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Weihnachten

Ein Fest der Familie und des Friedens

Florian Russi, Herbert Kihm (Hg.)

Alle Jahre wieder feiern wir das Weihnachtsfest im Kreise unserer Familie und lassen althergebrachte Traditionen in familiärer Atmosphäre aufleben. Doch wo hat das Fest seinen Ursprung, warum feiern wir Weihnachten und woher stammt der Christbaum?

Das liebevoll gestaltete Heftchen gibt Auskunft hierüber und enthält zudem eine kleine Sammlung der bekanntesten Weihnachtslieder. Des Weiteren Rezepte laden zum Kochen und Backen ein.

Gustav Mahler in Leipzig

Gustav Mahler in Leipzig

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Grab Mahlers auf dem Grinzinger Friedhof Foto: Michael Kranewitter Wien
Grab Mahlers auf dem Grinzinger Friedhof Foto: Michael Kranewitter Wien

Der weltbekannte Komponist und Dirigent, Wegbereiter der Musik des 20. Jahrhunderts, starb am 18. Mai 1911 an den Folgen einer bakteriellen Herzerkrankung in Wien und wurde auf dem Grinzinger Friedhof in einem Ehrengrab beigesetzt. Wir erleben Jubiläumsjahre in Folge: 2010 war sein 150. Geburttag, 2011 ist sein 100. Todestag.
Arthur Nikisch, der legendäre Gewandhauskapellmeister, war es, der nach dem Tod Mahlers an die Gewandhausdirektion schrieb: „ Sollten wir nicht in einem unserer ersten Concerte auf Mahlers Tod Bezug nehmen?" Am 2. November 1911 dirigierte er dann die 2. Sinfonie von Gustav Mahler und begründete die lebendige Mahler-Tradition des Gewandhausorchesters. Bruno Walther, Gewandhauskapellmeister von 1929 bis 1933, pflegte bewusst das Andenken an den Freund im Spielplan des Gewandhauses zu Leipzig. Er fühlte sich Mahler tief verbunden. So dirigierte er nach Mahlers Tod bereits die Uraufführungen zweier wichtiger Spätwerke: Das Lied von der Erde 1911 in München und die 9. Sinfonie 1912 in Wien. 1933 vertrieben die Nationalsozialisten Bruno Walther, der einer deutsch-jüdischen Familie entstammte. Er emigrierte. Die Musik Mahlers wurde aus gleichen Gründen von den Nationalsozialisten geächtet.
Riccardo Chailly, heute Gewandhauskapellmeister, begann das Internationale Mahler- Festival in Leipzig ganz symbolträchtig am 17. Mai 2011 mit der Aufführung der „Auferstehungssinfonie", wie die 2. Sinfonie von Gustav Mahler genannt wird. Bis zum 28. Mai 2011 waren 10 berühmte Mahler-Orchester und Mahler-Dirigenten im Gewandhaus zu Gast, so das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, das London Symphony Orchestra, die New York Philharmonic, die Wiener Philharmoniker und aus Deutschland weitere bedeutende Orchester. Mit einigen dieser Orchester hatte Mahler selbst gearbeitet. Zum Beispiel war er Kapellmeister und Hofoperndirektor der Wiener Philharmoniker von 1897 bis 1907 und ab 1909 Chefdirigent der New York Philharmonic.
Das Mahler-Festival als erstes musikalisches Großereignis in Leipzig war ein voller Erfolg. Auf den Facebook-Seiten des Gewandhauses ist zu lesen:
"Das war unglaublich beeindruckend!...Wahnsinn!...Genial!...Grandios...Weltklasse!" Darin stimmt die Autorin des Artikels, die mehrere Konzerte des Mahler-Festivals besuchte, mit den Mahler-Gemeinde überein.

