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Wilfried Bütow
Kennst du Heinrich Heine?

Kunstfertig in vielen Genres, geht Heine souverän mit den Spielarten des Komischen um, erweist sich als ein Meister der Ironie und der Satire und weiß geistreich und witzig zu polemisieren.
Doch hatte er nicht nur Freunde. Erfahre mehr vom aufreibenden Leben Heines, wie er aus Deutschland fliehen musste, in Paris die Revolution von 1830 erlebte und den großen Goethe zu piesacken versuchte.


 

Baumfantasien - die Aquarelle von Hannelore Röhl

Baumfantasien - die Aquarelle von Hannelore Röhl

Dr. Konrad Lindner

Ob Bäume bizarr in die Höhe ragen oder Kirchtürme die Wolken zu kitzeln scheinen, ihre Zeichnungen lassen die Betrachter still verharren und versetzen sie in eine leise wie eindringliche Poesie der Farben. Die Rede ist von den Aquarellen der Malerin Hannelore Röhl.

In Gottes Garten Tag und Nacht
In Gottes Garten Tag und Nacht

Sowohl Bäume am Tag als auch Bäume in der Nacht sind im Kreis ihrer Arbeiten zu sehen, bei denen die künstlerische Fantasie das Blattgrün verflüchtigt und in Blau- oder Lilatöne verwandelt hat. Bei den nächtlichen Bildern sind schattenhafte Wesen zu erkennen, denen oft auch der Mond eine phantastische Wirklichkeit verleiht. Die Bäume werden aber auch im Wechsel der Jahreszeiten porträtiert.

Bäume im Frühling

Bäume im Frühling

Sterbender Wald bei Espenhain

Sterbender Wald bei Espenhain

In dem Bild „Bäume im Frühling“ streben dicht an dicht Ast- und Stammlinien in den Himmel. Auch wieder Blautöne, die das Liniendickicht umhüllen. In der Mitte des Bildes ist der Blick freigeben bis hin zum Horizont. So entsteht in der noch nassen, an Farben kargen Vorfrühlingszeit Räumlichkeit.
Bäume sind aus der Sicht des Menschen nicht nur Lebewesen, sondern auch starke Symbole. Die Säulen des Paradieswaldes der Nikolaikirche zu Leipzig beispielsweise waren und sind ein Schutzraum für die Menschen. Eine Gestimmtheit im Kirchenraum, die bei den Besuchern dann aber auch das Bewusstsein dafür befördert, dass der Mensch ein Teil der Natur ist und Verantwortung für seinen Heimatplaneten trägt. Hannelore Röhl mischt sich in diesen Diskurs ein, wenn sie mit großer Liebe hier Kirchen und dort Baumgruppen als die sichtbare Vereinigung von Himmel und Erde ins Bild setzt.

Wälder können Jahrhunderte hindurch wachsen und gedeihen, sie können aber auch vom Menschen, der in seinem Wahn, alles Lebende beherrschen zu wollen, zerstückelt und zerstört werden. Die Ambivalenz des Menschen im Umgang mit der Natur ist ein Thema, das Hannelore Röhl in ihren Bildern wieder und wieder zur Sprache bringt. Das Aquarell „Sterbender Wald bei Espenhain“ zeigt nichts Grünes und Blühendes, sondern eine erstarrte Gruppe von Stämmen. Ein schockierender Zustand. Die Versammlung der toten Bäume ist in ein rötliches Licht gehüllt. Der Betrachter verstummt betroffen.

Vernetzung
Vernetzung

Es drängt sich ihm der Gedanke auf, dass im gemeinsamen Haus Erde kein Friede mit der Natur herrscht. Krieg und Zerstörung allerorten. Auch vor der Haustür hierzulande. Hannelore Röhl zeigt dennoch, dass ein Leben ohne Entfremdung von der Natur möglich sein kann. In einem Dörfchen beispielsweise mit fröhlichem Kirchturm und rot bedachten Häuschen, denen kuglige Baumkronen Schutz und Schatten spenden. Aber auch das Bild „Vernetzung“ mit den auf einem Hügel vereinten Kirchen symbolisiert ein Zuhause im Einklang mit der Natur, zumal sich die bunten Gebäude der Menschen in den Rhythmus der Landschaft einfügen.

