sommer 1893: Grassistraße 33, 1. Etage

Bildnachweis

Grabmal Auguste Schmidt, Zustand 1968: Alfred E. Otto Paul.

Alle anderen Abb. stammen aus Wikimedia, sie sind gemeinfrei.

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