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Weihnachten

Ein Fest der Familie und des Friedens

Florian Russi, Herbert Kihm (Hg.)

Alle Jahre wieder feiern wir das Weihnachtsfest im Kreise unserer Familie und lassen althergebrachte Traditionen in familiärer Atmosphäre aufleben. Doch wo hat das Fest seinen Ursprung, warum feiern wir Weihnachten und woher stammt der Christbaum?

Das liebevoll gestaltete Heftchen gibt Auskunft hierüber und enthält zudem eine kleine Sammlung der bekanntesten Weihnachtslieder. Des Weiteren Rezepte laden zum Kochen und Backen ein.

Henriette Goldschmidt

Henriette Goldschmidt

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Henriette Goldschmidt 1859.
Henriette Goldschmidt 1859.

Die Fröbel-Pädagogin Henriette Goldschmidt wurde am 23. November 1825 in einem kleinen Ort bei Posen geboren. Ihr Vater, Levin Benas, war ein jüdischer Großkaufmann, der im Denken und Tun den Idealen der 1848er Revolution anhing. In der Familie wurde zu diesen Themen diskutiert. Henriette konnte die Schule nur bis zur 9. Klasse besuchen.
1853 heiratete sie ihren Vetter, den Lehrer und Prediger Dr. Abraham Meir Goldschmidt (1812-1889), der aus 1. Ehe drei Söhne mit in die Ehe brachte. Henriette fühlte sich für eine gute Erziehung ihrer Stiefsöhne verantwortlich.

Als Dr. A. M. Goldschmidt 1858 von der Israelitischen Religionsgemeinde als Rabbi nach Leipzig gerufen wird, folgt Henriette ihrem Ehemann. Die Familie siedelt nach Leipzig um. Die Legende sagt nun, dass H. Goldschmdt in der Erziehung der Söhne nichts falsch machen wollte. Sie erkundigte sich deshalb in ihrer Gemeinde nach neuen Ansätzen in der Pädagogik und erhielt den Hinweis auf einen Fröbel-Kindergarten, den es in Leipzig schon gab. Sie suchte ihn auf, ließ sich alles erläutern und zeigen. Sie soll die Potenz der pädagogischen Grundsätze bald erkannt haben.

H. Goldschmidt hat sich autodidaktisch vielseitige Kenntnisse angeeignet. Ihr Ehemann hat sie nach Kräften gefördert, wie er auch später ihr öffentliches Wirken unterstützte.

Zunächst beschäftigte sie sich mit Themen aus der Geschichte, Philosophie und Literatur. Sie verehrte insbesondere den Dichter und Dramatiker Friedrich Schiller und bewunderte dessen Menschheitsideal. 1905 in Vorbereitung seines 100. Todestages initiierte H. Goldschmidt die Gründung des Leipziger Schillervereins deutscher Frauen. Auch Gotthold Ephraim Lessing gehörte zu den Lieblingsschriftstellern. Relativ spät begann sie, sich der Pädagogik zuzuwenden.

Vortrag Henriette Goldschmidt 1872.
Vortrag Henriette Goldschmidt 1872.

Die Goldschmidts führten ein offenes Haus und pflegten gesellschaftliche Kontakte. So lernten sie Louise Otto-Peters und Auguste Schmidt kennen, die beiden führenden Frauen in der Frauenbewegung Deutschlands. H. Goldschmidt gehörte dann mit zu den Begründerinnen des Leipziger Frauenbildungsvereins und des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF) im Jahre 1865. Im Vorstand des ADF war sie von 1867 bis 1906 tätig.

Sie selbst gründete 1871 den interkonfessionellen Verein für Familien- und Volkserziehung; es war kein reiner Frauenverein. H. Goldschmidt gelang es, 150 bedeutende Leipziger Persönlichkeiten zu gewinnen. Da sie auch eine begnadete Spendensammlerin war, gelang es ihr, mehrere Volkskindergärten zu etablieren, die nach den Grundsätzen der Fröbel-Pädagogik arbeiteten. Sie stand in engen Kontakt mit Bertha von Marenholtz-Bülow (1810–1893), die in Dresden wirkte. Die Baronin verbreitete durch ausgedehnte Vortragsreisen durch Deutschland, aber auch ins europäische Ausland, die Pädagogik Friedrich Fröbels und warb für die Idee des Kindergartens. Sie verhalf den pädagogischen Auffassungen Fröbels zum internationalen Durchbruch.

