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"... mein Leben, das allerqualvollste, das ein Mensch je geführt hat." So schrieb Heinrich von Kleist an eine seinem Herzen nahe stehende Verwandte wenige Stunden, bevor er sich mit seiner Todesgefährtin am Wannsee erschoss.

Ernst Bloch

Ernst Bloch

Daniel Krüger

Bloch auf dem Schriftstellerkongress 1956. BA und Wikimedia; Foto: Krüger
Bloch auf dem Schriftstellerkongress 1956. BA und Wikimedia; Foto: Krüger

92 Jahre alt wurde der Philosoph Ernst Bloch. Mit 63 Jahren erhielt er an der Universität Leipzig seine erste Professur.  Wie damals viele Intellektuelle sah er nach dem 1. Weltkrieg  im Sozialismus die Chance, der Entfremdung des Menschen von seiner Natur entgegenwirken zu können. Er war aber nie Mitglied der KPD gewesen, wie Karola Bloch in ihrer Autobiographie "Aus meinem Leben" (S. 175) betont. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 wurde Bloch als Sohn jüdischer Eltern und Kommunist ausgebürgert. Bis 1948 lebte er in der Schweiz, in Frankreich, der Tschechoslowakei und schließlich in den USA im Exil.

Danach gelangte er in der DDR zunächst zu hohen Ehren. U. a. wurde er mit dem Nationalpreis ausgezeichnet. In seine Leipziger Zeit fiel die Publikation eines noch in den USA verfassten Werkes „Das Prinzip Hoffnung", das weltweite Beachtung fand. Als Bloch die Indoktrinierung des Staates durch die marxistisch-leninistische Partei (SED) und die Niederschlagung des Ungarnaufstands 1956 durch die Truppen des Warschauer Paktes kritisierte, wurde er von der Leipziger Universität zwangsemeritiert.

1961 kehrte er von einer Vortragsreise in Westdeutschland nicht mehr nach Leipzig zurück und nahm - 76jährig - eine Professur an der Universität Tübingen an. Dort wurde er zu einer der Leitfiguren der 68-er Studentenbewegung. Mit Rudi Dutschke, dem Anführer der Studentenproteste in Deutschland, verband ihn eine väterliche Freundschaft.

Im Portrait von Florian Russi* heißt es: „ Als Philosoph des „Prinzip Hoffnung" wurde der in Ludwigshafen geborene Ernst Bloch (1885-1977) bekannt. Beeinflusst, wie er selbst sagte, von Karl Marx und Karl May suchte er nach kreativen Wegen, um soziale Gerechtigkeit und Freiheit miteinander zu verbinden. 1949 nahm er einen Ruf auf den Lehrstuhl für Philosophie an der Universität Leipzig (damals DDR) an, wurde aber 1957 wieder zwangsemeritiert. Seine Philosophie der Hoffnung zeigte der vornehmlich gesellschaftskritisch ausgerichteten Philosophie seiner Zeit eine neue, optimistische Richtung."

* Florian Russi: Worauf wir stolz sein können. Bertuch-Verlag. Weimar 2005 2. Auflage