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André Barz
Kennst du E.T.A. Hoffmann?

"Erlaubst du, geneigter Leser, ein Wort? Hättest du nicht Lust auf einen Tee oder eine heiße Schokolade? Vielleicht magst du aber auch lieber einen Punsch, so wie ich?"

Dieses Buch, versehen mit allerlei Bildern und Zeichnungen, macht es leicht E.T.A. Hoffmann kennenzulernen. Das Beste daran ist, der "erste Fantasy-Dichter" erzählt ganz persönlich sein Leben, davon, wie er eigentlich Musiker werden wollte und dann doch Schriftsteller geworden ist, obwohl ihn das nie interessiert hat, und von seinen Erfahrungen mit der Liebe. Nebenbei gibt er einige seiner Märchen und Erzählungen zum besten.

Helmut Richter

Helmut Richter

Prof. Dr. habil. Horst Nalewski

Helmut Richter
Helmut Richter

Kann es einem Schriftsteller, kann es einem Lyriker erhebend sein, wenn er auf ein einziges Werk, gar nur auf ein einziges Gedicht „reduziert" wird?

Liest man Klappentexte, liest man Rezensionen zu Helmut Richters Buchausgaben, wird auf das Titellied seines Fernseh?lms „Über sieben Brücken musst du gehen" verwiesen, dessen letzter Refrain - wir erinnern uns - lautet: „Über sieben Brücken musst du gehen,/ Sieben dunkle Jahre überstehn,/ Siebenmal wirst du die Asche sein./Aber einmal auch der helle Schein."
Dies sei ein „Welthit" geworden, in 30 Sprachen übersetzt, wird da festgestellt, diese „Rockballlade" würde „die Deutschen in Ost und West nun schon seit 25 Jahren begleiten", und er selbst, der Dichter, sei Dank eines Songs „unsterblich geworden".

Wer Helmut Richter auch nur ein wenig kennt, weiß, dass solche „Erhebung" ihn eher peinlich berührt. Denn er ist anders und mehr. Am 30. November 2013 ist er 80 Jahre alt geworden. Und wir, seine Leser und seine Freunde, danken ihm für sein in unser aller Zeitgeschichte eingreifendes Lebens-Werk, für seine charaktervolle Lebens-Haltung und wünschen ihm die Balance eines weisheitsnahen, beschreibbaren Alterns.

Eigentlich und zunächst war seine Biogra?e eine typische für viele in Ostdeutschland, in der DDR. Als Sohn eines Schneiders in Mähren geboren, als Zehnjähriger nach Sachsen-Anhalt verschlagen, kam er 1950 nach Leipzig. Lernte den Beruf eines Maschinenschlossers, wurde an die ABF delegiert, studierte Physik und war von 1958 bis 1961 als Prüfingenieur tätig.

Dann ereignete sich die Kurve seiner Lebensbahn: Er wurde als Student der Poetenschule,  Instituts für Literatur „Johannes R. Becher«‚ auf Grund literarischer Proben angenommen und hatte wohl hier, 1961 bis 1964, sein „Erweckungserlebnis" durch Persönlichkeit und Werk seines Lehrers Georg Maurer. Ihm blieb er im poetologischen Selbstverständnis, in der Vorstellung von Gestalt und Vermögen des Gedichts anhaltend nah. Sodann freischaffend.

Mit journalistischen Arbeiten: Reportagen, Porträts, Glossen, schließlich Hörspielen, Filmszenarien, Erzählungen und immer wieder Gedichten. 1980 konnte Helmut Richter die Nachfolge des 1971 gestorbenen Georg Maurer als Leiter des Lyrik-Seminars an eben jener „kleinsten Hochschule der Welt" antreten, griff in das Kulturleben der Stadt Leipzig insofern ein, als er 1982 die „Leipziger Blätter" gründete (deren Herausgeberbeirat er bis 2008 angehörte) und steuerte das Schiffchen des Literatur-Instituts als Direktor in schwierigen Zeiten, 1990 bis 1992.

Bereits 1998 war im Verlag Faber & Faber der Band „Wiedersehn nach Jahr und Tag. Mit acht Bildbeigaben von Frank Ruddigkeit" erschienen. 2008 erschien nun im gleichen Verlag ein schön gestaltetes Bändchen mit dem herausfordernden Titel „Was soll nur werden, wenn ich nicht mehr bin? Hundert Gedichte" . Es ist die Summe seines lyrischen Schaffens 1962 - 2007. Der Einfall „Hundert Gedichte" stammt möglicherweise von Brecht, 1951. Der Aufbau-Verlag hat diese Tradition seit einigen Jahren wieder aufgenommen. Nun folgt dem der Leipziger Verlag. Ein Glücksfall für den, der darin sich findet.

Gegliedert ist das Bändchen nicht chronologisch, sondern dreigeteilt in:

ZEITGENOSSEN/ ORTSBESCHREIBUNG/ BETRACHTUNGEN. In einer Vorbemerkung bekennt der Autor sich zur „Meinung und Haltung des Einzelnen", also zu einer Subjektivität, unterstreicht aber zugleich, dass seine Gedichte in ihren „poetischen Anlässen der Realität entstammen". Ein betroffener Beobachter der Wirklichkeit „zweier grundverschiedener Gesellschaftsordnungen". In Melancholie und Sarkasmus, immer aber in dem Wunsch, den eigenen Blick und den der Leser auf diese Welt aufzuhellen, zu schärfen. Dankenswerterweise ist hier immer noch Aufklärung am Werke.

