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Arno Pielenz
Kennst du Heinrich von Kleist?

"... mein Leben, das allerqualvollste, das ein Mensch je geführt hat." So schrieb Heinrich von Kleist an eine seinem Herzen nahe stehende Verwandte wenige Stunden, bevor er sich mit seiner Todesgefährtin am Wannsee erschoss.

Dr Sänger

Dr Sänger

Lene Voigt

Joseph Tichatschek als Tannhäuser in Dresden. 1845 von F. Tischbein gezeichnet. Der Tenor lebte und starb in Dresden.
Joseph Tichatschek als Tannhäuser in Dresden. 1845 von F. Tischbein gezeichnet. Der Tenor lebte und starb in Dresden.

„Wär singt dänn da so wunderscheen,

Daß een äs Härze dud uffgehn?"

Dr Geenich fragtes un befahl:

„Mr bring dän Gärl bei mich in Saal!"

 

Dr Sänger, där verneichte sich

Un bickte sich un beichte sich,

Dann schtimmtr änne Arie an

Un hing zum Schluß ä Driller dran.

 

Dr ganse Hof war dief geriehrt

Un hat wie bleedsinnch abblaudiert.

Dr Geenich schbrach: „Heh, Sänger du,

Jetz gib noch was rächt Schmalzches zu!"

 

Druff sang där Mann ä Wiechenlied,

Daß färmlich's een ins Bädd neinzieht.

Beim lätzten Worte „Guddenacht"

Hatr de Oochen zugemacht.

 

„Nee," rief dr Geenich, „war das scheen!

Hier haste ooch ä Edelschten."

Un huldvoll zärrtr von dr Hand

Sich ä sähr gostbarn Diamant.

 

„Das liecht mr färne," schbrach där Mann,

„Daß ich nähm ä Brillanten an.

De Sibo gäm bald nachgesaust

Un dächte, dän hab ich gemaust."

 

„Wie gut geschbrochen," rief dr Färscht,

„Uff andre Art geährt de wärscht:

Hier, nimm mein Schlibbs aus Seidenband,

Ich wärch dr'n um mit eechner Hand."

 

„Behalt dein Schlibbs, behalt dein Ring!

Ich du wie so ä Vochel sing'

Umsonst un gradis jederzeit,

Mei Lohn is, wänn's de Mänschen freit.

Doch willste mir durchaus was gähm -

Ä Däbbchen Gaffee, das däd'ch nähm!"

 

 

Quelle:

Voigt, Lene: Säk'sche Balladen. Leipzig o. J. Erstausgabe