Henriette Goldschmidt 1910.
Henriette Goldschmidt 1910.

Goldschmidt wusste aus den Diskussionen mit der Baronin, dass die Kindergärtnerinnen unbedingt eine Ausbildung brauchten. Deshalb baute sie Bildungsstätten für Frauen auf; so richtete sie 1872 Seminare für Kindergärtnerinnen ein und 1878 ein Lyzeum für Damen, das später Fröbel-Frauenschule hieß. H. Goldschmidt unterrichtete auch selbst. Als brillante Rhetorikerin war sie in Leipzig und in ganz Deutschland für Vorträge in Vereinen und in der Öffentlichkeit nachgefragt.

Mittels Spenden schaffte Goldschmidt es, ein Haus in der Leipziger Weststraße 16 (heute Friedrich-Ebert-Straße) zu kaufen, um darin Volkskindergärten, das Seminar für Kindergärtnerinnen und die Fröbel-Frauenschule unterzubringen. Außerdem wurde in diesem Haus ein Schülerinnenpensionat und ein Seniorinnenheim eingerichtet.
Es fanden in der Weststraße 16 Vorträge, Kurse, kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen statt. Das Haus wurde zum Zentrum der Frauenbildung in Leipzig. Im Jahre 2 000 wurde dieses Haus, das verfallen war, trotz vieler Proteste aus dem In- und Ausland abgerissen, dem Erdboden gleichgemacht. Angeblich sollte eine neue zu bauende Straße über dieses Areal führen. Die Straße ist nie gebaut worden.

Hochschule für Frauen zu Leipzig 1920.
Hochschule für Frauen zu Leipzig 1920.


Am 23. November 1911, Goldschmidts 86. Geburtstag, machte sie sich das größte Geschenk: Sie eröffnete die Hochschule für Frauen zu Leipzig. Das war möglich geworden, weil der Musikverleger Dr. Henri Hinrichsen, Inhaber der weltbekannten Edition Peters Leipzig, das dazu nötige Kapital stiftete. Goldschmidt engagierte als Lehrkräfte Professoren der Leipziger Universität. Sie selbst unterrichtete neben Dr. Agnes Gosche auch. Das war eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung für Frauen in Deutschland. Die Hochschule unter Leitung von Henriette Goldschmidt errang bald große nationale und internationale Beachtung und Wertschätzung.

Nach dem Tod von Goldtschmidt firmierte die Schule als Sozialpädagogisches Frauenseminar.

In der Zeit des Nationalsozialismus änderten sich Inhalte und vor allem der Ausbildungsgeist. Jüdische Mädchen wurden nicht mehr aufgenommen. Das Andenken an Henriette Goldschmidt und an den jüdischen Stifter Dr. H. Hinrichsen wurde getilgt.

Grabtafel Henriette Goldschmidt auf dem Alten jüdischen Friedhof Leipzig.
Grabtafel Henriette Goldschmidt auf dem Alten jüdischen Friedhof Leipzig.

Hinrichsen versuchte zu emigrieren, wurde aber in Brüssel verhaftet, ins KZ Auschwitz deportiert und dort am 17. September 1942 im Alter von 74 Jahren ermordet. Heute ist eine Straße in Leipzig im Waldstraßenviertel nach ihm benannt.

Nach 1945 wurde eine Straße nach der Gründerin benannt. Die Schule erhielt den Namen: Henriette-Goldtschmidt-Schule und fungierte als Pädagogische Fachschule für Kindergärtnerinnen. Sie erwarb sich einen guten Ruf in der DDR-Zeit.

Heute bietet sie als Fachschule für Sozialwesen Ausbildungsmöglichkeiten in der Sozial- und Heilpädagogik.

Am 30. Januar 1920 vor 100 Jahren starb Henriette Goldschmidt.

In der Öffentlichkeit und in der Behörde der Stadt Leipzig wird dieses Jubiläum nicht wahrgenommen. Im Augenblick dreht sich alles um den Wahlkampf, der um das Amt des Oberbürgermeisters tobt.

Bildnachweis

Grabtafel Henriette Goldschmidts auf dem Alten Israelitischern Friedhof Leipzig, Berliner Straße: Urheber Geisler Martin CC BY-SA 2.5 und CC BY-SA 2.0

Alle anderen Abb. sind Wikimedia entnommen; sie sind gemeinfrei.