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Das Kräuterweib vom Hexenberg, Band 3

Bedeutung und Anwendung von Heil- und Gewürzpflanzen

Viola Odorata

Dieser kleine Begleiter für Küche und Kräutergarten bietet Ihnen allerlei wissenwertes über manch unbeachtetes Pflänzchen am Wegesrand, dazu einige Anwendungsbeispiele und Rezeptetipps.

Adolf Zade (1880 – 1949) – Professor für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung an der Universität Leipzig

Adolf Zade (1880 – 1949) – Professor für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung an der Universität Leipzig

Doz. Dr. agr. habil. Eberhard Schulze

Prof. Adolf Zade, seit 1920 ordentlicher Professor und Direktor des Instituts für Pflanzenbauund Pflanzenzüchtung musste wegen seiner jüdischen Herkunft 1933 das Institut verlassen.Wegen seines schlechten gesundheitlichen Zustands konnte er im Unterschied zu dem eben-falls 1933 aus dem gleichen Grund seines Amtes verwiesenen Landtechnikprofessor Hans Holldack, u. a. Erfinder der den Älteren noch bekannten Gartenfräse, die Tätigkeit 1945 nicht wieder aufnehmen.In einem Brief vom 16. Mai 1933 schrieb Dekan Weickmann an den auf Wunsch der Türkeiin Ankara für den Aufbau der Hochschule für Land-, Forst- und Veterinärmedizin verantwortlichen Landwirt und ehemaligen Rektor Friedrich Falke: „Auch Z. war in letzter Zeit gefährdet, ich hoffe aber, dass eine verdienstvolle Tätigkeit für die Förderung der deutschen Scholle ihn rettet.“ Weickmann sollte sich aber bedauerlicherweise irren. Er wurde, wie alle „Nichtarier“, von den Nationalsozialisten von der Universität vertrieben. Gleichzeitig wurde sein soeben erschienenes Buch „Pflanzenbaulehre für Landwirte“, das das gesamte Wissen der Zeit in hervorragender Weise zusammenfasste und das der führende deutsche Pflanzenzüchter Theodor Römer mit den Worten „Das ist meine Bibel!“ hoch gelobt hatte, im Deutschen Reich verboten. Wie unsinnig die der Vertreibung zugrunde liegende Rassentheorie ist, zeigt eine neue genetische Studie aus der Schweiz (von Iginea) über die Herkunft der Deutschen,wonach nur noch 6 % väterlicherseits germanischen Ursprungs sind (mütterlicherseits 50 %, die Männer seien in den vielen Kriegen gefallen), 45 % väterlicherseits von Kelten abstammen, 30 % der Deutschen osteuropäische, 10 % jüdische und 5 % phönizische Wurzeln haben. Ein Teil der Judenhasser im „3. Reich“ hatte zweifellos selbst jüdische Wurzeln (ohne dass es den Betreffenden bekannt war, vielleicht sogar Adolf Hitler selbst).

Adolf Zade
Adolf Zade

Dass Zade 1919 nach Leipzig berufen wurde, zunächst als außerordentlicher Professor, und dem schon berühmten Mitbewerber Eilhard Mitscherlich vorgezogen wurde, spricht dafür, dass er sich bereits als Lehrer und Forscher einen Namen gemacht hatte. Näheres kann aus der Personalakte an der Universität Leipzig nicht erschlossen werden, weil Dekan Ludwig Knoll,zweiter Nachfolger auf Zades Lehrstuhl, kurz vor der Ankunft der Amerikaner dessen Akte verbrennen ließ (ebenso wie diejenige von Hans Holldack), offensichtlich um das begangene Unrecht zu vertuschen. Adolf Zade wurde als Sohn eines Landwirts in Polzin in Pommern geboren. Nach mehrjähriger Tätigkeit in der Praxis studierte er in Berlin und Jena Landwirtschaft, wo er 1909 mit der Dissertation „Der Flughafer“ promovierte. Nach einer Tätigkeit in der Versuchsstation Harleshausen bei Kassel kehrte er nach Jena zurück und habilitierte sich 1914 mit der Arbeit „Serologische Studien an Leguminosen und Gramineen“, worauf er kommissarisch bis 1918 als Direktor des landwirtschaftlichen Instituts der Universität Jena fungierte. Mehrfach leitete er im Auftrag der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) Sortenversuche beim Hafer, die nach weiteren Forschungsarbeiten 1918 in dem hochgeschätzten Buch „Der Hafer. Eine Monografie auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage“ ihren Niederschlag fanden. Gleichzeitig gab er für die Praxis das Buch „Der praktische Haferbau“ heraus, das 1922in der 2. Auflage erschien. Außerdem entdeckte er, dass Hartweizen, Rauhweizen und Gommer (auch Polnischer Weizen genannt) zur Emmerreihe gehören, Saatweizen und Dinkel zur Dinkelreihe. Seit seiner Berufung nach Leipzig befassten sich Zade und seine Mitarbeiter mit der Züchtung von Gräsern, insbesondere von Deutschem Weidelgras, Knaulgras und Glatthafer, sowie von Rotklee. Ein wichtiges Zuchtziel war hierbei der feste Kornsitz, damit die Samen bei der

