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Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

Das Ritterloch bei Leipzig

Das Ritterloch bei Leipzig

Johann Georg Theodor Gräße

Kämpfende Ritter.
Kämpfende Ritter.

Da wo sich die von Schleußig kommende Elster in zwei Arme teilt, von denen der eine nach Lindenau, der andere nach Leipzig zuströmt, befindet sich eine Stelle, die von den Fischern das Ritterloch genannt wird. Es sollen nämlich zu Ende des 15. Jh. einmal zwei junge Edelleute, die in Leipzig studierten und ursprünglich durch eine feste Freunschaft verbunden waren, sich gestritten haben. Beide liebten eine schöne Leipzigerin. Sie beschlossen um den Besitz des Mädchens zu kämpfen. Deshalb trafen sie sich angeblich im sogenannten Streitholze zwischen dem Schleußiger Weg und dem Lindenauer Damm: hier kamen Leute dazu, die störten. Deshalb begaben sie sich auf die in jener Zeit sogenannten Ritterspuren, zwei kleine Wiesen in der Gegend der Heiligen Brücke, Sie drängten in blinder Wut aneinander und kamen bis an das Ufer der Elster, wo aber der Boden unter ihnen weich war. Beide fanden an einer tiefen unterspülten Stelle den Tod. Das Volk nannte diese Stelle seitdem das Ritterloch. Im Volk wird behauptet, dass ihre Gestalten heute noch des Nachts als ruhelose Schatten dort umherirren.

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