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Luther im Himmel

Das jünste Gericht

Christoph Werner

Der große Reformator steht vor dem jüngsten Gericht; er ist angeklagt, auf Erden wahrhaft unchristlich gehandelt zu haben, da er Hexen, Juden und andere Gegner zu ersäufen oder zu pfählen empfahl. Nun muss er sich vor Gott rechtfertigen, warum er gegen das biblische Gebot der Nächstenliebe verstoßen habe.

Lene Voigt und ihre Heimatstadt Leipzig

Lene Voigt und ihre Heimatstadt Leipzig

Ursula Drechsel

Bild auf dem Grabstein, Südfriedhof Leipzig.
Bild auf dem Grabstein, Südfriedhof Leipzig.

Lene Voigt war eine sächsische Mundartdichterin, die mit ihren Gedichten, Geschichten und u.a. mit den Sächsischen Klassikern ein umfangreiches schriftstellerisches Werk hinterlassen hat. Im „Das große Lene Voigt Buch", welches von Monica und Wolfgang U. Schütte herausgegeben wurde, kann der Leser sich ein Bild über das Leben und Schaffen von Lene Voigt machen.

Geboren wurde sie am 03.05.1891 als Helene Wagner in Leipzig. Ihr Vater Karl Bruno Wagner war Schriftsetzer und ihre Mutter Alma Maria geb. Pleißner Hausfrau.

Nach dem Besuch der Volksschule von 1897 bis 1903 war sie als Kindermädchen bis etwa 1905 beschäftigt. Danach Verlagskontoristin u.a. im B.G.Teubner Verlag.

1909 erscheinen die ersten Veröffentlichungen in der Leipziger Tageszeitung.

Am 19.09.1914 heiratet sie Friedrich Otto Voigt und wohnt in der Schletterstr.18. An diesem Wohnhaus ist eine Tafel zur Erinnerung an die Zeit, in der Lene Voigt dort gelebt hat (1914 - 1918) angebracht. Diese Gedenktafel wurde am 20.11.1998 durch die Lene - Voigt - Gesellschaft e.V. gespendet. &nnbsp;

Ihr gemeinsamer Sohn Alfred wird am 10.09.1919 geboren. Am 23.09.1920 lässt sie sich von ihrem Ehemann scheiden, am 06.02.1924 stirbt ihr Sohn Alfred. An diesem füuuml;r sie sehr schmerzvollen Tag schreibt sie ein Gedicht „Im Ginderwaachen"

Ä Seichling liecht im Ginderwaachen

Un nubbelt voller Wohlbehaachen.

De Leite, die vorieberjaachen,

Die missen sich ganz neidisch saachen:

So hamm mir ooch in friehsten Daachen

Dahingedeest, noch frei von Blaachen

Un Sorchen um des Maachenfraachen,

Die`s schbätre Lähm uns zugedraachen.

Drum, Seichling uff dein Unterlaachen,

Genieß dei Glick im Ginderwaachen!

 

Erinnerungstafel am Wohnhaus Foto: U. u. H. Drechsel
Erinnerungstafel am Wohnhaus Foto: U. u. H. Drechsel

Lene Voigt schrieb handschriftlich eine Notiz auf das Manuskriptblatt:

„ Hier haben wir wieder mal ein, ich möchte sagen grauenhaftes Beispiel dafür, wie unser tiefster Humor aus tiefstem Schmerz geboren werden muß, denn ich verfaßte dieses Gedichtlein am Todestage meines Jungen, abends, nachdem ich all die Stunden vorher sterbensmelancholisch war. Da überfiel es mich, ich schrieb das Ganze wie diktiert, ohne abzusetzen und schlief still und friedvoll die Nacht darauf."
In der Zeit von 1925 bis 1928 zog sie mehrfach in Leipzig um. 1929 übersiedelte sie nach Bremen, 1934 nach Lübeck und 1935 nach Flensburg. In dieser Zeit erschienen von ihr unter anderen „Säk´sche Balladen", „Säk´sche Glassiger", „Mally der Familienschreck" und „Mir Sachsen - Lauter gleenes Zeich zum Vortragen", „Leibzcher Lindenblieten".
Vom 18.Mai bis zum 15.Juli 1936 hielt sie sich in der Nervenklinik Schleswig auf.
Die Nationalsozialisten haben 1936 Lene Voigts Bücher verboten, da der sächsische Dialekt als "unheldisch" galt und sie als links stehend eingeschätzt wurde.
1937 wohnte sie kurz in München, dann folgten Hamburg und Berlin. Ab 1940 lebte sie dann wieder in Leipzig. Sie begab sich kurzzeitig in psychiatrische Behandlung. Im Verlag Lange und Meuche war sie als Fakturistin angestellt. 1945 bis ca. 1950 beim Rat des Kreises Leipzig-Land in der Lebensmittelkartenstelle. Ab 1946 lebte sie mit Unterbrechungen im Bezirkskrankenhaus für Psychiatrie in Leipzig Dösen. Dort arbeitete sie erst als Buchhalterin, später als Botin. Sie starb am 16.Juli 1962. Bestattet wurde Lene Voigt auf dem Südfriedhof.