Gustav Mahler 1892 Foto: Wikimedia gemeinfrei
Gustav Mahler 1892 Foto: Wikimedia gemeinfrei
Weshalb aber richtete das Gewandhaus zu Leipzig dieses einmalige Festival, das alle 10 Sinfonien zur Aufführung brachte, aus?
Am 07. Juli 1860 in Kalischt (Böhmen) geboren, fiel Gustav Mahlers musikalische Hochbegabung schon im Kindesalter auf. Er nahm 1875 das Musikstudium am Wiener Konservatorium auf, das er mit glänzendem Abschlusszeugnis verließ, dazu besuchte er an der Wiener Universität Vorlesungen für Musikgeschichte, Geschichte und Philosophie. Ab 1880 entschied er sich, als Kapellmeister in verschiedenen deutschen Städten Engagements anzunehmen. Aus Prag kommend nahm er Anfang 1885 ein Angebot des Leipziger Stadttheaters an, als 2. Kapellmeister unter Arthur Nikisch anzutreten. In Leipzig, eine prosperierende Großstadt, die für ihre musikalischen Traditionen in ganz Europa bekannt war, gab es das Konservatorium als führende Ausbildungsstätte. Unter der Direktion von Max Staegemann kamen hervorragende Aufführungen zustande, die von dem hoch geachteten und charismatischen Arthur Nikisch dirigiert wurden: von Richard Wagner der komplette „Ring", der „Tannhäuser", die „Walküre" und die 7. Sinfonie von Anton Bruckner. Brahms, Bruckner, Richard Strauß und Peter Tschaikowsky kamen nach Leipzig und ließen sich von den bemerkenswerten Interpretationen beeindrucken. Leipzig, die bürgerliche Musikstadt, war ein Zentrum der Musikkultur in Europa.
Leipzig, Gottschedstraße 25 Foto: Archiv U.u.H. Drechsel
Leipzig, Gottschedstraße 25 Foto: Archiv U.u.H. Drechsel
Im Juli 1886 bezog Gustav Mahler eine Wohnung in Leipzig in der Gottschedstraße 4 (heute 25). Er konnte sich, fünf Jahre jünger als Nikisch, aber mit seiner Situation in Leipzig schwer abfinden, denn er durfte zunächst nur die Frühwerke Wagners vorstellen und den „Freischütz". Die großen Spätwerke Wagners, die Mahler in Prag sehr erfolgreich aufgeführt hatte, blieben Nikisch vorbehalten. Mahler schrieb an einen Freund: „...ich kann mich nach der absolut dominierenden Stellung...in Prag, nicht mehr drein finden, als blasser Mond hier das Gestirn Nikisch zu umkreisen." Und an einen anderen Freund: „ Du willst wissen, wie ich mit Nikisch stehe!...Mit seiner Person habe ich nie etwas zu tun; er ist kalt und verschlossen gegen mich - ob aus Eigenliebe oder aus Misstrauen - was weiß ich! Genug, wir gehen aneinander wortlos vorüber! - An Anerkennung fehlt es mir sonst nicht, und sie kommt oft von sehr lieber Seite!" An Max Staegemann, dem er den böhmischen Komponisten Smetana nahe legen wollte, hatte er geschrieben: „Es wäre immerhin der Mühe wert, einem gebildeten Publikum, wie das Leipziger ist, einen so durchaus originellen und ursprünglichen Musiker vorzuführen." Das Publikum schätzte er, aber Nikisch wenig: „Ich...kann so beruhigt einer Vorstellung unter ihm zusehen, als wenn ich selber dirigierte - obwohl ihm das Höchste und Tiefste verschlossen ist." Nun, es waren Konkurrenten. Jahre später werden sich die Beziehungen zueinander normalisieren und freundlich sein.
Rheingold Foto: Wikimedia gemeinfrei
Rheingold Foto: Wikimedia gemeinfrei
