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Heft 2

B-Z! Das ist nett! (Teil 1)

In diesem Arbeitsheft werden alle Konsonanten eingeführt, die sich beim Sprechen gut dehnen lassen. Dazu kommen noch einige Vokale (Zwie- und Umlaute).

Erich Kästners Leipziger Zeit

Erich Kästners Leipziger Zeit

Dr. Jürgen Friedel

Universität Leipzig: Augusteum.
Universität Leipzig: Augusteum.

Mit dem „Goldenen Stipendium“ der Stadt Dresden in der Tasche begann der junge Erich Kästner im Herbst des Jahres 1919 sein Studium an der Leipziger Universität. Zuvor hatte er seine ersten Erfahrungen mit dem preußisch-deutschen Militarismus gemacht: Während der Reserveoffiziersausbildung war er derart sadistisch geschunden worden, dass er ein Herzleiden davontrug, („Sergeant Waurich“).

An der Leipziger Alma Mater wandte sich Kästner den Wissenschaftszweigen Germanistik, Geschichte, Philosophie und Französische Literatur zu. Im Buchdruckerviertel fand er ein preisgünstiges Zimmer bei einem Schriftsetzer in der Senefelder Straße 3.

Schon 1920 war er mit drei Gedichten an einem Band „Dichtungen Leipziger Studenten“ beteiligt. Aber bereits in Dresden hatte er an einer Schülerzeitung mitgearbeitet und in der Theater- und Kulturzeitschrift „Der Zwinger“ veröffentlicht.

Besonderen Einfluss auf Kästner hatte in Leipzig Geheimrat Dr. phil. Albert Köster und der Philosoph Eduard Spranger.

Erich Kästner. Zeichnung von Erich Ohser 1929.
Erich Kästner. Zeichnung von Erich Ohser 1929.

Nach zwei Semestern in Rostock und Berlin kehrte Erich Kästner 1922 nach Leipzig zurück. Da die Inflation auch vor einem „Goldenen Stipendiaten“ nicht halt machte, musste sich Kästner Geld verdienen, indem er zum Beispiel Adressen schrieb, Plakate trug oder Buchhaltung betrieb für die Städtische Baugesellschaft. Letzteres hatte ihm der Leipziger Stadtbaumeister vermittelt, bei dem Kästner als „notleidender Student“ Mittagsessen bekam. Die Buchhalterei hielt Kästner nicht lange. Er nutzte seine Arbeitsergebnisse aus dem zeitungswissenschaftlichen Institut. Er schrieb für die Leipziger Tageszeitungen Theaterkritiken und andere Beiträge.

1923 bekam er dank einer sehr gelungenen Lokalglosse über das Leben ohne Geld in Geld verrückter Zeit („Max und sein Frack“) eine Anstellung beim „Leipziger Tageblatt“ für 250.-Mark Gehalt im Monat.

Durch Hans Natonek, Kulturredakteur der „Neuen Leipziger Zeitung“, wurde Erich Kästner deren Feuilletonredakteur. Dise linksbürgerliche Zeitung wurde von der Leipziger Verlagsdruckerei GmbH, vormals Fischer und Kürsten, herausgegeben. Johannisgasse 8 war das Haus, das für Kästner nun Arbeitsstelle war. Dort erschienen auch die Magazine „Der Die Das“, „Das Leben“, „Die große Welt“, an denen er auch mitarbeitete. Seine Wohnung hatte er in dieser Zeit in Czermaks Garten 7, 2. Etage, bei der Postassistentenwitwe Therese Erler, geborene Döring. Sie vermietete auf Grund des nahe gelegenen Krystall-Palastes vornehmlich an Artisten. Kästner war der einzige „Geistesakrobat“.