 

Grab auf dem Leipziger Südfriedhof  Foto: U. u. H. Drechsel
Grab auf dem Leipziger Südfriedhof Foto: U. u. H. Drechsel

Der Grabstein mit dem Bildnis Lene Voigts wurde durch den Südfriedhof in Absprache mit der Lene-Voigt-Gesellschaft e.V. und dessen Vorsitzenden Wolfgang Voigt in die Künstlerabteilung umgesetzt. Wolfgang Voigt ist der Sohn aus der zweiten Ehe von Friedrich Otto Voigt.

Am 27.10.1995 gründete sich die Lene-Voigt-Gesellschaft e.V. (http://www.lene-voigt-gesellschaft.de/) mit Sitz in Leipzig. Die Gesellschaft beschäftigt sich mit der Erforschung von Leben und Werk der Schriftstellerin. Die Leipziger Wohnstätten von Lene Voigt wurden dokumentiert.             

Weiterhin wird das Lebenswerk durch eine Dauerausstellung sowie die Lene-Voigt-Straße in Probstheida gewürdigt.

Lene-Voigt-Stube im Leipziger Ratskeller Foto: U. u. H. Drechsel
Lene-Voigt-Stube im Leipziger Ratskeller Foto: U. u. H. Drechsel

Im Ratskeller Leipzig (http://www.ratskeller-leipzig.de/) befindet sich das Kaffee-Kabinett Lene Voigt. Dieses Kabinett wurde durch den Ratskeller in Zusammenarbeit mit der Lene-Voigt-Gesellschaft e.V. gestaltet. Viele Fotos von Lene Voigt, Dokumente und auch Dinge, die im Zusammenhang mit dem Kaffee stehen, können sich die Gäste anschauen. Das Kabinett befindet sich in einem hübsch gestalteten Raum und lädt zu einem Besuch ein.          

Im „Das große Lene Voigt Buch" findet man auch „Die säk´schen Glassigger". Einige bekannte Werke sind „De Reiwer , Ä Schdurm- un Drangschdigge von zwee Briedern aus gudr Familche", „Gabale un Liewe oder De deedliche Limonade" , „Wilhelm Dell oder Bolidik un Familche". Es würde zu weit führen alle Titel zu nennen. Auf jeden Fall sind „Die säk´schen Glassigger" lesenswert, man hat seinen Spaß dabei.

 

Zwei Gedichte von Lene Voigt sollen zum Schmunzeln verleiten:

Schniersenkel

Schniersenkel sin heimdicksche Brieder.

Das merkt e jeder immer wieder.

Denn hat mersch frieh besondersch eilich,

dann blatzense. Das ist abscheilich.

 

Nu gnibbelt mr de beeden Enden

Zusamm mit ganz nerveesen Händen.

Oft hat mr schon drotz aller Hast

Drbei de Straßenbahn verbaßt.

 

Doch gann mr sich drgeechen risten

Un schlau de Ludersch iwerlisten:

Mr brieft se ahmds. De gleene Miehe

Erspart een´s Biebseln in dr Friehe.

Leipzig ist bekannt als Lindenstadt. Überall in der Stadt trifft man auf diesen Baum. Lindenstraße, Lindenallee, Lindenhof sind Straßennamen, die darauf verweisen. Der Südfriedhof, welcher am 01.Juni 1886 vom Oberbürgermeister Bruno Tröndlin feierlich eröffnet wurde, ist in der Form eines Lindenblattes angelegt worden.

Die Lindenstadt

Schon unsre Dichterferschten briesen

De scheene Stadt am Bleißestrand

Wo um de Bromenade sprießen

De Linden wie ´ne griene Wand.

 

An Sommerahmden, wenn de Blieten

So milde duften un so sieß,

will geener mähr sei Stiebchen hieten.

Mit Macht lockt´s Lindenbaradies.

 

Da ziehn mir Leibzcher dann so gerne

Rings um de Bromenade rum.

Dorch Blätterdächer illern Sterne

Un grißen freindlich ´s Bubbligum.

 

De Ginstler unter uns behorchen

De Seiseldeene ausm Boom.

In mnacher Linde liecht verborchen

Es neies Dema. Wollnses gloom?

 

Ich gannde mal e Gombonisten,

där dankte eener e Modiv.

Wenn das de andern Linden wißten,

se guckten wohl e häbbchen schief.

Der Leipziger Dialekt, den Lene Voigt in Perfektion beherrschte, ist etwas ganz Besonderes. Hans Rothe schrieb 1930 in der Zeitschrift "Querschnitt", ein "Lob Leipzigs": "Dialekt ist nur ein anderer Ausdruck für Geistesrichtung, das tiefe Merkmal des Leipzigers ist Selbstironie, und darauf hat er seine Sprache aufgebaut, die kein Lautfremder nachzuahmen vermag. Denn Selbstironie bedeutet eine so hohe Stufe der Zivilisation, dass man sie bei Landfremden eben nicht voraussetzen kann."
Der Bertuch Verlag dankt den Autoren Monica und Wolfgang U. Schütte für die freundliche Genehmigung, die Texte aus "Das große Lene Voigt Buch" zu nutzen.

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