Anfang 1887 erkrankte Nikisch schwer. Mahler konnte nun das gesamte Repertoire des Theaters übernehmen. Endlich konnte er den „Ring", die „Meistersinger" und den „Tristan, Beethovens „Fidelio", Mozarts „Don Giovanni" und andere Werke dirigieren. Damit baute er seine Dominanz aus. Aber nun kam ein anderes Spannungsfeld hinzu. Mahler war geradezu berüchtigt, die Probenarbeit mit dem Orchester sehr genau, vertiefend und beharrlich zu führen. Er war ein Perfektionist. Das forderte höchste Konzentration und größte Anstrengung der Musiker und machte ihn weder populär noch angenehm im Umgang, es förderte die Ablehnung. Diese Differenzen vertieften sich, als Mahler wieder seine kompositorische Arbeit aufnahm und mehr und mehr die Arbeit am Theater vernachlässigte. Er war mit einem Enkel von Carl Maria von Weber, mit Carl von Weber, befreundet, der den Nachlass seines Großvaters verwaltete. In dieser Familie ging er aus und ein. Im Nachlass befanden sich Fragmente zu der komischen Oper „Die drei Pintos". Mahler wollte die Oper vollenden, was nicht nur Ergänzungen verlangte, sondern Nachkompositionen ganzer Szenen. Mahler nutzte dafür Kompositionen von Weber, die unveröffentlicht geblieben waren. Dennoch gerieten die Neuschöpfungen, wie Mahler selbst feststellte, immer „Mahlerischer". Dafür erhielt er gute Kritiken und durfte diesen Teil seiner Arbeit als Erfolg werten. Nun schöpfte er die Energie, seine in Kassel begonnene 1. Sinfonie im März 1888 in Leipzig zu vollenden. Er bezeichnete diese Komposition als sinfonische Dichtung in zwei Teilen. (In späteren Jahren wird er Korrekturen vor allem in der Instrumentation anbringen. Auch strich er einen Satz mit dem Titel „Blumine".) Danach nahm er sogleich die Arbeit an einer sinfonischen Dichtung, die "Todtenfeier", auf, die später zum Kopfsatz der 2. Sinfonie wurde. Hinzu kommen Vertonungen einiger Lieder aus der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn" von Achim von Arnim und Clemens Brentano, wobei er mit den Texten sehr frei umging, er kürzte, stellte um, machte Zusätze. Hans Mayer wird ihm das vorwerfen.
Altes Theater zu Leipzig Sammlung: U. Brekle
Altes Theater zu Leipzig Sammlung: U. Brekle
Für Mahler war es eine Zeit der Aktivität und Inspiration. Und da gab es, wie wir wieder aus einem Brief wissen, eine Quelle der Inspiration: „Einen schönen Menschen habe ich doch, seitdem ich in Leipzig bin, gefunden - und damit ich es gleich sage - einen von denen, durch welche man seine Dummheiten anstellt. - Du verstehst doch, amice?" Er bleibt diskret und hatte dafür guten Grund, denn die Schöne war die Ehefrau des Carl von Weber, Marion von Weber. Er verliebte sich heftig und die beiden hatten eine leidenschaftliche Affäre. Als Carl von Weber psychisch zusammenbrach, entschied sich Marion bei ihrem Mann zu bleiben. Sie brach jeden Kontakt zu Mahler ab.
Mahler bat um vorzeitige Entlassung und verließ nach 22 Monaten im Mai 1888 Leipzig, wo er zum Komponisten reifte und das Handwerk lernte, sich im spannungsvollen Theaterleben durchzusetzen. Sein Weg führt ihn an die Spitze des Musiklebens in der Welt.
Riccardo Chailly sagt über die Musik des Meisters: „Die ungeheure und unmittelbare Kraft und Wirkung, die dieser Musik innewohnt, ist jedes Mal wieder ein tiefes Erlebnis für Aufführende und Zuhörer." Chailly dirigierte im Gewandhaus die 8. Sinfonie im Mahler-Festival 2011 und brachte "die Wände zum Wackeln und das Publikum zum Toben". "Vor allem die Homogenität und klare Diktion der fünf Chöre und die Transparenz des enorm verstäkten Orchesters waren beeindruckend (typisch für Chaillys Mahler-Klang)."
Quellen:
Mahler, Gustav: Briefe. Hrg. Mathias Hansen. Leipzig 1981
Mahler, Alma: Gustav Mahler. Frankfurt am Main 1991
Musik-Konzepte: Gustav Mahler. Hrg. Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehm. Sonderband. München 1989
Zitate im letzten Abschnitt: Aus Gigantomanie wird Musik. Artikel von Peter Korfmacher in LVZ vom 28./29. Mai 2011 S. 16
http://www.austria.info@mahler-gedenkjahre.