Erich Kästner vernachlässigte bei allem klein-pariserischen Leben seine wissenschaftliche Ausbildung nicht. Nachdem er den Versuch, eine Dissertation über Lessings „Hamburgische Dramaturgie“ zu schreiben, aufgegeben hatte, wandte er sich einem anderen Thema zu. Am 4. August 1925 verteidigte er mit glänzendem Erfolg an der Philosophischen Fakultät der Leipziger Universität seine Doktorarbeit. Ihr Titel war „Die Erwiderung auf Friedrich des Großen Schrift ‚De la Litterature Allemande‘. Ein Beitrag zur Charakteristik der deutschen Geistigkeit um 1780“. Diese Leistung und die schriftstellerischen Erfolge, Kästners Arbeiten wurden zum Beispiel auch in der „Weltbühne“, in der „Vossischen Zeitung“ und im „Berliner Tageblatt“ gedruckt. Sie brachten eine Verbesserung der materiellen Lage. Er bekam nun 400.-Mark Monatsgehalt für seine Redaktionsarbeit. Das ließ einen Wohnungswechsel zu. Kästner bezog Zimmer in einer Wohnung im Haus Hohe Straße 51, 3. Etage, bei Dr. Hübler. („Möblierte Melancholie“) Diese Wohnung lag nahe am Musikviertel, eine exponierte Wohnlage. Außerdem wohnte sein Freund und Förderer Hans Natonek nicht weit davon in der Kronprinzstraße 4, heute Kurt-Eisner-Straße.

Kästners freche Verse und Feuilletons gefielen natürlich nicht allen in Leipzig. Besonders der großbürgerlichen „Leipziger Neuesten Nachrichten“ war er ein Dorn im Auge. Und so entfesselte man eine Pressekampagne gegen ihn, als 1927 sein frech-frivoles Gedicht „Nachtgesang des Kammervirtuosen“ in der „Plauener Volkszeitung“ erschienen war. Kästners Freund, Erich Ohser, hatte mit einer graziösen Zeichnung das kleine Werk noch zusätzlich reizvoll gemachtr, das nun als eine Herabsetzung im 100. Todesjahr Beethovens angesehen wurde. Die Sudelredaktion der „LNN“, die schon 1926 mit der Verteufelung des Volksentscheides gegen die Fürstenabfindung unrühmlich in Erscheinung getreten war, bewarf Erich Kästner mit Schmutz. Sein gedicht verletze die Gefühle der Musikfreunde. Daraufhin entließ Dr. Georg Marguth, der Verlagsdirektor der „Neuen Leipziger Zeitung“, seine besten Mitarbeiter Erich Kästner und Erich Ohser fristlos.

Zeichnung von Erich Ohser zum Gedicht.
Zeichnung von Erich Ohser zum Gedicht.

Aus dem Gedicht zwei Verse:

„Du meine neunte letzte Sinfonie!
Wenn du das Hemd anhast mit rosa Streifen...
Komm wie ein Cello zwischen meine Knie,
Und lass mich zart in deine Seiten greifen.

Komm lass uns durch Oktavengänge schreiten!
(Das Furioso, bitte, noch einmal!)
Darf ich dich mit der linken Hand begleiten?
Doch beim Crescendo etwas mehr Pedal!!“

Im September 1927 übersiedelte Erich Kästner nach Berlin, wo man seine Lyrik kannte, die neben der Tucholskys stand. Zum Glück schloss ein junger Leipziger Verlagsgründer noch rechtzeitig mit dem „Schulmeister“, dem „Moralisten“, dem „Rationalisten“, dem „Urenkel der deutschen Aufklärung“ - so bezeichnete sich Kästner selbst – Verträge über zwei Gedichtsbände. So konnten die ersten gesammelten Gedichte in zwei Bändchen in Leipzig erscheinen, wo sie entstanden waren: „Herz auf Taille“ 1928 und „Lärm im Spiegel“ 1929 bei Curt Weller und Co. Was für einen Schaden Verlagsdirektor Marguth dem literarischen Leipzig angetan hat, kann wohl jeder ermessen, der auch nur einiges von Kästner gelesen hat, seien es nun die weltberühmten Kinderbücher oder sei es die „Gebrauchslyrik“.

Am 29. Juli 1974 ist Erich Kästner in München verstorben.


Bildnachweis

Alle Abb. sind Wikimedia entnommen; sie sind gemeinfrei.

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