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Winckelmann im Kreise der Gelehrten

Klaus-Werner Haupt

Das Gemälde "Winckelmann im Kreise der Gelehrten in der Nöthnitzer Bibliothek" von Theobald Reinhold Anton Freiherr von Oer steht im Mittelpunkt dieser Abhandlung über Winckelmann. Es dient dem Autor als Vorlage für eine kurze szenische Darstellung, in der die Geisteshaltungen und die Kontroversen der zwölf Gelehrten sichtbar werden.
Insgesamt besteht das Heft aus drei Teilen. Einem Kurzabiss zum Maler von Ohr, dessen Bild im Mittelpunkt steht, dann der szenischen Abhandlung, die das Bild zum Leben erweckt. Anschließend wird in einem wissenschaftlichen Abriss Winckelmann als Wegbereiter der Weimarer Klassik abgehandelt.

Nicolai auf Werthers Grabe

Nicolai auf Werthers Grabe

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Werther, Originalzeichnung von Daniel Chodowiecki (1726-1801)
Werther, Originalzeichnung von Daniel Chodowiecki (1726-1801)

Der Publizist, Kritiker und Verfasser satirischer Werke, Friedrich Nicolai, gehört zu den bedeutendsten Repräsentanten der Berliner Aufklärung. Mit Goethe und Schiller trug er Konflikte aus, weil er nicht in der Lage war, auf die politischen und ideengeschichtlichen Veränderungen seiner Zeit flexibel zu reagieren. Nicolai neigte zur brüsken Ablehnung neuer literarischer Perspektiven und Denkarten. So schrieb er eine Parodie auf „Die Leiden des jungen Werthers", den Bestseller von Johann Wolfgang von Goethe.

Dieser Briefroman soll nach seinem Erscheinen 1774 zahlreiche unglücklich verliebte Jünglinge zum eigenen Selbstmord angeregt haben. Er war unter Goethes Werken das erste und beliebteste Objekt der Parodisten. Nicolai betitelte seine Parodie „Die Freuden des jungen Werthers" und machte das Original verächtlich. Auf dem Höhepunkt war die Pistole Werthers mit Hühnerblut geladen und deshalb war der Schuss nicht tödlich. Dann reichen sich Werther und Lotte die Hände zum Lebensbund. Goethe rächte sich, nicht minder brüsk, mit einem Spottgedicht mit der Überschrift

„Nicolai auf Werthers Grabe":

Ein junger Mensch - ich weiß nicht wie -

Verstarb an Hypochondrie,

Und ward dann auch begraben.

Da kam ein schöner Geist vorbei,

Der hatte seinen Stuhlgang frei,

Wie ihn so Leute haben.

Der setzt sich nieder auf das Grab

Und legt sein reinlich Häu?ein ab,

Schaut mit Behagen seinen Dreck,

Geht wohleratmend wieder weg,

Und spricht zu sich bedächtiglich:

„Der gute Mensch, er dauert mich,

Wie hat er sich verdorben!

Hätt' er geschissen so wie ich,

Er wäre nicht gestorben!"

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