Leipzig Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.leipzig-lese.de
Unser Leseangebot

Mimo hat Zahnweh

Ines Andre-Korkor

Als Meerschweinchen Mimo eines Tages erwacht, hat es fürchterliche Zahnschmerzen. Doch es will den Geburtstag seines besten Freundes nicht verpassen. Ob die Feier so viel Ablenkung bietet, dass sich das Zahnweh vergessen lässt?

Eine Geschichte für die Jüngsten zum Thema Zahnarzt und Zahnschschmerzen. Die niedlichen und warmherzigen Illustrationen von Petra Lefin lassen nicht nur Kinderherzen weich werden.

Richard Wagner - das Genie

Richard Wagner - das Genie

Prof.Dr.habil. Helmut Loos

Richard Wagner 1871 Foto: gemeinfrei
Richard Wagner 1871 Foto: gemeinfrei
Zeitlebens hatte er keine geregelte Ausbildung durchlaufen, aber dennoch auf vielen Gebieten Erstaunliches geleistet. Es war ein "mit äußerstem Willen ins Monumentale getriebener Dilettantismus", wie es Thomas Mann 1933 in seinem Vortrag von "Leiden und Größe Richard Wagners" ausdrückte.

Am 23. Februar 1831 immatrikulierte Wagner an der Universität Leipzig, zu einem Studium aber scheint es erst gar nicht gekommen zu sein, vielmehr ergab er sich einem ausschweifenden Studentenleben, dem ihn die Mutter bereits im Herbst desselben Jahres entriss, indem sie ihn zum Privatstudium dem Thomaskantor Theodor Weinlig übergab. Wagner machte in Leipzig überhaupt keine guten Erfahrungen mit den Lehreinrichtungen. War er in Dresden an der Kreuzschule noch der Lieblingsschüler seines Lehrers Magister Sillig gewesen und hatte mit seinen Dichtungen Eindruck gemacht, so stand bereits der Wechsel an das Nikolaigymnasium am 21. Januar 1828 nach dem Umzug der Familie nach Leipzig unter einem unguten Stern, denn Wagner wurde in die Obertertia zurückversetzt. Bis 1830 besuchte er die Nikolaischule, aber nun war er kein Musterschüler mehr, dafür gibt uns seine Autobiographie die Bestätigung:
"Der Verfall meiner Studien und mein völliges Abweichen von den Pfaden einer regelmäßigen Schulausbildung schreibt sich von meinem Eintritt in Leipzig her, und vielleicht war der Hochmut des Schulpedantismus daran schuld." (Wer hätte auch erwartet, dass Wagner die Schuld bei sich selbst gesucht hätte.) Wagner vergleicht die beiden damaligen "Ge1ehrtenschulen", "die ältere, Thomas-, und die jüngere, Nikolaischule genannt: die Nikolaischule stand damals in vorzüglicherem Rufe als ihre Schwester; dort musste ich demnach aufgenommen werden." Doch bereits die Aufnahme entsprach nicht seinen Erwartungen, seinen "phantastischen Neigungen" entsprechend konzentrierte er sich nicht auf den Unterricht, sondern dichtete er ein Drama "Leubald und Adelaide". Seltene Einsicht in der Autobiographie: "Meine Vernachlässigung der Schule erreichte den Grad, daß es notwendig zu einem Bruche mit ihr führen musste."

Die revolutionären Unruhen des Jahres 1830 und die zwiespältige Rolle, welche die Studentenverbindungen darin spielten, faszinierten Wagner so sehr, dass ihm an nichts mehr lag, " ... als so schnell wie möglich nun selbst endlich Student zu werden". An der Thomasschule, die damals "unter dem Rektorat eines schwachen Greises stand", glaubte er sich leicht "durch den bloßen Anschein ihres Besuches mich bis zur Berechtigung zum Abitur-Examen durcharbeiten" zu können. "Die Lehrer der Thomasschule waren jedoch nicht geneigt. meinen
Wünschen des Studentwerdens so gutwillig zu entsprechen; sie fanden am Schlusse des Halbjahres, daß ich mich so gut wie gar nicht um ihre Lehranstalt bekümmert hatte, und waren nicht davon zu überzeugen, daß ich ein Anrecht auf das akademische Bürgertum durch Zunahme an Gelehrsamkeit mir gewonnen hätte." So überzeugte er seine Familie von seiner Absicht, Musiker zu werden, und schrieb sich "ohne um die Pedantereien auch der Thomasschule mich zu kümmern", unmittelbar beim Rektor der Universität als Student der Musik ein, was "ohne weiteren Anstand geschah". Es war höchste Eile geboten, denn das Semester neigte sich dem Ende zu und nur während der Vorlesungszeit konnte sich Wagner noch vor den langen Ferien
in eine Studentenverbindung aufnehmen lassen. "Unmittelbar vom Rektor rannte ich wie angeschossen auf den Fechtboden, um mich bei der Landsmannschaft Saxonia, unter Vorzeigen meiner Inskriptionskarte, zu Aufnahme zu melden. Mein Ziel war erreicht: ich durfte die Farben der Saxonia, welche damals ihrer vielen gefälligen Mitglieder wegen besonders beliebt war und in Ansehen stand, tragen." Ausführlich schildert Wagner sodann in seiner Autobiographie
die Ausschweifungen des Studentenlebens, die extensiven Kneipen und seine verzweifelten Bemühungen, sich auf dem Paukboden einem Duell zu stellen.
Die wilden Leipziger Jahre waren aber für die Entwicklung Wagners anscheinend keineswegs schädigend, vielmehr gewann seine Persönlichkeit erst jetzt das letztendlich so entscheidende Profil. In Dresden war er von seinem Stiefvater Ludwig Geyer, der Schauspieler von Beruf war, im Theater mit der Dichtkunst aufgewachsen und sein Berufsziel war es, Dichter bzw. Dramatiker zu werden. Er war so stark von einer emotionalen Theatralität erfüllt, dass ihn seine Geschwister
mit dem Spitznamen "Amtmann Rührei" belegten. Als er Ende 1827 von Dresden wieder nach Leipzig, seiner Geburtsstadt, übersiedelte war er 14 Jahre alt. Erst in Leipzig trat die Musik in den Vordergrund seines Interesses.
Porträt Beethovens von Carl Jaeger(1833-1887)
Porträt Beethovens von Carl Jaeger(1833-1887)

