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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Café Kandler

Café Kandler

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Café Kandler   Foto: W. Brekle
Café Kandler Foto: W. Brekle

Im 18. Jahrhundert wurde in Leipzig der Singvogel als Delikatesse verzehrt. Für Giacomo Casanova war diese Spezialität  es wert, in seinen Lebensbericht aufgenommen zu werden:

„Da die Leipziger September-Messe (1766) sehr schön war, so fuhr ich dorthin, um zu meiner Kräftigung (sic!) recht viele Lerchen zu essen, die mit Recht sehr berühmt sind."

Der weit gereiste Charmeur hatte sich am Königshof in Dresden aufgehalten und einen Abstecher nach Leipzig gemacht, wo er - wir erwarten nichts anderes - zwei amouröse Abenteuer hatte. Ende des 19. Jahrhunderts verbot Sachsen die Jagd auf Lerchen.
Ein  Konditor, ein heller Sachse, ersetzte den gebratenen Vogel durch ein kleines Mürbeteiggebäck, das mit Mandeln, Nüssen und Konfitüre gefüllt  wird. In einem langen Gedicht von 1735 werden die Leipziger Lerchen  mit den Leipziger Jungfern verglichen:

...
In Leipzig sind zwei Trefflichkeiten,
Worüber alle Fremden schrein,
Das sollen ohne Widerstreiten
Die Jungfern und die Lerchen sein...
Das Lerchenfleisch ist zart und süße,
Und sein Geschmack durchaus beliebt,
Weit zarter aber sind die Küsse,
Die uns ein schöner Engel gibt.
Je mehr an beider Labsal schmecket,
Je mehr es Appetit erwecket.
 

Der Autor hieß Christian Friedrich Henrici, der das Pseudonym Picander führte. 1727 stellte er für  Johann Sebastian Bach  die Texte für die Matthäus-Passion zusammen.

Quelle: Marx, Werner: Leipzig. Ein Reisebegleiter. Leipzig 2007

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