Die Aquarellistin aus Leipzig und Kohren-Sahlis zeichnet sich ihre Sorge von der Seele. Daher sind auch bedrückende Landschaftsszenen zu entdecken, die alles andere als eine Idylle zeigen. Der Übereinklang von Mensch und Natur ist zwar ein alter Traum und eine Sinn stiftende Utopie, aber wir entfernen uns mit dem vorherrschenden Lebensprinzip „Wachstum, Wachstum über alles“ von einer solidarischen Einstellung, so dass nachdenkliche Bilder nötiger sind denn je. Man muss längst nicht mehr bis dort hin fliegen, wo Tag für Tag durch Brandrodung die Zerstörung des Regenwaldes vorangetrieben wird. Das Fällen uralter Eichen ist auch im Auwald quer durch Leipzig auf der Tagesordnung. Der Schrei der Sägewerke nach Holz übertönt die Bürgerinitiativen zur Bewahrung der Schöpfung. Christlich gesprochen ist die Schöpfung - Gottes Garten - in einer Gefahr wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit.

Drei Bäume bei Nacht

Drei Bäume bei Nacht

Wörlitzer Park

Wörlitzer Park

„Kein Friede unter den Menschen ohne Frieden mit der Natur. Kein Friede mit der Natur ohne Frieden unter den Menschen“, notierte der Naturphilosoph und protestantische Denker Carl Friedrich von Weizsäcker bereits 1986 in dem Aufruf „Die Zeit drängt“ unter dem Stichwort „Schöpfung“. Aus Sorge für das gemeinsame Haus streitet Papst Franziskus in der Umwelt-Enzyklika (2015) für eine „ökologische Umkehr“. Die Sorge um das gemeinsame Haus treibt viele Menschen um. Auch Hannelore Röhl. Sie hat einem ihrer Bäume einen Rauchpilz an die Seite gestellt und eine Sonne, die in Schwarz gehüllt ist. Die Künstlerin übersieht nicht die gespenstischen Züge des erreichten Raubbaus an der Natur. Bedrohlich rot glüht es bei diesem Bild aus dem graubraunen Erdboden hervor. Es ist der Mensch, der gefeierte Macher, der die Natur in einen apokalyptischen Zustand versetzt hat. Unter das bedrückende Bild setzte die Aquarellistin mit Bleistift in ihrem Schriftzug die Aussage: „Ökologische Geisterbahn II“. Und doch ist Hoffnung in der Sammlung meisterhafter Aquarelle. Die Bilder mit den vielen zarten Baumfantasien sind Werke einer sehenden, träumenden und kritischen Künstlerin, aber eben Arbeiten einer Malerin, die an vertrauten Orten draußen in der Natur frei und dankbar atmet, um am Aquarelltisch tief in die Erinnerung eingeprägte Kompositionen aus Form und Farbe aus sich heraus zu holen. Vom Glück ihres Sehens erzählt nicht zuletzt das in den Farbtönen Grün, Blau und Gelb freudig spielende Aquarell „Wörlitzer Park“.

Golgatha V
Golgatha V


In der Arbeit „Gottes Garten Tag und Nacht“ führt ein Weg zu einem grünen Hain nahe dem Horizont. Bilder, bei denen die Besucher des Diakonissenkrankenhauses zu Leipzig von April bis Juni 2017 ebenso verweilen konnten, wie vor dem Ort der Kreuzigung Jesu, vor dem in Lila gehaltenen Aquarell „Golgatha V“.

Berührende Beispiele, dass die Harmonie der Farben in den Bildern von Hannelore Röhl uns in geistige Schwingungen und wie in „eine Sinfonie“ versetzt, wie Peter Guth 2004 in seinem Porträt der Künstlerin formulierte. Ein gewichtiges Indiz dafür, dass Georg Wilhelm Friedrich Hegel in seinen Vorlesungen zur Philosophie der Kunst bereits 1820 den Nagel auf den Kopf traf, wenn er meinte, dass die Farben die „Musik der Malerei“ ausmachen.

Daten zu Hannelore Röhl

1934 in Pethau (Sachsen) geboren. 1952 Abitur in Zittau. 1952 – 1956 Studium der Malerei, Kunsterziehung und Kunstgeschichte am Caspar-David-Friedrich-Institut der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Bis 1960 Gymnasiallehrerin in Leipzig. Ab 1976 Bereichsleiterin „Kunst am Bau“ in Leipzig. 1977 bis 1978 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig persönliche Referentin von Prof. Bernhard Heisig. 1970 bis 1990 Leiterin der Galerie im Leibniz-Klub Leipzig. Seit 1990 ausschließlich als Malerin und Kunstpädagogin (Malkurse) in Leipzig und Kohren-Salis tätig. 2004 Erscheinen des Bildbandes: „Hannelore Röhl. Aquarelle“ mit einem Einführungstext von Dr. Peter Guth. Seit 1990 Lesungen aus dem Briefwechsel mit der befreundeten Schriftstellerin Maxie Wander.

23. Mai 2017

Die Malerin, der Bertuch Verlag und der Autor danken Frau Ursula Drechsel für die gelungenen Fotografien der Aquarelle, fotografiert am 12.05.2017.