Zum 80. Geburtstag macht sich ein Schriftsteller ein Geburtstagsgeschenk mit einem ganz eigenen Büchlein: Einhundert Kleinststrophen auf einhundert Seiten. Sie folgen einem irischen Vorbild von Anfang des 19. Jahrhunderts, der volkstümlich skurrilen Dichtung um Stadt und Grafschaft Limerick. Ein solcher Minimalismus - fünf Verse in festem Reimschema auf einer Seite - bedurfte der Hilfe. Und die kam dem Autor in Gestalt des Illustrators Egbert Herfurth, der in staunenswerter Fantasie jeder Strophe Form und Bildlichkeit schenkte, und des Verlegers Elmar Faber, der als erster seinen Spaß an den Einfällen gehabt und abermals einem Buch die gemäße Gestalt erdacht haben mag.

Helmut Richter: Was soll nur werden, wenn ich nicht mehr bin? ISBN 978-3-86730-068-1

Glückwunsch zu diesem Leben und zu diesem Werk!

   

Helmut Richter:
...wer die Fuge liebt, der beweibt sich.

Hundert Limericks mit Hundert Illustrationen von Egbert Herfurth
EUR 14,-
ISBN 978-3-86730-133-6

Vorzugsausgabe
100 Exemplare mit je einer nummerierten separat beigelegten und vom Künstler signierten Graphik
EUR 30,-

Daraus eine Szene mit der Überschrift KONGENIAL

Vor dem Bachmonument in Leipzig/ Steht ein Ehemann und verneigt sich,/

Und erklärt seiner Frau:/" Auch Bach wusste genau,/

Wer die Fuge liebt, der beweibt sich."

Göltzschtalbrücke. Foto: Christa Trommer.
Göltzschtalbrücke. Foto: Christa Trommer.
  • Weitere Texte von Helmut Richter

Über sieben Brücken mußt du gehn

Manchmal geh' ich meine Straße ohne Blick,
Manchmal wünsch' ich mir mein Schaukelpferd zurück.
Manchmal bin ich ohne Rast und Ruh',
Manchmal schließ' ich alle Türen nach mir zu.
Manchmal ist mit kalt und manchmal heiß,
Manchmal weiß ich nicht mehr, was ich weiß.
Manchmal bin ich schon am Morgen müd',
Und dann such ich Trost in einem Lied.

Manchmal scheint die Uhr des Lebens stillzustehn,
Manchmal scheint man immer nur im Kreis zu gehn.
Manchmal ist man wie vom Fernweh krank,
Manchmal sitzt man still auf einer Bank.
Manchmal greift man nach der ganzen Welt,
Manchmal meint man, daß der Glücksstern fällt.
Manchmal nimmt man, wo man lieber gibt,
Manchmal haßt man das, was man doch liebt.

Über sieben Brücken mußt du gehn,
Sieben dunkle Jahre überstehn,
Siebenmal wirst du die Asche sein,
Aber einmal auch der helle Schein.

 

Antigone. Ölgemäldevon Frederic LeighFton (1830–1896).
Antigone. Ölgemäldevon Frederic LeighFton (1830–1896).

Antigone anno jetzt

Als sie aufgestanden war, stand sie allein,

Ringsum Menschen, die sie lange kannten,

Aber nun die Blicke auf sie wandten,

So, als würde sie hier eine Fremde sein.

 

Und sie sah an mancherlei Gebärden,

Welche böse Lust die andern überkam:

Wenn sie jetzt Partei für ihren Bruder nahm,

Würde sie in tiefes Schweigen eingemauert werden.

 

Da verließ Antigone der Mut.

Denn ihr selbst schien jetzt, es sei nicht gut,

Ganz alleine aufzustehen.

 

Also setzte sie sich wieder.

Und nun schlugen alle ihre Augen nieder,

Als sei etwas Schreckliches geschehn.

 

Ein makelloses Sonett, 1965, im Jahr des 11. Plenums des ZK der SED* verfasst.

                                                                                                                    (Horst Nalewski)

 

Leonid Breschnew 1973
Leonid Breschnew 1973

* Das 11. Plenum des ZK der SED fand vom16. bis 18. Dezember 1965 statt und markierte einen Einschnitt in der Entwicklung der DDR. Ursprünglich als Plenum zu Fragen der Wirtschaft geplant, entwickelte es sich als „Kahlschlag-Diskussion" der Jugend-und Kulturpolitik. Zielgruppe der scharfen Kritik der Parteifunktionäre, allen voran Erich Honecker, waren Künstler und auch staatliche Kontrollgremien, die versagt hätten. Die Vorwürfe lauteten „Nihilismus", „Skeptizismus" und „Pornographie". In der Folge wurden zahlreiche Filme, Theaterstücke, Bücher und Auftritte von Musikgruppen verboten, zum Beispiel die Filme Das Kaninchen bin ich (Regie: Kurt Maetzig) und Spur der Steine (Regie: Frank Beyer) oder das Buch Der Tag X (späterer Titel Fünf Tage im Juni), Stefan Heyms Buch über den Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Honecker griff Heym auf dem 11. Plenum persönlich heftig an. Ebenso verboten wurde später das Theaterstück Der Bau von Heiner Müller. Eine kurze Phase der Liberalisierung war damit beendet. Die Verschärfung des kultupolitischen Kurses der SED stand im engen Zusammenhang mit dem Machtwechsel in der Sowjetunion: Am 14. Oktober 1964 wurde mit der Mehrheit von Politbüro und Zentralkomitee Nikita Chruschtschow als Parteichef abgesetzt. Leonid Breschnew übernahm das Amt als neuer Erster Sekretär des ZK der KPdSU.

                                                                                                                                                                                               (Ursula Brekle)