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Strandgut
Ein Inseltagebuch

Berndt Seite

Die Ostsee ist ein Sehnsuchtsort, an dem man seine Gedanken mit dem Meer schweifen lassen kann. Beim Anblick der Wellenbewegungen kommen Erinnerinerungen an das Auf und Ab des Lebens auf. In eindrucks- und stimmungsvollen Bildern beschreibt Berndt Seite in seinem Tagebuch philosophische Reflexionen in Rückblick auf sein privates und poltisches Leben. Das raue und derbe Klima der Ostsee, die verschiedenen Jahreszeiten am Meer haben dabei ihren ganz eigenen Charme und helfen ihm, alte Dinge abzustreifen und wieder zu sich selbst zu finden.

Der  große Schlussvergaufsdag

Der große Schlussvergaufsdag

Edwin (Pseudonym: Bliemchen) Bormann

Leipzig: Eingang zur Petersstrasse 1911
Leipzig: Eingang zur Petersstrasse 1911


Halb Leibzig, weeßkneppchen is heit uf ’en Beenen

Halb Halle, halb Bidderfeld streemde herbei;

Hier sieht mer aus Deeweln, aus Criminitschau eenen,

Un dorden gar zwee aus der richt’gen Därkei.


Un alle die Laden un all’ die Gewelwer

Hamm offen, un mancher macht heit’ seinenSchnitt;

De Waare vergooft sich beinahe von selwer,

Aus Leibzig bringkt jeder ja gerne was mit.


„Doch heernse, erlow’n Se mal giedigsh da driewen,

Da is je trotz alle der Messe ooch heit’

Ä Laden, ä eens’ger, geschlossen gebliewen?!«

Ja, sehnse, das is Se ä Zeechen der Zeit.


Denn dief is 's begrindet in menschlichen Wesen

Un dichdende Seelen erfillt es mit Weh:

Wo uf änner Färma ,,Buchhandlung“ ze lesen,

Da greift sobald geener zun Bordemannnee.


* Der Leipziger Mundartdichter Edwin Bormann, Pseudonym:Bliemchen, gab das Buch „Leipz'ger Lerchen“ 1893 heraus. Aus dieser Quelle stammt dieses Gedicht, der Originaltitel lautet „ Der große Meß-Sonndag. “ Sonst aber hat sich nichts verändert.

Ursula Brekle 10.09.2017