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Tee mit der Königin

Kurzgeschichten aus Wales herausgegeben und übersetzt von Frank Meyer und Angharad Price.

Kirchen im Leipziger Westen: Die Nathanael-Kirche und die Philippus-Kirche

Kirchen im Leipziger Westen: Die Nathanael-Kirche und die Philippus-Kirche

Angelika Pohler

Die Nathanael - Kirche

Die Nathanael-Kirche auf einer alten Postkarte.
Die Nathanael-Kirche auf einer alten Postkarte.

Vorgängerkirche: Sie war die mittelalterliche Lindenauer Dorfkirche und wurde, wie alle Leipziger Kirchen zur Reformationszeit im 16. Jahrhundert, evangelisch.

Im Jahr 1847 gründete sich ein Baufonds, der eine neue Kirche vorbereiten sollte, weil die alte Kirche sehr baufällig war und vielen zugezogenen Gemeindegliedern keinen entsprechenden Raum bieten konnte. Doch erst 1878 wurde die alte Dorfkirche abgerissen. Beim Abriss fand ein Maurer den Tod.

Die mehrfach gedruckte Erzählung vom ersten Christbaum in der Kirche zu Lindenau 1632, „angerichtet" von einem in der Schlacht bei Lützen verwundeten Schweden, muss als Sage bezeichnet werden. 

Grundsteinlegung: Sie erfolgte am 12. Dez. 1881. Die Kirche wird nach den Plänen der Architekten August Hartel und Constantin Lipsius gebaut.

Einweihung: Sie fand am 29. Juni 1884 statt. Ein Jahr vorher reißt eine Windhose den fast fertigen Turm und das Baugerüst ein, wobei fünf Zimmerleute und Maurer den Tod finden. Zur Einweihung läuteten die neuen Glocken, die durch das Einschmelzen der alten Bronzeglocken gegossen werden konnten.

Um 1900 gehörten bereits mehr als 50 000 Gemeindeglieder zum Lindenauer Einzugsgebiet. Deshalb kam es zur Teilung der Gemeinde und zur Errichtung der Philippuskirche.

Die Nathanael-Kirche heute.
Die Nathanael-Kirche heute.

Ausschmückung: Die Nathanaelkirche ist im neogotischen Stil erbaut und außen mit roten Verblendziegeln verkleidet. Dem Turm mit dem Haupteingang schließt sich ein dreischiffiges gewölbtes Hallenlanghaus an, das durch einen polygonalen Chor abgeschlossen wird. In der Kirche befanden sich anfangs 1.100 Sitzplätze. Die neugotische Ausstattung umfasst Altartisch, Kanzel, Lesepult, Taufstein und Orgel.

 

Besonderheiten: Der Turm mit seiner 74 m hohen Spitze überragt und prägt den ganzen Stadtteil. Erwähnenswert sind die Glasgemälde der Chorfenster von 1887. Dargestellt sind die vier Evangelisten sowie Petrus und Paulus. Außerdem findet sich in der Kirche die weitgehend original erhaltene gründerzeitliche Ausmalung aus der Entstehungszeit und die größte original erhaltene Orgel der Fa. Urban Kreuzbach aus Borna. Sie ist die älteste pneumatische Orgel in Sachsen (z.Zt. defekt).

Seit 1994 wird die zu DDR-Zeit als Lagerraum genutzte Kirche wieder für Gottesdienste, Ausstellungen und Konzerte genutzt. Der Kirchturm konnte inzwischen saniert werden. Die beiden Sakristeien erhielten bereits jeweils ein neues Dach. Größte Bauaufgabe ist ein solides dichtes Dach über dem Kirchenschiff. Die Restaurierung des gesamten Innenraumes steht noch aus. Es wird auch noch Geld für eine weitere neue Glocke gesammelt, um das Geläut zu vervollständigen.

Zur Gemeinde gehört die ev. Kindertagesstätte Nathanae.

