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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Das verliebte Gespenst zu Leipzig

Das verliebte Gespenst zu Leipzig

Einst hatte ein Student auf dem Neumarkt sich eine Stube gemietet, in welcher ihm mehrere Wochen nichts Wunderbares aufstieß. Als er aber eines Tages nach elf Uhr zu Bett ging und der Mond so hell schien, daß er nach ausgelöschtem Lichte alles in seiner Schlafkammer unterscheiden konnte, sah er auf einmal eine alte Frau durch die Türe an sein Bett treten und während ihm vor Schreck der Angstschweiß vom ganzen Körper herablief, sich bemühen ihn aus dem Bett zu ziehen. Weil er sich aber fest dawider stemmte, mit allen Kräften sein Bett hielt und zurückzog, so stießen sie mit den Nasen zusammen, der Geist ließ den schon in die Höhe gehobenen Studenten wieder niederfallen und verschwand unter lautem Seufzen.

Weiße Dame
Weiße Dame


Als nun besagter Student am andern Abend später als sonst nach Hause kam, und vor einem sonst zugeschlossenen Keller vorbeimußte, sah er denselben ganz geöffnet und ein helles Kohlenfeuer in demselben leuchten, er dachte sich jedoch dabei nichts, sondern begab sich in seine Stube, wo es denn auch nicht lange währte, bis der Geist wiederkam und dieselben verliebten Angriffe auf den Studenten machte, aber ebenso scharf zurückgedrängt ward. Da derselbe also nicht ankam, machte er ein Zeichen, daß ihm der Student folgen sollte, was dieser aber wohlweislich nicht tat. Am dritten Abend bat er einige Freunde zu sich und nahm ein Kartenspiel vor, um die Zeit hinzubringen, weil er glaubte, die alte Person werde nicht wiederkommen, allein richtig zur bestimmten Stunde kam die Frau, während seine Freunde in tiefen Schlaf gefallen waren, wieder, und machte dieselben Angriffe auf seine Unschuld, verschwand aber als er bei ihm wieder nicht ankam. In Folge davon gab der Student seine Wohnung auf.

Quelle

Sagen aus Sachsen

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