 

Die Konzerte des Gewandhausorchesters begeisterten ihn mit den Instrumentalwerken Ludwig van Beethovens. Wohl nirgends wurden in dieser Zeit die Beethovenschen Sinfonien und Ouvertüren in dieser Menge und Qualität aufgeführt wie in Leipzig, es war - wohl auch deswegen, weil Breitkopf & Härtel Beethovens wichtigster Verleger war und in der Allgemeinen musikalischen Zeitung regelmäßig über Neuerscheinungen und Aufführungen berichtete - damals eine regelrechte Beethoven-Stadt. Beethovens Musik aber galt als revolutionär nicht nur in musikalischem, sondern auch in übertragenem Sinne, sie war ein Identifikations- und Erkennungszeichen bürgerlicher revolutionärer Gesinnung. Genau dies war der aufrührerische Geist, den Wagner an den Studentenverbindungen schätzte, der ihm hier musikalisch entgegenzutreten schien.

Wilhelmine Schröder-Devrient (1804-1860)
Wilhelmine Schröder-Devrient (1804-1860)
Im Jahre 1829 begann er mit ersten Kompositionsversuchen, Klavierwerken, die nicht erhalten sind. Im April 1829 hörte Wagner im Theater die Oper "Romeo und Julia" von Vincenzo Bellini mit der berühmten Sängerin Wilhelmine Schröder - Devrient, die ihn begeisterte. Nach seiner Schilderung in der Autobiographie war es die Interpretation der Leonore in Beethovens "Fidelio", die in ihm das unabweisbare Bedürfnis auslöste, Musiker zu werden. Es ist nicht ganz klar, wann Wagner Wilhelmine Schröder-Devrient in dieser Rolle erlebt hat, aber es gehörte zu seiner Selbstinszenierung, auch hier das Beethoven-Erlebnis in den Vordergrund zu rücken. Ganz real ist das Vorbild Beethovens aber an frühen Kompositionen auszumachen. Die Klaviersonate B-Dur von 1831 folgt deutlich dem Muster der Komponisten Ignaz Pleyel und Beethoven, letzterem noch stärker die Fantasie fis-Moll und die Sonate A-Dur, hier spielt auch Franz Schubert mit hinein. Die Ouvertüre d-Moll desselben Jahres hat Beethovens Egmont-Ouvertüre zum Vorbild, die zum Repertoire des Gewandhausorchesters gehörte, Ouvertüre und Bühnenmusik zu "König Enzio" von E. Raupach dem "Fidelio". Höhepunkt der Beethoven-Nachfolge aber war Wagners einzige Sinfonie (C-Dur), die er 1832 komponierte und die ihre Uraufführung in Prag erlebte. Es war übrigens das letzte Werk, das er kurz vor seinem Tode am 25. Dezember 1882 im Theater La Fenice in Venedig noch einmal zur Aufführung brachte. Übrigens fertigte Wagner zu Studienzwecken auch Abschriften von Beethovens Sinfonien Nr. 5 und Nr. 9 an und verfasste 1830/31 einen vierhändigen Klavierauszug der 9. Sinfonie.
Zwei anerkannte Genies hatte Wagner sich in seiner Jugend zu Leitbildern erkoren: in seiner Dresdner Zeit der Theaterbegeisterung Shakespeare als Dichter und in Leipzig aufgrund seiner Musikerlebnisse Beethoven als Komponist. 1871 schrieb er in "Über die Bestimmung der Oper": "Die musikalischen Gestaltungen Beethovens tragen (...] Merkmale an sich. welche sie einerseits so unerklärbar lassen, wie andererseits die Gestaltungen Shakespeares es für den
forschenden Dichter blieben. (...] Der Punkt, in welchem hier die Schwierigkeit der Verschwendung der Beethovenschen Musik auf das Shakespearesche Drama zu erkennen wäre, dürfte anderseits durch seine Ausgleichung gerade auch zur höchsten Vollendung der musikalischen Form (...] führen."

So sehr Wagner darum bemüht war, sich selbst als Originalgenie darzustellen, das alles aus sich selbst heraus schafft, so stark fällt ins Auge, dass er zwar in Schule und Universität keine Ausbildung erhielt und versagte, andererseits aber die Anregungen seiner Umwelt wie ein Schwamm aufsaugte und in einer wirklich schöpferischen Weise umzusetzen verstand. Dresden war in diesem Sinne die Theaterstadt für ihn, seine Geburtsstadt Leipzig aber wurde dadurch für ihn besonders wichtig, dass sie ihm nach der Rückkehr aus Dresden die musikalische Umgebung bot, die ihn erst zum Musiker reifen ließ. Aus dieser Mischung entstand das berühmte Gesamtkunstwerk Richard Wagners, das seinen Ruf als Genie in der Welt verbreitete.