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Winckelmann im Kreise der Gelehrten

Klaus-Werner Haupt

Das Gemälde "Winckelmann im Kreise der Gelehrten in der Nöthnitzer Bibliothek" von Theobald Reinhold Anton Freiherr von Oer steht im Mittelpunkt dieser Abhandlung über Winckelmann. Es dient dem Autor als Vorlage für eine kurze szenische Darstellung, in der die Geisteshaltungen und die Kontroversen der zwölf Gelehrten sichtbar werden.
Insgesamt besteht das Heft aus drei Teilen. Einem Kurzabiss zum Maler von Ohr, dessen Bild im Mittelpunkt steht, dann der szenischen Abhandlung, die das Bild zum Leben erweckt. Anschließend wird in einem wissenschaftlichen Abriss Winckelmann als Wegbereiter der Weimarer Klassik abgehandelt.

Christian Fürchtegott Gellert und der König Friedrich II.

Christian Fürchtegott Gellert und der König Friedrich II.

Friedrich II. empfängt Gellert - Maler und Quelle: Volker Pohlenz
Friedrich II. empfängt Gellert - Maler und Quelle: Volker Pohlenz

Der preußische König Friedrich II. (Abkürzung: D. K.) verlangte, den Dichter Gellert  zu sehen, man habe von ihm gehört. Die Begegnung der beiden fand am 11. Dezember 1760 im „Könighaus" am Leipziger Markt statt. Überliefert ist uns der Dialog der beiden durch ein „Gedankenprotokoll", das Gellert als gewissenhafter Briefschreiber einer Freundin übermittelte. Wir lesen:

                                                           D. K.

Wie alt ist er?

                                                           Ich

Fünf und Vierzig Jahre.

                                                           D.K.

Das ist kein Alter. Er muss noch schreiben, für die Welt leben.

                                                           Ich

Ich habe es gethan, und ich habe schon zu viel geschrieben. Es ist eine große Geschicklichkeit, zur  rechten Zeit aufzuhören, und endlich liegt mir an der Unsterblichkeit wenig, wenn ich nur genützet habe.

Der König will ein Zeugnis der Kunst Gellerts hören. Gellert trägt vor.

 

          Ein kluger Maler in Athen
          Der minder, weil man ihn bezahlte,
          Als, weil er Ehre suchte, malte,
          Ließ einen Kenner einst den Mars im Bilde
                                                                 sehn,
          Und bat sich seine Meynung aus.
          Der Kenner sagte ihm frey heraus,
          Daß ihm das Bild nicht ganz gefallen wollte,
          und daß es, um recht schön zu seyn,
          Weit minder Kraft verrathen sollte.
          Der Maler wandte vieles ein:
         nbsp; Der Kenner stritt mit ihm aus Gründen,
          Und konnt ihn doch nicht überwinden.

          Gleich trat ein junger Geck herein,
          Und nahm das Bild in Augenschein.
          O! rief er bei dem ersten Blicke,
          Ihr Götter, welch ein Meisterstücke!
          Ach welcher Fuß! O, wie geschickt
          Sind nicht die Nägel ausgedrückt!
          Mars lebt durchaus in diesem Bilde.
          Wie viele Kunst, wie viele Pracht,
          Ist in dem Helm, und in dem Schilde,
          Und in der Rüstung angebracht!

          Der Maler ward beschämt gerühret,
          Und sah den Kenner kläglich an.
          Nun, sprach er, bin ich überführet!
          Ihr habt mir nicht zu viel gethan.
          Der junge Geck war kaum hinaus:
          So strich er seinen Kriegsgott aus.
          Wenn deine Schrift dem Kenner nicht gefällt:
     &nnbsp;    So ist es schon ein böses Zeichen;
          Doch wenn sie gar des Narren Lob erhält:
          So ist es Zeit, sie auszustreichen.

D. K.

Das ist gut! Ich muß ihn loben. Das habe ich nicht gedacht; nein, das ist sehr schön, natürlich, gut und kurz. Wo hat er so schreiben lernen? Es klingt fein; sonst hasse ich die deutsche Sprache.

                                                           Ich

Das ist ein Unglück für uns, wenn sie die deutschen Schriften hassen.

                                                           D. K.

Nein, ich lobe ihn.

                                                           Ich

Das Lob eines Kenners und Königs ist eine große Belohnung.

 

Die Texte sind ausgewählt und zusammen gestellt von Ursula Brekle.
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