Saatgutgewinnung nicht vorzeitig ausfallen. 1925 ernannte ihn die DLG zum Vorsitzenden ihres Sonderausschusses für Futterpflanzenzüchtung und zeichnete ihn mit der nach Max Eyt h, demGründer dieser Gesellschaft, benannten Max-Eyth-Gedenkmünze aus. Bereits 1921 hatte Zade

das Buch „Werdegang und Züchtungsgrundlagen der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen“publiziert. Bedingt durch die Entwicklung der für das Versuchswesen wichtigen Biometrie, für die R. A. Fisher in der englischen Versuchsstation Rothamsted die wissenschaftlichen Grundlagen gelegt hatte, rückte die Methodik der Anlage von Feld- und Laborversuchen in den Mittelpunkt. Sie mussten so angelegt werden, dass sie den variationsstatistischen Forderungen entsprachen,um hoch gesicherte Versuchsergebnisse zu erhalten. Bereits zuvor hatte Zade die sogenannte Langparzellenmethode entwickelt, die weniger Aufwand als die bisherige Methode erforderte. Intensiv forschte Zade mit seinen Mitarbeitern über die Pilzkrankheiten des Getreides und ihre Bekämpfung. So entstanden zum Haferflugbrand z. B. sechs Dissertationen. Zades Schüler Anton Arland entdeckte, dass der Weizensteinbrand auch latent vorhanden sein kann und deshalb auch scheinbar gesundes Getreide gebeizt werden muss. Weiterhin befasste sich Zade mit Fragen der Sortenidentität, speziellen Problemen der Düngung und des Wasserbedarfs der Pflanzen, wobei die Forschungsarbeiten u. a. zu der von Arland entwickelten Anwelkmethodeführten. Ein besonderer Verdienst Zades besteht auch darin, dass er die „Reinsaatwiese“ erfunden hat, d. h. den alleinigen Anbau eines bestimmten Grases. Mit Knaul- bzw. Rohrglanzgras hat er hohe Erträge erzielt. Nach Arland hat es Adolf Zade meisterhaft verstanden, Forschung Lehre und Beratung miteinander zu verbinden. Zade hielt Vorträge vor praktischen Landwirten und von Mai bis Juli fanden sich viele von ihnen auf dem Versuchsfeld in Probstheida ein, um die Versuchsergebnisse kennen zu lernen und für die eigene Arbeit zu nutzen. Er hielt sowohl im Sommer- als auch im Wintersemester 5 Semesterwochenstunden Vorlesung, jeweils für das 5. und 6.

Semester. Im Wintersemester las er Allgemeine Acker- und Pflanzenbaulehre, im Sommersemester Spezielle Pflanzenbaulehre (der Anbau der verschiedenen Kulturpflanzen), außerdem 2 bis 3 Stunden über Pflanzenzüchtung. Außerdem mussten alle Studenten den Schein für das Kleine Praktikum erwerben, das wöchentlich im Sommersemester einen von Prof. Zade angeleiteten Rundgang durch die Parzellen und Felder in Probstheida umfasste und bei dem er bzw. seine Mitarbeiter acker- und pflanzenbauliche, pflanzenzüchterische, phythopathologische, bodenkundliche und die Pflanzenernährung betreffende Fragestellungen sowie die Technik der Sorten- und Düngungsversuche erläuterten. Im Wintersemester fanden im Allgemeinen Untersuchungen von Saat- und Pflanzgut statt. Großer Beliebtheit erfreute sich die Ausbildung zum Saatgut-Inspektor, wozu spezielle Kenntnisse in der Pflanzenzüchtung, Samenkunde und Phythopathologie erworben werden mussten. Die Kandidaten hatten das halbtägige wöchentliche Große Praktikum zu absolvieren, die Doktoranden hingegen zuerst das ganz tätige zu durchlaufen. Unter seiner Leitung entstanden 26 Dissertationen und eine Habilitationsschrift (Arland). Als Prüfender stellte Zade hohe Anforderungen.1927/28 wirkte er als Dekan der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Abteilung der Philosophischen Fakultät. Sicherlich hätte sich bei längerer Existenz der Weimarer Republik früher oder später auch die Frage nach der Wahl zum Rektor gestellt, wie es bei seinem Kollegen vom Landwirtschaftlichen Institut Friedrich Falke gewesen ist (Rektor 1929/30).Nach seiner Vertreibung von der Universität ging er, mit einer Schwedin verheiratet, nach Schweden. Er bekam eine Anstellung in der chemischen Industrie und entwickelte das damals in der ganzen Welt angewandte Samenbeizmittel Panogen. Trotzdem hat er sehr unter der Entlassung aus der Universität gelitten. Im Sommer 1946 wandte sich Adolf Zade über Prof. Anton Arland an den Rektor der Universität, um wieder in seine Rechte, darunter diejenigen eines Emeritus eingesetzt zu werden und Nachzahlungen zu erhalten. Um nicht von dem an seinem Lehrer verübten Unrecht zu profitieren, hatte Arland 1934 die Nachfolge von Zade abgelehnt und einen Ruf an die Landwirtschaftliche Abteilung der Prager Deutschen Technischen Hochschule in Tetschen-Liebwerd (heute Decin-Libverda) angenommen. Von der Tschechoslowakei aus hielt er weiterhin eine

enge Verbindung zu seinem Lehrer. Was in Bezug auf die Wiedereinsetzung Zades in seine Rechte unternommen worden ist, geht aus seiner Personalakte an der Universität nicht hervor. Nach seinem Tode am 28. März 1949 in Schweden gibt es jedoch eine Notiz, dass die vorgesehene Verleihung des Nationalpreises sich nun erübrigt habe. Adolf Zade hinterließ nach nicht einmal 15 Jahren Tätigkeit an der Universität Leipzig ein Werk in einer Tiefe und Breite, dass nur wenige in dieser Zeit erreicht hätten, Forschungsideen für mehrere Jahrzehnte eingeschlossen.


Die Stadt Leipzig ehrte ihn 2010 mit einem Straßennamen (zwischen Russen- und Strümpellstraße) in Probstheida, wo sich einst die von ihm errichtete Versuchsstation befand.