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Kafka-Cover

 Kennst du Franz Kafka?

Franz Kafka ist zählt zu den großen Repräsentanten der deutschsprachigen Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts. Seine Werke schockieren, provozieren und faszinieren. Trotz verständlichen Vokabulars und klarer Satzstruktur bleibt der Sinn der Texte gerade unerfahrenen Kafka-Lesern oft verborgen. Er gilt als psychologisch bahnbrechender Autor, dessen Prosa Fragen zur Situation des Menschen in der Moderne stellt, ohne Antworten zu geben.
Karlheinz Fingerhut ermöglicht in diesem Buch einen leichteren Zugang zum Menschen Kafka und zu seinen Texten.

Zu bestellen:  http://bertuch-verlag.de/67-0-Kennst-du-Franz-Kafka.htmlh

Franz Kafka

Franz Kafka

Prof. Dr. habil. Wolfgang Brekle

Franz Kafka trifft Ernst Rowohlt in Leipzig

 

Kafka in Leipzig? Das ist kaum bekannt. Doch liest man seine Reisetagebücher genauer, wird Leipzig zweimal erwähnt: einmal  bei einer Reise  zusammen mit Max Brod nach Weimar mit einem Aufenthalt in Leipzig vom 29 zum 30. Juni 1912 und einmal bei einer Fahrt von Dresden-Hellerau nach Leipzig am 30.6. , als er versuchte  Kurt Wolff zu treffen, der inzwischen den Rowohlt-Verlag übernommen hatte. War diese 2. Reise nach Leipzig erfolglos, da Kurt Wolff nach Berlin gefahren war, hatte der erste Leipziger Aufenthalt 1912  bleibende Wirkung, denn das Zusammentreffen mit Ernst Rowohlt hatte zur Folge, dass Kafkas erste literarische Arbeiten hier in Leipzig verlegt wurden: 1913 „Der Heizer" (später in den Roman „Amerika" aufgenommen) erscheint in der von Kurt Wolff herausgegebenen Reihe „Der jüngste Tag" als Heft 3, und Kafkas berühmte Erzählung „Die Verwandlung" kommt 1915 ebenfalls in dieser Reihe   als Erstdruck im Heft 22/23 heraus.

 

Kafkas "Verwandlung"
Kafkas "Verwandlung"

 Bei diesem Aufenthalt in Leipzig vom 29.-30. Juni ist  Kafka mit dem jungen Verleger Rowohlt mindestens dreimal zusammengetroffen: einmal in Wilhelms Weinstube in der Hainstraße 23 (im 2. Weltkrieg  zerstört), dann im Café  Francais (Café Felsche) am Augustusplatz (ebenfalls im 2. Weltkrieg zerstört) und in Rowohlts Verlagsbüro. Franz Kafka notiert  über sein Zusammentreffen mit Rowohlt  in seinem Reisetagebuch:
29.6.1912 „Wilhelms Weinstube dämmeriges Lokal in einem Hof. Rowohlt. Jung rotwangig, stillstehender Schweiß zwischen Nase und Wange, erst von den Hüften an beweglich."
Am Nachmittag gehen sie, vermutlich mit Max Brod, Kurt Pinthus, Walter Hasenclever und Ernst Rowohlt ins Cafe´ Francais. Einzige Bemerkung darüber: „Rowohlt will ziemlich ernsthaft ein Buch von mir."

Das Zusammentreffen mit ihm hatte auch Folgen: 6 Wochen später  am 14.8.1912 schreibt F.K. an Rowohlt:
 „Sehr geehrter Herr Rowohlt! 
Hier lege ich die kleine Prosa vor, die Sie zu sehen wünschten; sie ergibt wohl schon ein          kleines Buch.    ...Jetzt wäre ich ...glücklich, wenn Ihnen die Sachen  auch nur in   soweit gefielen, dass Sie sie druckten... 
 Ihr ergebener Franz Kafka"

„Die kleine Prosa" wird wohl der Text gewesen sein, der nach Werfels und Hasenclevers Texten als Heft 3 der Reihe  „Der jüngste Tag" erschienen ist.

Leipzig war damals der „Pilgerort für die jungen deutschsprachigen Schriftsteller". beurteilte. Diese  hatten Kontakt miteinander und  trafen sich in  den Leipziger Lokalen: Franz Werfel, Kurt Pinthus, Walter Hasenclever, Ernst Rohwolt, Kurt Wolff;  gelegentlich stießen auch Max Brod, Else Lasker-Schüler und, wie wir hörten, auch Franz Kafka dazu.

Kurt-Wolff-Verlag, Foto: W. Brekle
Kurt-Wolff-Verlag, Foto: W. Brekle

Rowohlt hatte 1908 in Leipzig einen Verlag gegründet - ohne Mitarbeiter, ohne Büro, ohne Verlagsadresse und Geld und sein erstes Buch herausgebracht. Dieser Leipziger Verlag wurde 1912 von seinem Mitarbeiter Kurt Wolff übernommen. Sein Sitz war in der Inselstraße (Ecke Kreuzstraße), woran jetzt eine Tafel erinnert, wie Werner Marx in seinem literarischen Führer durch das Buchhändlerviertel vermerkt.

Franz Kafka  berichtet in seinem Reistagebuch auch von anderen Begebenheiten und von seiner seelischen Verfassung in Leipzig: „Abend in Leipzig. ...mein Verlorensein ...stelle schönen Erker am Fürstenhaus fest. Nicht zu beseitigende Unzufriedenheit mit Leipzig. Unentschiedenheit in dem Bordellgäßchen...Lockendes Cafe Oriental.´Taubenschlag´...Viele stark verbundene Studenten. Viel Monokel. Kurzer Besuch in einem B" (gemeint Bordell). Und über den nächsten Tag (am 30.6.1912.) „Vorschlag des Hasencl. den Nachmittagskaffee in einem B. zu trinken. Nicht eingelassen, weil die Damen bis 4 Uhr schlafen ... deshalb ins Cafe Francais, wo es zum Gespräch mit Rowohlt kommt."                                          &nnbsp;                                             Am Abend erfolgt  noch die Fahrt mit seinem Freund Max Brod zu einem mehrtägigen Aufenthalt in Weimar.

Quellen:

Karl-Heinz Fingerhut: Kennst du Franz Kafka? Bertuch-Verlag. Weimar 2006  (www.bertuch-verlag.com/)
Werner Marx: Leipzig. Ein Reisebegleiter.  Insel Verlag. Frankfurt am Main und Leipzig 2007
Klaus Schuhmann: Walter Hasenclever, Kurt Pinthus und Franz Werfel im Leipziger Kurt-Wolff- Verlag (1913-1919). Leipziger Universitätsverlag. Leipzig 2000
Hans Mayer: Zur Literatur der Zeit. Ernst Rowohlt gewidmet.  Rowohlt-Verlag, Reinbek bei Hamburg 1962