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Winckelmann im Kreise der Gelehrten

Klaus-Werner Haupt

Das Gemälde "Winckelmann im Kreise der Gelehrten in der Nöthnitzer Bibliothek" von Theobald Reinhold Anton Freiherr von Oer steht im Mittelpunkt dieser Abhandlung über Winckelmann. Es dient dem Autor als Vorlage für eine kurze szenische Darstellung, in der die Geisteshaltungen und die Kontroversen der zwölf Gelehrten sichtbar werden.
Insgesamt besteht das Heft aus drei Teilen. Einem Kurzabiss zum Maler von Ohr, dessen Bild im Mittelpunkt steht, dann der szenischen Abhandlung, die das Bild zum Leben erweckt. Anschließend wird in einem wissenschaftlichen Abriss Winckelmann als Wegbereiter der Weimarer Klassik abgehandelt.

Die Denkmale für Carl Friedrich Goerdeler und Felix Mendelssohn

Die Denkmale für Carl Friedrich Goerdeler und Felix Mendelssohn

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Mahnmal für Carl F. Goerdeler (1)
Mahnmal für Carl F. Goerdeler (1)

Direkt unter dem Dienstsitz des Oberbürgermeisters der Stadt Leipzig, damals und heute, gibt es das Goerdeler-Denkmal, eine kleine begehbare Arena in der Erde, auf deren umlaufenden Abstufungen Zitate aus Goerdelers Reden und Schriften eingraviert sind. Eine Glocke schlägt aus der Tiefe viermal am Tag, an Gedenktagen stündlich.

Wir lesen: „In weniger ernsten Zeiten würde ich schweigen."

Von 1930 bis 1936 war Goerdeler Oberbürgermeister in Leipzig und wurde seinem Ruf gerecht, dieses Amt wie ein preußischer Beamter auszuüben. Er war weder opportunistisch noch konfliktscheu. Ihm wurde Entscheidungsfreudigkeit und Sparsamkeit nachgesagt. Sein Weg vom naiven, mit den Nationalsozialisten kooperationsbereiten Staatsbeamten zum Opponenten und aktiven Widerständler war verschlungen und schwierig. Im Jahr 1936 gab es eine Zäsur: Innere Distanzierung und Ablehnung des NS-Systems schlugen um in Opposition. Bereits im Frühjahr 1936 überlegte Goerdeler, ob er nicht besser in die freie Wirtschaft wechseln sollte, da er gegensätzliche Positionen in der Wirtschafts- und Rüstungspolitik entwickelt hatte, die keinerlei Beachtung fanden.

Am 8. Mai 1936 forderte der Leiter eines Amtes der NSDAP-Kreisleitung: „Auf Grund verschiedener Beschwerden bei uns fühle ich mich verpflichtet, Sie darauf hinzuweisen, daß das vor dem Gewandhaus aufgestellte Denkmal des Vollblutjuden Mendelsohn-Bartoldie(! sic) öffentliches Ärgernis erregt... Ich bitte Sie...beim Rat der Stadt Leipzig zu erwirken, daß dieses Denkmal entfernt wird." In Leipzig fanden trotz des Verbotes der Musik von Mendelssohn Aufführungen statt: Im September 1936 spielte eine Gasthauskapelle ein Arrangement der „Hebriden"-Ouvertüre. Die Thomaner sangen bei festlichen Anlässen, z.B. bei einem Empfang im Reichsgericht, Lieder Mendelssohns. Es gab in diesen Fällen keine Komplikationen. Goerdeler suchte zunächst, die Angelegenheit Denkmal aufgrund seines Einflusses in Ordnung zu bringen. Es gelang ihm, länger zu taktieren. Als er im November zu einer Vortragsreise nach Finnland aufbrach, nutzte sein Stellvertreter, der Nationalsozialist Rudolf Haake, seine Abwesenheit, um das Denkmal am 09.November 1936 bei Nacht und Nebel schleifen zu lassen. Das war für Goerdeler der Anlass, seinen Rücktritt als OBM einzureichen. Der befreundete Redakteur Fritz Bartsch hat nach dem Krieg die Reaktion der Leipziger so beschrieben:" Als Goerdeler kurz nach seinem Rücktritt vor dem Beginn eines Donnerstag-Konzerts das Leipziger Gewandhaus betrat, kannten Begeisterung und Beifall der Leipziger Bürger keine Grenzen mehr. Das war eine der peinlichsten Stunden für Leipzigs Nationalsozialisten."

Porträt Carl Goerdelers (2)
Porträt Carl Goerdelers (2)

In den folgenden Jahren schloss sich Goerdeler der Widerstandsgruppe gegen das NS-System um den früheren Generalstabschef des Heeres Ludwig Beck an. Die Gruppe favorisierte Goerdeler nach dem Umsturz als Reichskanzler. In Leipzig war Walter Cramer ein guter Freund und Vertrauter, der in alle Pläne des Widerstandes eingeweiht war und Goerdeler unterstützte. Bereits einige Tage vor dem 20. Juli 1944 erhielt Goerdeler eine Warnung, dass ein Haftbefehl gegen ihn erlassen sei. Er floh und verbarg sich, zunächst in Berlin, dann in seiner ostpreußischen Heimat, wo ihn die Buchhalterin Helene Schwärzel am 12. August erkannte und angezeigte. Vom Volksgerichtshof wegen Verrats am Volke zum Tode verurteilt wurde Carl Friedrich Goerdeler am 02. Februar 1945 im Strafgefängnis Berlin - Plötzensee enthauptet. Im Mai 1943 hatte er geschrieben:

„ Das deutsche Volk muß und wird sich selbst von einem System befreien, das unter dem Schutz des Terrors ungeheuerliche Verbrechen begeht und Recht, Ehre und Freiheit des deutschen Volkes zerstört hat."

 Das Mendelssohn-Bartholdy-Denkmal in Leipzig (3)
Das Mendelssohn-Bartholdy-Denkmal in Leipzig (3)

Das Denkmal für Felix Mendelssohn Bartholdy, eine Kopie des von Walter Stein 1892 geschaffenen Originals, kehrte nach Leipzig zurück und wurde am 18. Oktober 2008 geweiht. Es zeigt den Komponisten als Bronzefigur mit Notenbündel und Taktstock vor der Thomaskirche auf dem Promenadenring unweit vom Neuen Rathaus.




Quellen:
Meyer-Krahmer, Marianne: Carl Goerdeler - Mut zum Widerstand, Leipzig 1989
Ritter, Gerhard: Carl Goerdeler, Stuttgart 1984
von Schlabrendorff, Fabian: Offiziere gegen Hitler, Berlin 1984

Bildnachweis

Abb.1: Wolfgang Brekle

Abb. 2: Rechteinhaber: Familie Goerdeler und die Carl und Anneliese Goerdeler-Stiftung

Abb. 3: Urheber LIU