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Friedrich W. Kantzenbach

Erfundenes Glück

Der Autor beschäftigt sich auf lyrischem Weg mit den essentiellen Dingen des Lebens. Er reflektiert seine reichen literarischen Begegnungen und verarbeitet Reiseerlebnisse und persönliche Bekanntschaften mit Menschen, die ihn beeindruckten. Zunehmend durchdringen die Themen Krankheit, Tod und Vergänglichkeit seine Texte.

 

mittelpunkt LE

mittelpunkt LE

Jutta Pillat

Mendelssohns Zeichnung 1836.
Mendelssohns Zeichnung 1836.

 

mir fehlten die ehrwürdigen gaslaternen/

mein herz spürte sehnsucht: zurück nach L./

ich lief mir die hacken wund/um wiederzukommen/

fand meinen mittelpunkt/

meinen roten faden zu den gesprächigen leuten im

fahrstuhl unseres hauses endlich auf dauer/

die nachbarin trug kopftuch/

als hier geborene war ich im ideennest angekommen/

nun kann ich neben dem kostbaren city-tunnel

einschlafen, erwachen/

bin buchmessegefährdet und habe bach und thomaner mit im boot/

wenn ich zeit habe/

flaniere ich in den promenaden als eine der frauen


mendelsohns/

wer kann das schon von sich sagen?/

über schlaglöcher finde ich überallhin/

Dieses Gedicht stammt aus dem Buch  Stimmen für Leipzig, zusammengestellt und herausgegeben von Jutta Pillat, Leipzig 2015.