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ISBN 978-3-86397-051-2 | 380 S. | Hardcover
Paul Luther in Leipzig

Paul Luther in Leipzig

Christoph Werner

Der jüngste und berühmteste Sohn des Reformators

Paulus oder Paul Luther (1533-1593) war der jüngste und berühmteste Sohn des Reformators. Auf Wunsch seines Vaters und auf Zuraten von Philipp Melanchthon studierte er Medizin in Wittenberg und war schon in jüngeren Jahren Leibarzt an verschiedenen Fürstenhöfen, darunter in Gotha, Weimar, Berlin und Dresden. Außerdem war er Pharmazeut und versuchte sich als Goldmacher. Seine letzten Jahre verbrachte er als praktischer Arzt in Leipzig. Kurz vor seinem Tod ernannte ihn Herzog Friedrich Wilhelm von Sachsen-Weimar, Administrator des Kurfürstentums Sachsen, noch zum Leibarzt für sich und die kurfürstlichen Kinder. Er wurde in der Paulinerkirche beigesetzt.

Lesen Sie einen Auszug aus dem Buch von Christoph Werner, „Paulus Luther, sein Leben von ihm selbst aufgeschrieben", das im Bertuch-Verlag Weimar erschienen ist.

Paul Luther.
Paul Luther.

Ich war es leid, zusehen zu müssen, was verdienstvollen Leuten geschah und zog mit meinen Büchern und meiner Laboratoriumseinrichtung nach Leipzig, wo ich mich als Leutearzt niederließ. Das war a. 1590. Es tat gut, dem Hofleben mit seinen Lügen und Intrigen, der erforderlichen Geschmeidigkeit und auch Feigheit entronnen zu sein.

Meine Patienten in Leipzig waren meist normale Bürgersleute, die für jede Zuwendung dankbar waren und auch nicht dauernd mein Handeln in Frage stellten. Am liebsten aber waren mir am Ende meiner ärztlichen Tätigkeit die Armen, die ich kostenlos behandelte. Sie nahmen jeden Tod als gottgewollt und nicht vom Arzt verschuldet hin, was mir das Leben erleichterte.

Zwei Jahre darauf erreichte mich die Aufforderung des kurfürstlich-sächsischen Administrators Friedrich Wilhelm von Sachsen-Weimar, für ein sehr ansehnliches Gehalt Leibarzt für ihn und die kurfürstlichen Kinder zu werden. Trotz vieler Bedenken und meiner stärker werdenden Lebensmüdigkeit sagte ich zu. Diese Tätigkeit war nur kurz, denn seit Wochen bin ich krank und kein Arzt, sondern selbst Patient.