Die aktuellen Informationen finden Sie unter: www.nathanaelkirche-leipzig.de

Quellen: „Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum der Nathanael-Kirche", „Stadt Leipzig, die Sakralbauten".

Fotos: Privat, Archiv der Nathanaelgemeinde.

Die Philippus - Kirche

Die Philippus-Kirche auf einer alten Postkarte.
Die Philippus-Kirche auf einer alten Postkarte.

Vorgängerkirche:

Eine Vorgängerkirche gab es nicht. Ab ca. 1850 erwarb der Rechtsanwalt und Unternehmer Dr. Karl Heine große Flächen in Lindenau und Plagwitz, ließ Straßen, Kanäle, Brücken und Eisenbahngleise bauen und schaffte damit die Grundlagen für eine rasche Industrieansiedlung im Leipziger Westen. Mit dem Zuzug der vielen Menschen, die hier Arbeit fanden, zählte die evangelische Kirchgemeinde Lindenau um 1900 ca. 50 000 Mitglieder. Eine Teilung wurde erforderlich. 1906 verselbständigte sich die geteilte Gemeinde mit ca. 14 000 Mitgliedern und begann ein Jahr später mit der Planung zum Bau der Philippuskirche. In der Zwischenzeit fand der Gottesdienst in der Aula der Helmholzschule statt.

Grundsteinlegung: Sie fand am 10.11.1907 nach den Plänen des Leipziger Architekten Alfred Müller statt.

Einweihung:

Am 16.10.1910 läuteten die bereits fertiggestellten Glocken zur Kirchenweihe. Der Name der Kirche geht auf den Jünger und Apostel Philippus zuruck, der sich sehr früh Jesus angeschlossen hatte.

Die Philippus-Kirche heute.
Die Philippus-Kirche heute.

Ausschmückung:

Die Außenarchitektur orientiert sich am niederländischen Frühbarock. Das zeigt sich besonders am 62 m hohen Turm. Im Inneren kommt ein gemäßigter Jugendstil zu Geltung, besonders in den Details wie Lampen (die sowohl mit Gas, als auch mit Strom funktionierten) und Beschlägen. Altar, Kreuz und Kanzel bilden eine Einheit. Die Kanzel ist organisch in die Brüstung der Orgelempore eingefügt. Eine pneumatisch betriebene JehmIich-OrgeI schließt die Apsis nach oben ab. Die Kirche verfügt über 730 Plätze.

Besonderheiten:

Der Architekt folgte dem Konzept des „Wiesbadener Programms von 1891", das bedeutet, dass sich die Gemeinde nicht vor dem Altar und unter der Kanzel, sondern um das Zentrum des Gottesdienstgeschehens versammelt. Altar, Kreuz, Kanzel, und Orgel sind deshalb als ein Block hintereinander und übereinander angeordnet. Die Sitzreihen gruppieren sich in konzentrischen Kreisen um diese Mitte herum. Diese Bauweise widersprach den in Sachsen geltenden liturgischen Maßstäben und wurde gegen den Widerstand der Landeskirchenleitung durchgesetzt.

Entstanden ist hier die reifste Lösung nach dem „Wiesbadener Programm" in Deutschland.

Jetzige Situation:

Die Gemeinden der Philippus- und der Heilandskirche vereinigten sich 1999 zur Kirchgemeinde Lindenau-Plagwitz. Seit 2002 werden die Gottesdienste in der benachbarten Heilandskirche gehalten. Nach den neuen Plänen möchte das Berulsbildungswerk Leipzig (BBW) das über 100 Jahre alte Bauensemble - Kirche und Pfarrhaus - zu einem Integrationshotel mit Gastronomie und Freisitz am Karl-Heine-Kanal umgestalten.

Quellen: „Stadt Leipzig, die Sakralbauten", Gemeindenachrichten.

Fotos: Privat, Archiv der Philippuskirche