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Das Kräuterweib vom Hexenberg, Band 2

Bedeutung und Anwendung von Heil- und Gewürzpflanzen

Diese übersichliche kleine Broschüre vermittelt althergebrachtes Wissen um die Zubereitung und Wirkung hiesiger Kräuter und Heilpflanzen.

Wie schon im ersten Heft sind hier Tipps für die Herstellung eigener Hausmittelchen gegen allerhand Alltagszipperlein, wie Erkältungen, Husten, Rheumaschmerzen, Insektenstiche, Nervenleiden oder Hautprobleme gesammelt.

Grab der Kleist-Verlobten Wilhelmine von Zenge nachgewiesen

Grab der Kleist-Verlobten Wilhelmine von Zenge nachgewiesen

Alfred E. Otto Paul

Wilhelmine von Zenge.
Wilhelmine von Zenge.

Wilhelmine von Zenge, der einstigen Verlobten des großen deutschen Schriftstellers Heinrich von Kleist, gilt seit langem das besondere Interesse des Kleist-Forschers und ehemaligen Direktors des Kleist-Museums Frankfurt / Oder, Dr. phil. habil. Hans-Jochen Marquardt.

Ihr Grab ist bis in unsere Zeit der Kleist-Forschung unbekannt und so wandte sich Marquardt an mich in der Hoffnung, dass ich das Rätsel um das Grab der Wilhelmine von Zenge lösen kann.

Kleist als Spross einer uradeligen pommerschen Familie hatte, jahrhundertealter Familientradition folgend, im Jahre 1792 eine militärische Laufbahn im Potsdamer Garderegiment begonnen, nahm dann aber bereits 1799 als Leutnant seinen Abschied und wollte sich fortan den Wissenschaften widmen.

Heinrich von Kleist.
Heinrich von Kleist.

 

So begann er 1799 in seiner Geburtsstadt Frankfurt / Oder ein Studium an der dortigen Viadrina und lernte im gleichen Jahr hier die Generalstochter Charlotte Wilhelmine von Zenge kennen, deren Vater Standortkommandeur von Frankfurt war.

Von der entbrannten Liebe des jungen Kleist zu Wilhelmine von Zenge zeugen zahlreiche erhaltene Briefe und zu Beginn des Jahres 1800 feierte man das Verlöbnis.

Aber Wilhelmine von Zenge fand wohl „wegen ihrer sanften Gemütsart" in dieser Verbindung mit Heinrich von Kleist nicht das erhoffte Liebesglück und so löste sich dieses Verlöbnis bereist im Jahre 1802.

Grabstein Traugott Krug auf dem Alten Johannisfriedhof.
Grabstein Traugott Krug auf dem Alten Johannisfriedhof.

Ihr Glück findet sie in der Begegnung mit dem Philosophen Wilhelm Traugott Krug, der seit 1801 einen Lehrauftrag an der Frankfurter Viadrina inne hat.

Weihnachten 1803 verloben sich Wilhelmine von Zenge und Wilhelm Traugott Krug, im Januar 1804 heiraten sie in der Frankfurter Marienkirche.

1805 wird der Sohn August Otto Krug geboren, dem später fünf weitere Geschwister folgen.

In diesem Jahr übersiedelt die Familie Krug nach Königsberg, wo Traugott Krug als Professor für Philosophie die Nachfolge des großen Immanuel Kant (1724 - 1804) antritt.

Ab 1809 wirkt Traugott Krug als Professor an der Universität Leipzig und wird in den Jahren 1813 sowie 1830 zu deren Rektor gewählt.

Der äußerst verdienstvolle Prof. Traugott Krug erhält im Jahre 1841 die Ehrenbürgerwürde der Stadt Leipzig.

Am 12. Januar 1842 stirbt Wilhelm Traugott Krug und wird am 15. Januar 1842 in der V. Abteilung des Leipziger Johannisfriedhofes in einem Einzelgrab mit der Nummer 1214 beerdigt.

 

Inschrift des Grabes, von oben fotografiert.
Inschrift des Grabes, von oben fotografiert.

Wilhelmine Krug geb. von Zenge lebt noch zehn Jahre im Witwenstand.

Am 25. April 1852 stirbt sie im 72. Lebensjahr in ihrer Wohnung im Leipziger Naundörfchen No.1015 als „Herrn Wilhelm Traugott Krug Doctors und Professors der Philosophie Witwe" und wird zwei Tage später im Einzelgrab ihres Gatten beerdigt.

Wenngleich die Möglichkeit bestanden hätte, ihren Namen in das als Steinwürfel gestaltete Grabmal einzumeißeln, hat man darauf verzichtet. Ein eisernes Gitter umschloss einst dieses Einzelgrab und ein efeubewachsener Grabhügel bedeckte die beiden Särge.

Wenngleich die Umstände dieses Begräbnisses - vieles deutet auf eine vor der Beisetzung der Witwe erfolgte Exhumierung des Gatten - noch abzuklären sind, habe ich den Ort der Bestattung der einstigen Kleist-Verlobten zweifelsfrei nachweisen können. Damit ist ein wertvoller  Beitrag für die Kleist-Forschung erbracht sowie gleichermaßen an die enorme kulturgeschichtliche Bedeutung des Leipziger Alten Johannisfriedhofes erinnert worden.

Bildernachweis: Die Porträts von Heinrich von Kleist und Wilhelmine von Zenge sind Wikimedia Commons entnommen, sie sind gemeinfrei. Die Fotos des Grabsteines stammen aus dem Archiv U. u. H. Drechsel.